Die Ölkonzerne verdienen am Irankrieg weiter kräftig mit. Im August erreichten ihre Übergewinne an deutschen Tankstellen mit knapp 1,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. In der ersten Septemberhälfte kamen täglich weitere 46,2 Millionen Euro hinzu – davon 14,5 Millionen Euro bei Benzin und 31,7 Millionen Euro bei Diesel. Das zeigt eine Berechnung des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace. Auffällig ist die wachsende Lücke zwischen Rohöl- und Spritpreisen (s. Grafik). Das Argument der Mineralölbranche, sie gebe lediglich höhere Weltmarktpreise weiter, überzeugt vor diesem Hintergrund kaum. Denn die großen Mineralölkonzerne kontrollieren nicht nur die Tankstellennetze, sondern auch fast alle deutschen Raffinerien. Ihre Kosten zwischen Rohöleinkauf und Tankstelle sind weit weniger stark gestiegen als die Preise an der Zapfsäule. Hinzu kommt: Deutschland produziert seit Jahren mehr Benzin, als es selbst verbraucht, und deckt nahezu seinen gesamten Dieselbedarf aus heimischen Raffinerien. Eine starke Abhängigkeit von teuren Importen kann den Preisanstieg daher kaum erklären. Die Rechnung bezahlen die Verbraucher. Wer mit Öl heizt oder einen Diesel fährt, muss mit erheblichen Zusatzkosten rechnen. Greenpeace beziffert die jährliche Mehrbelastung beispielsweise auf rund 371 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Ölheizung, 923 Euro für ein Einfamilienhaus und 835 Euro für einen Diesel-Pkw bei durchschnittlicher Fahrleistung. Die Forderung von Greenpeace: Krisengewinne der Mineralölkonzerne sollten über eine Übergewinnsteuer abgeschöpft und für den Umstieg auf Wärmepumpen, öffentlichen Verkehr und kleine Elektroautos eingesetzt werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie abhängig Verbraucher von fossilen Energien und den Unternehmen sind, die sie vermarkten.
Quelle: Greenpeace; Zusammenfassung: Frank Herrmann

