Montag, 11. März 2013

Wildwuchs – ungezügelter Tourismus im Nordwesten Costa Ricas



„Good morning Sir“, „What’s up“ oder ein simples „Hello“. Die Umgangssprache der Touristen an der Playa del Coco, rund 35 Kilometer südwestlich der Kleinstadt Liberia (s. vorheriger Blogeintrag) in der Provinz Guanacaste im Nordwesten Costa Ricas, ist Englisch. Das ist wenig verwunderlich, denn der Strand und die Nachbarbuchten sind fest in nordamerikanischer Hand. Das Essen ist mit Hamburgern, Pizzas und Steaks auf den Geschmack der Gäste abgestimmt. Die Werbetafeln der Restaurants ebenfalls, die ihre Gäste mit Bier und Margaritas für 1.40 US-Dollar anlocken. Auffallend sind die vielen Schilder von Immobilienbüros, die mit Slogans wie „Invest in a lifestyle“ werben.

Wann platzt die Immobilienblase?


Denn viele Amerikaner machen nicht nur in den zahlreichen Hotels Urlaub, sondern haben sich gleich eine Ferienwohnung gekauft – um sie selbst zu nutzen, zu vermieten oder einfach als Spekulationsobjekt. Wie beispielsweise an der Playa Hermosa, nur wenige Kilometer nördlich der Playa del Coco. Dicht an dicht drängen sich hier die Wohnobjekte die Hänge im Hinterland des Bilderbuchstrandes hoch. Seit  den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird hier ohne größere Auflagen munter drauf los gebaut. Doch zwischen fertiggestellten Häuser sieht man immer wieder Bauruinen, Mahnmale der Wirtschaftskrise 2008, die den Bauboom vorübergehend zum Erliegen brachte. An vielen Häusern sind „For Sale“-Schilder angebracht.

Luxus in allen Varianten


Doch glaubt man den denjenigen Einheimischen, die dem Tourismus positiv gegenüber stehen, geht es wieder aufwärts. Die Region boomt, wenn auch vorübergehend auf Sparflamme, und auch große Ketten wie Four Seasons oder Hilton haben sich – in exklusiver Lage – an den zahlreichen Stränden niedergelassen und verwöhnen ihre Gäste auf höchstem Niveau. Dazu zählen üppige Badelandschaften, tropische Gärten und natürlich der obligatorische Golfplatz. So verbraucht beispielsweise das 5-Sterne-alles-inklusive-Hotel Riu Guanacaste an der Playa Matapalo mit seinen 700 Betten täglich mehr als 400.000 Liter Wasser. Dieser enorme Wasserverbrauch kann in der knochentrockenen und heißen Landschaft nur mit dem Bau von Pipelines aus dem Landesinneren befriedigt werden.

Wasser muss her – koste es was es wolle


Solch eine neue Pipeline soll von Sardinal, einem kleinen Ort, rund neun Kilometer Luftlinie von Playa del Coco entfernt, ans Meer führen. Das Projekt ist bewilligt, die Brunnen sind gebohrt und dennoch stockt der Bau. Grund waren zum einen Proteste der Bevölkerung, die glaubte, man stehle ihr wertvolles Wasser, um es den Touristen zur Verfügung zu stellen. Dem sei nicht so, versichert man seitens der lokalen Wasserbehörde. In einem offiziellen Gutachten sei festgestellt worden, dass genug Wasser für alle da sei. Mit der Installation eines größeren Kanalsystems in Sardinal hat sich zumindest der Wasserdruck im Ort erhöht.

Es läuft nicht immer alles nach Plan


Doch auch praktische Gründe haben die Fertigstellung der Wasserleitung zur Küste bislang verhindert. Denn diese wird mithilfe eines treuhänderisch verwalteten Fonds finanziert. In diesen Fond müssen alle späteren Nutzer einzahlen, damit aus dem Projekt Realität wird. Doch das ist bisher nicht geschehen. Solange es aber kein zusätzliches Wasser gibt, solange erteilt auch die Gemeindeverwaltung des Cantons Carrillo, zum dem die Strände Cocos und Hermosa gehören, keine neuen Baugenehmigungen – zumindest nicht für Hotelprojekte. Das bremst den Bauboom spürbar ab. Das wiederum finden viele Einheimische gar nicht so schlecht.

Die Großen sahnen mal wieder ab


Denn nicht alle „Ticos“, so nennen sich Einwohner Costa Ricas“, sind von dem ungezügelten Bauboom und der nordamerikanische Invasion  an ihren Küsten begeistert. Profitiert haben wieder mal nur einige wenige, seien es die großen einheimischen Baufirmen mit Sitz in der Landeshauptstadt San José, die großen amerikanischen Immobilienfirmen und ausländische Hotelketten. Statistiken zufolge hat hingegen die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung in der Provinz Guanacaste seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 stärker als in anderen Provinzen Costa Ricas zugenommen. Nachhaltige Entwicklung sieht anders aus.

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