Dienstag, 2. Juni 2026

Absturz der Kakaopreise und die Folgen

Nach dem starken Anstieg der Kakaopreise 2024/25 ist der Weltmarktpreis zuletzt massiv eingebrochen. Für Kakaobäuerinnen und -bauern in der Côte d’Ivoire hat das dramatische Folgen. Berichten lokaler Partnerorganisationen zufolge blockierte die Vermarktungsbehörde CCC seit Ende 2025 Exporte, um auf bessere Preise zu warten. Dadurch konnten viele Kooperativen ihren Kakao nicht verkaufen, und Produzent*innen erhielten kein Geld. Anfang März senkte das CCC den staatlich festgelegten Erzeugerpreis um 57 Prozent – von 2.800 auf 1.200 CFA-Francs pro Kilogramm. Damit liegt der Preis deutlich unter den Produktionskosten. Viele Familien geraten dadurch in existenzielle Not, können Schulgebühren oder medizinische Versorgung nicht mehr bezahlen. Ein gesetzliches Verbot von Preisen unterhalb der Produktionskosten in Agrar-Lieferketten, wie es das Forum Fairer Handel, INKOTA und weitere zivilgesellschaftliche Organisationen in der laufenden Petition „Landwirtschaft braucht Fairness“ fordern, wäre ein wichtiger Schritt, um die Farmer*innen vor dem ruinösem Preisverfall zu schützen. 

Quelle: Forum Fairer Handel (FFH); Grafik: FFH, Zusammenfassung Text und Bild: Frank Herrmann

 


Dienstag, 26. Mai 2026

Neuausgabe Atlas der Zivilgesellschaft: wenn Fakten unter Druck geraten

Der 9. Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt untersucht, wie Desinformation weltweit Meinungen beeinflusst, demokratische Prozesse gefährdet und zivilgesellschaftliches Engagement erschwert. Im Mittelpunkt stehen die Mechanismen und Akteure von Desinformation, ihre Folgen für Gesellschaft und Demokratie sowie die Arbeit der Partnerorganisationen von Brot für die Welt im Globalen Süden. Gleichzeitig zeigt der Atlas die weltweite Lage der Zivilgesellschaft und fragt, ob sich der zunehmende Druck auf zivilgesellschaftliche Akteure weiter verschärft. Dabei wird auch betrachtet, welche Länder im internationalen Freiheitsranking auf- oder abgestiegen sind. Eine freie und lebendige Zivilgesellschaft gilt als zentral für Entwicklungsgerechtigkeit, da sie soziale Ungleichheiten sichtbar macht und benachteiligte Gruppen stärkt. Grundlage des Atlas ist der CIVICUS-Monitor des weltweiten Netzwerks CIVICUS, der zahlreiche unabhängige Datenquellen und Einschätzungen von mehr als 20 regionalen Partnerorganisationen zusammenführt. Dazu zählen unter anderem Bewertungen von Organisationen wie Reporter ohne Grenzen sowie Berichte nationaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Gruppen. Bewertet werden insbesondere Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit; staatliche Angaben fließen nicht in die Analyse ein. Die Freiheit der Zivilgesellschaft wird in fünf Kategorien eingeteilt: offen, beeinträchtigt, beschränkt, unterdrückt oder geschlossen. Laut aktuellem Bericht leben nur 3,4 Prozent der Weltbevölkerung – rund 277 Millionen Menschen in 39 Staaten – in Ländern mit vollständig garantierter Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Demgegenüber leben etwa 73 Prozent der Menschen weltweit, fast sechs Milliarden, in Staaten, in denen die Zivilgesellschaft unterdrückt oder geschlossen ist. Dort schränken Regierungen Freiheitsrechte massiv ein und gehen gegen kritische Stimmen mit Einschüchterung, Verhaftungen oder Gewalt vor. Insgesamt gelten 83 von 197 Ländern als unterdrückt oder geschlossen. Im Jahr 2025 wurden 15 Länder herabgestuft, darunter Deutschland, während sich Gabun, Mauretanien und Senegal verbessern konnten.

Quelle: Brot für die Welt (Text und Grafiken), Zusammenfassung: Frank Herrmann