Dienstag, 13. Oktober 2026

Die Empco-Richtlinie: Auswirkungen auf den Fairen Handel

Seit dem 27. September 2026 ist die EmpCo-Richtlinie („Empowering Consumers for the Green Transition“) in Kraft. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen schützen. Allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ sowie Nachhaltigkeitssiegel müssen künftig klar belegbar sein und bestimmte Anforderungen erfüllen. Für Weltläden betrifft das insbesondere Produktverpackungen, Werbeaussagen und Siegel des Fairen Handels. Die WFTO hat deshalb ein neues, unabhängiges Zertifizierungssystem eingeführt. Nicht konforme Siegel müssen entfernt oder überklebt werden. Auch Lieferanten wie GEPA, El Puente und WeltPartner passen ihre Kennzeichnungen an. Bestimmte Aussagen, etwa „100 Prozent Fairer Handel“, sollten vermieden werden, wenn sie nicht eindeutig nachweisbar sind. Der Weltladen-Dachverband empfiehlt, eigene Webseiten und Werbematerialien zu überprüfen, bei Zweifeln Lieferanten anzusprechen und nicht konforme Kennzeichnungen auf Produkten zu entfernen oder zu überkleben. Eine allgemeine Abverkaufsfrist gibt es nicht. Viele Einzelfragen sind allerdings noch ungeklärt; die rechtliche Bewertung wird sich teilweise erst durch die künftige Rechtsprechung konkretisieren.

Quelle: Weltladen-Dachverband; Zusammenfassung Frank Herrmann

GENAUERES unter: https://service.weltladen.de/aktuelles/empco/

Dienstag, 6. Oktober 2026

Rohstoffverbrauch: Weniger ist mehr

Deutschland ist bei metallischen Primärrohstoffen nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage, während Abbau und Verarbeitung häufig mit erheblichen sozialen und ökologischen Folgen verbunden sind. Eine zukunftsfähige Rohstoffpolitik sollte deshalb nicht nur danach fragen, woher Rohstoffe kommen, sondern auch, wie viele wir tatsächlich benötigen und wofür sie eingesetzt werden. Besonders in den Bereichen Mobilität und Bauen bestehen große Einsparpotenziale. Kleinere und leichtere Fahrzeuge, ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr, längere Produktlebenszeiten sowie die bessere Nutzung und Umnutzung bestehender Gebäude können den Bedarf an Primärrohstoffen deutlich senken. Auch Recycling, Reparatur und Wiederverwendung sind zentrale Bausteine – reichen allein bei weiter wachsender Nachfrage jedoch nicht aus. Weniger Rohstoffverbrauch ist dabei kein Widerspruch zur sozial-ökologischen Transformation. Entscheidend ist vielmehr, Rohstoffe gezielt dort einzusetzen, wo sie für gesellschaftlich notwendige Veränderungen gebraucht werden, etwa für erneuerbare Energien, Stromnetze oder öffentliche Infrastruktur, und vermeidbare materialintensive Bedarfe zu reduzieren.
Eine solche Rohstoffwende kann zugleich globale Auswirkungen mindern und Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten verringern. Sie sollte deshalb verbindliche Reduktionsziele, langlebige und kreislauffähige Produkte, eine ressourcenleichte Mobilität sowie starke Rechte für vom Bergbau betroffene Gemeinschaften umfassen. Deutschlands Rohstoffpolitik muss Angebot und Nachfrage zusammendenken: Die neue PowerShift-Publikation „Rohstoffverbrauch senken: Warum weniger mehr ist“ zeigt, dass nicht nur die Herkunft der Rohstoffe  politisch gestaltbar ist, sondern auch ihr Verbrauch.

Quelle: Powershift; Zusammenfassung: Frank Herrmann

Dienstag, 29. September 2026

Tourismus wächst – die Probleme auch

Der WWF Deutschland fordert ein grundlegendes Umsteuern im Tourismus. Hintergrund sind die zunehmenden Folgen der Klimakrise und des Massentourismus, darunter extreme Hitze, Waldbrände, Wasserknappheit, überfüllte Reiseziele sowie Müll- und Abwasserprobleme. Gleichzeitig wächst der Tourismus weiter: Der Flugverkehr erreicht neue Höchststände, es entstehen zahlreiche neue Hotels und auch die Kreuzfahrtbranche erweitert ihre Kapazitäten. Nach Ansicht des WWF reichen einzelne Maßnahmen für mehr Ressourceneffizienz nicht aus, da das starke Wachstum deren positive Effekte überlagert. Dadurch steigen Ressourcenverbrauch, Emissionen und Abfall, während natürliche Lebensräume und die Artenvielfalt zunehmend belastet werden. Der WWF fordert deshalb mehr Verantwortung von der Tourismusbranche, der Politik und den Reisenden. Unternehmen sollen ihre Angebote entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten und stärker zum Schutz der Reiseziele beitragen. Die Politik soll ökologische Grenzen festlegen, klimafreundliche und bezahlbare Mobilität fördern, Schutzgebiete stärken und die lokale Bevölkerung stärker beteiligen. Auch Reisende sollen neben Preis und Komfort die Umweltfolgen, den Ressourcenverbrauch, die Situation der Bevölkerung und Menschenrechte berücksichtigen. Insgesamt betont der WWF, dass Natur nicht nur als Kulisse für Reisen dienen dürfe, sondern geschützt werden müsse, wenn der Tourismus langfristig davon profitieren soll.

Quelle: WWF; Zusammenfassung Frank Herrmann