Dienstag, 29. September 2026

Tourismus wächst – die Probleme auch

Der WWF Deutschland fordert ein grundlegendes Umsteuern im Tourismus. Hintergrund sind die zunehmenden Folgen der Klimakrise und des Massentourismus, darunter extreme Hitze, Waldbrände, Wasserknappheit, überfüllte Reiseziele sowie Müll- und Abwasserprobleme. Gleichzeitig wächst der Tourismus weiter: Der Flugverkehr erreicht neue Höchststände, es entstehen zahlreiche neue Hotels und auch die Kreuzfahrtbranche erweitert ihre Kapazitäten. Nach Ansicht des WWF reichen einzelne Maßnahmen für mehr Ressourceneffizienz nicht aus, da das starke Wachstum deren positive Effekte überlagert. Dadurch steigen Ressourcenverbrauch, Emissionen und Abfall, während natürliche Lebensräume und die Artenvielfalt zunehmend belastet werden. Der WWF fordert deshalb mehr Verantwortung von der Tourismusbranche, der Politik und den Reisenden. Unternehmen sollen ihre Angebote entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten und stärker zum Schutz der Reiseziele beitragen. Die Politik soll ökologische Grenzen festlegen, klimafreundliche und bezahlbare Mobilität fördern, Schutzgebiete stärken und die lokale Bevölkerung stärker beteiligen. Auch Reisende sollen neben Preis und Komfort die Umweltfolgen, den Ressourcenverbrauch, die Situation der Bevölkerung und Menschenrechte berücksichtigen. Insgesamt betont der WWF, dass Natur nicht nur als Kulisse für Reisen dienen dürfe, sondern geschützt werden müsse, wenn der Tourismus langfristig davon profitieren soll.

Quelle: WWF; Zusammenfassung Frank Herrmann

Dienstag, 22. September 2026

Übergewinne der Ölkonzerne: Abzocke an den Zapfsäulen

Die Ölkonzerne verdienen am Irankrieg weiter kräftig mit. Im August erreichten ihre Übergewinne an deutschen Tankstellen mit knapp 1,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. In der ersten Septemberhälfte kamen täglich weitere 46,2 Millionen Euro hinzu – davon 14,5 Millionen Euro bei Benzin und 31,7 Millionen Euro bei Diesel. Das zeigt eine Berechnung des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace. Auffällig ist die wachsende Lücke zwischen Rohöl- und Spritpreisen (s. Grafik). Das Argument der Mineralölbranche, sie gebe lediglich höhere Weltmarktpreise weiter, überzeugt vor diesem Hintergrund kaum. Denn die großen Mineralölkonzerne kontrollieren nicht nur die Tankstellennetze, sondern auch fast alle deutschen Raffinerien. Ihre Kosten zwischen Rohöleinkauf und Tankstelle sind weit weniger stark gestiegen als die Preise an der Zapfsäule. Hinzu kommt: Deutschland produziert seit Jahren mehr Benzin, als es selbst verbraucht, und deckt nahezu seinen gesamten Dieselbedarf aus heimischen Raffinerien. Eine starke Abhängigkeit von teuren Importen kann den Preisanstieg daher kaum erklären. Die Rechnung bezahlen die Verbraucher. Wer mit Öl heizt oder einen Diesel fährt, muss mit erheblichen Zusatzkosten rechnen. Greenpeace beziffert die jährliche Mehrbelastung beispielsweise auf rund 371 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Ölheizung, 923 Euro für ein Einfamilienhaus und 835 Euro für einen Diesel-Pkw bei durchschnittlicher Fahrleistung. Die Forderung von Greenpeace: Krisengewinne der Mineralölkonzerne sollten über eine Übergewinnsteuer abgeschöpft und für den Umstieg auf Wärmepumpen, öffentlichen Verkehr und kleine Elektroautos eingesetzt werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie abhängig Verbraucher von fossilen Energien und den Unternehmen sind, die sie vermarkten.


Quelle: Greenpeace; Zusammenfassung: Frank Herrmann

Dienstag, 15. September 2026

Studie: Gütesiegel als Kaufargument?

Der  „Gütesiegel Monitor 2026“ des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research zeigt, dass Gütesiegel vor allem die Wahrnehmung von Produkteigenschaften beeinflussen, während ihr Einfluss auf Kaufentscheidungen und die Bereitschaft, einen höheren Preis zu zahlen, begrenzt bleibt. Für die Untersuchung wurden im April 2026 insgesamt 2.500 Menschen in Deutschland im Alter von 18 bis 69 Jahren zu 38 Gütesiegeln aus den Bereichen Food und Non-Food befragt. Betrachtet wurden die Bekanntheit, das Wissen über die Inhalte, das Vertrauen, die Wirkung auf das Produktimage sowie die Kauf- und Preisbereitschaft. Dabei zeigte sich, dass diese Faktoren nicht automatisch zusammenhängen: Ein bekanntes Siegel genießt nicht unbedingt auch besonders viel Vertrauen oder führt zu einer höheren Kaufabsicht. Food-Siegel sind im Durchschnitt zu 42 Prozent bekannt, Non-Food-Siegel zu 30 Prozent. Das Deutsche Bio-Siegel erreicht mit 83 Prozent die höchste Bekanntheit, gefolgt von Fairtrade mit 75 Prozent. Das Wissen darüber, wofür die Siegel tatsächlich stehen, ist jedoch deutlich geringer. Beim Vertrauen spielt die Bekanntheit ebenfalls keine entscheidende Rolle: Die vergleichsweise wenig bekannte Veganblume erreicht mit 71 von 100 Punkten den höchsten Vertrauenswert. Besonders stark wirken Gütesiegel auf das Produktimage. In einem Experiment wurde ein identischer Kaffee mit Fairtrade-Siegel deutlich häufiger als fair wahrgenommen als derselbe Kaffee ohne Siegel; die wahrgenommene Fairness stieg um 44 Prozentpunkte. Auch faire Arbeitsbedingungen wurden dem Produkt häufiger zugeschrieben. Auf die tatsächliche Kaufwahrscheinlichkeit haben Gütesiegel dagegen nur bei etwa der Hälfte der untersuchten Produkte einen positiven Einfluss. Eine höhere Preisbereitschaft lässt sich noch seltener feststellen. Eine Ausnahme bildete beispielsweise der Blaue Engel bei Waschmaschinen, der zu einer medianen zusätzlichen Zahlungsbereitschaft von 50 Euro führte. Insgesamt kommt die Studie damit zu dem Ergebnis, dass Gütesiegel besonders erfolgreich darin sind, bestimmte positive Eigenschaften mit einem Produkt zu verbinden und dessen Wahrnehmung zu verbessern, während sie Kaufentscheidungen und die Bereitschaft zu höheren Preisen nur eingeschränkt beeinflussen.

Quelle: Splendid Research; Zusammenfassung Frank Herrmann