Dienstag, 18. Februar 2020

Nachhaltige Geldanlagen: Gefahr einer „grünen“ Finanzblase wächst


Die Wettlauffer Wirtschaftsberatung ist überzeugt, dass mehr nachhaltige Geldanlagen nicht zu mehr nachhaltiger Entwicklung führen. Durch den Aktionismus versucht die Politik, sich von ihrer realwirtschaftlichen Verantwortung zu befreien. Die jüngste Diskussion, ob Atomkraft als nachhaltig angesehen werden kann, ist für deren Finanzierung unerheblich. Die EU und die Bundesregierung planen, im Rahmen des „Action Plan for Sustainable Finance“ nachhaltige Kapitalanlagen zu fördern. Was als nachhaltig gilt, wurde gerade im Rahmen der EU-Taxonomie für Nachhaltigkeit verabschiedet. Ziel ist es, durch die Lenkung der Kapitalströme nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) überlegt, vermehrt nachhaltige Kapitalanlagen zu erwerben, um den Wandel zu unterstützen. Fälschlicherweise wird bei dem gesamten Vorhaben davon ausgegangen, dass die „Förderung nachhaltiger Kapitalanlagen zu Steigerung der Aktivität nachhaltigen Wirtschaftens“ führe. Nach einer Analyse über die Wirksamkeit sowie die Risiken und Nebenwirkungen der Bevorzugung grüner Geldanlagen nennt Frank Wettlauffer, Geschäftsführer der Wettlauffer Wirtschaftsberatung und langjähriger Experte im Bereich nachhaltiger Geldanlagen, folgende Kritikpunkte und Forderungen für das Themenfeld nachhaltige Anlagen:


Kritikpunkte:

  1. Politiker nutzen die Förderung nachhaltiger Kapitalanlagen als Feigenblatt, um harte Regulierung der Realwirtschaft zu vermeiden.
  2. Eine wie auch immer geartete Förderung nachhaltiger Kapitalanlagen ist wirkungslos. Sie alleine führt nicht zu mehr nachhaltigen Projekten – höchstens zu einem sogenannten „crowding out“, also dem Ersetzen bestehender oder künftiger Finanzierungen.
  3. Die vorgesehenen Berichtspflichten des Finanzsektors zur „nachhaltigen Wirkung des jeweiligen Finanzprodukts“ basieren auf einer Wirkungsillusion und gefährden die Reputation der Finanzbranche.
  4. Bereits jetzt zeigt sich, dass Anleger mit der Berichtspflicht getäuscht werden. Anbieter grüner Geldanlagen stellen vor allem den vermeidlich positiven Beitrag des Anlageprodukts heraus. Dies könnte bei Anlegern zu weniger nachhaltigem Handeln mit effektiver Wirkung führen, beispielsweise weil eine angebliche CO2-Kompensation schon durch die Anlage in Finanzprodukten erreicht werde und eine effektive Kompensation oder der Verzicht auf schädliche Handlungen unterlassen wird.

Forderungen:

  1. Die Politik soll auf die Scheinlösung verzichten und die Rahmenbedingungen so ändern, dass sich nachhaltiges Wirtschaften lohnt.
  2. Die Politik darf Anleger nicht in unwirtschaftliche grüne Projekte treiben. Andernfalls droht eine grüne Finanzblase.
  3. Kommt es doch zur Berichtspflicht, sollten dieser alle Berichtspflichtigen mit der Aussage: „keine Auswirkungen“ vollumfänglich und wahrheitsgemäß nachkommen.
  4. Zur Verhinderung von Verbrauchertäuschung und Reputationsrisiken sollte die Finanzbranche auf Werbung mit der positiven Wirkung von nachhaltigen Geldanlagen verzichten.

