Mittwoch, 4. November 2026

Anpassungsindex: viel zu wenig Geld für Klimaschutz

Der Anpassungsindex 2026 von Brot für die Welt zeigt, dass die internationale Klimafinanzierung für Anpassungsmaßnahmen weiterhin äußerst ungerecht verteilt ist. Obwohl die Finanzierung insgesamt gewachsen ist, erhalten gerade die Länder mit dem höchsten Klimarisiko nicht die notwendige Unterstützung. Der durchschnittliche Indexwert ist sogar leicht von 0,59 auf 0,58 gesunken, wobei 1 eine risikogerechte Verteilung bedeutet. Von 129 untersuchten Ländern sind 37 extrem und weitere 55 stark unterfinanziert. Mehr als 6,3 Milliarden Menschen – über 97 Prozent der Bevölkerung dieser Länder – leben damit in Staaten, deren Anpassungsfinanzierung gemessen an ihrem Klimarisiko deutlich zu gering ausfällt. Besonders betroffen sind Länder wie Afghanistan, Tschad, Südsudan, Somalia, Niger, Mali und Jemen. Dass sie seit Jahren zu den Schlusslichtern gehören, verweist auf strukturelle Probleme beim Zugang zu internationaler Klimafinanzierung. Dabei sind Anpassungsmaßnahmen wie effizientere Bewässerung, hitzeresistente Pflanzen, Hochwasserschutz und Frühwarnsysteme angesichts zunehmender Dürren, Hitzewellen und Extremwetterereignisse dringend notwendig. Die Ergebnisse machen deutlich: Es reicht nicht, die Klimafinanzierung insgesamt zu erhöhen. Entscheidend ist auch, dass die Mittel entsprechend der tatsächlichen Klimarisiken verteilt werden.
(Die Karte basiert auf der im Zeitraum 2017-2023 zugesagten Anpassungsfinanzierung der Länder pro Kopf und setzt diese ins Verhältnis zum Klimarisiko).

Quelle: Brot für die Welt; Zusammenfassung: Frank Herrmann

 

Freitag, 30. Oktober 2026

Nach Tegut-Übernahme – noch mehr Macht für Supermärkte

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 178 Tegut-Filialen durch Edeka unter Auflagen genehmigt. Edeka darf weitere 24 Standorte innerhalb der nächsten vier Jahre nicht übernehmen. Damit werden zwar einzelne Wettbewerbsprobleme begrenzt, der Machtzuwachs des Marktführers aber nicht verhindert. Die vier größten Lebensmittelhändler – Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe und Aldi – kontrollieren bereits mehr als 90 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels. Durch die Übernahme wird diese Marktkonzentration weiter verstärkt. Die Folgen treffen vor allem Verbraucher, Landwirte und kleinere Lebensmittelhersteller. Die großen Handelsketten verfügen über erhebliche Verhandlungsmacht gegenüber ihren Lieferanten, drücken deren Preise und geben Kostensenkungen nicht vollständig an die Verbraucher weiter. Das Bundeskartellamt erkennt zwar Risiken für den Wettbewerb, hält diese jedoch nicht für ausreichend, um die Übernahme zu untersagen. Die Auflagen betreffen vor allem regionale Märkte. Weitere Zusagen Edekas, etwa auf unzulässige Preisnachlässe von Lieferanten ohne angemessene Gegenleistung zu verzichten, gehen kaum über bestehende rechtliche Verpflichtungen hinaus. Das grundsätzliche Problem bleibt ungelöst: Die Fusionskontrolle betrachtet einzelne Märkte und konkrete Wettbewerbsprobleme, statt die zunehmende Marktmacht der großen Handelskonzerne insgesamt ausreichend zu berücksichtigen. Auch die geplante Übernahme von 40 Tegut-Märkten durch Rewe könnte die Marktkonzentration weiter verschärfen. Ohne strengere kartellrechtliche Regeln drohen eine weitere Schwächung des Wettbewerbs sowie wachsende Nachteile für Verbraucher, Landwirtschaft und kleinere Lebensmittelhersteller.

Quelle: rebalance now; Zusammenfassung Frank Herrmann

Dienstag, 13. Oktober 2026

Die Empco-Richtlinie: Auswirkungen auf den Fairen Handel

Seit dem 27. September 2026 ist die EmpCo-Richtlinie („Empowering Consumers for the Green Transition“) in Kraft. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen schützen. Allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ sowie Nachhaltigkeitssiegel müssen künftig klar belegbar sein und bestimmte Anforderungen erfüllen. Für Weltläden betrifft das insbesondere Produktverpackungen, Werbeaussagen und Siegel des Fairen Handels. Die WFTO hat deshalb ein neues, unabhängiges Zertifizierungssystem eingeführt. Nicht konforme Siegel müssen entfernt oder überklebt werden. Auch Lieferanten wie GEPA, El Puente und WeltPartner passen ihre Kennzeichnungen an. Bestimmte Aussagen, etwa „100 Prozent Fairer Handel“, sollten vermieden werden, wenn sie nicht eindeutig nachweisbar sind. Der Weltladen-Dachverband empfiehlt, eigene Webseiten und Werbematerialien zu überprüfen, bei Zweifeln Lieferanten anzusprechen und nicht konforme Kennzeichnungen auf Produkten zu entfernen oder zu überkleben. Eine allgemeine Abverkaufsfrist gibt es nicht. Viele Einzelfragen sind allerdings noch ungeklärt; die rechtliche Bewertung wird sich teilweise erst durch die künftige Rechtsprechung konkretisieren.

Quelle: Weltladen-Dachverband; Zusammenfassung Frank Herrmann

GENAUERES unter: https://service.weltladen.de/aktuelles/empco/