Nachhaltige Kapitalanlagen führen nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung

Die Wettlauffer Wirtschaftsberatung ist der Frage nachgegangen, ob mehr nachhaltiges Kapital zu mehr nachhaltiger Entwicklung führt. Es ist offensichtlich, dass durch das reine Umbenennen bestehender konventioneller in nachhaltige Kapitalanlagen kein einziges CO2-einsparendes Projekt zusätzlich lanciert wird. Nachhaltige Fonds können alle Wertpapiere von Kohleunternehmern verkaufen und die Gelder in Wertpapiere von Herstellern erneuerbarer Energie investieren: Da es für jeden Verkäufer einen Käufer geben muss, bleibt das Finanzkapital konstant. Damit hat der Eigentümerwechsel keinen direkten Einfluss auf die Finanzsituation und das Management der Unternehmen. Es kommt vielmehr darauf an, dass Unternehmer zusätzliche nachhaltige Projekte durchführen. Dies geschieht, wenn die Finanzierung zuvor limitiert oder zu teuer war. Dies ist angesichts des Anlagenotstands und niedriger Zinsen in OECD-Ländern für finanziell attraktive grüne und andere Projekte nicht der Fall. Alternativ könnten sich grüne Kapitalanleger künftig mit niedrigeren Zinsen und mehr Risiken abfinden, damit vorher unrentable Projekte dank niedrigerer Kapitalkosten realisiert werden. Dies ist angesichts des Renditebedarfs und der treuhänderischen Verantwortung der Kapitalsammelstellen unrealistisch und gefährlich, da eine Blase entstehen könnte.
Quelle: UD/pm, Bild oben: nachhaltigleben.ch

Samstag, 8. Februar 2020

NEU: FAIRreisen im Podcast bei Weltwach


Kulturverständigung, unvergessliche Erlebnisse, persön-liches Wachstum: So schön einige der positiven Auswirkungen des Reisens sind, so viele Herausforderungen gehen mit alledem einher – für Klima, Umwelt und die Menschen vor Ort. Sicherzustellen, dass das Reisen für alle ein Gewinn ist, nicht nur für uns, die wir die Möglichkeit haben, in die Ferne aufzubrechen, das ist eine schwierige Aufgabe, über die sich nachzudenken lohnt. Reisebuchautor und Tourismusexperte Frank Herrmann hat dazu ein ganzes Buch geschrieben, das innerhalb kürzester Zeit zu einer Art Standardwerk zu diesem Thema geworden ist: „FAIRreisen – Das Handbuch für alle,die umweltbewusst unterwegs sein wollen“. In dieser Folge erläutert er wie das geht – fair zu reisen.
Quelle: Weltwach.de, Foto: Frank Herrmann


Hier geht es zum PODCAST

Im Weltwach Reisepodcast spricht Teilzeitabenteurer, Buchautor und Herausgeber Erik Lorenz mit Abenteurern, Autoren, Fotografen und anderen Experten über Geschichten, die die Welt schreibt.
 

Dienstag, 28. Januar 2020

Der aktuelle Palmöl-Check des WWF: Die Grenzen der Freiwilligkeit

Immer wieder grüßt das Murmeltier – 10 Jahre WWF Palmölscorecard

Was hat der WWF erreicht? Der Lebensmitteleinzelhandel und viele Produzenten haben sich auf den Weg gemacht, zertifiziertes Palmöl ist die Norm in diesen Branchen. Das ist eine tolle Nachricht und zeigt, was eine gemeinsame Bewegung von Umweltverbänden und Verbrauchern erreichen kann. Unternehmen wie dm, REWE, EDEKA, Lidl, Aldi, aber auch Bahlsen, Dr. Oetker, Beiersdorf und Henkel zeigen, wie ambitioniert deutsche Unternehmen unterwegs sein können. Leider zeigt diese Scorecard auch sehr genau die Grenzen von freiwilligen Commitments. Versteckte Palmöl- Nutzer wie die Futtelmittelindustrie ducken sich seit Jahren weg. Daher zeigt auch diese internationale Scorecard: Der WWF hat nach eigenen Angaben viel erreicht, ist aber dennoch weit entfernt von einer weltweit nachhaltigen Palmölproduktion. Daher braucht es gesetzliche Regelungen, um Mindestkriterien für eine transparente, soziale und ökologische Produktion voll umfassend zu erreichen. Kein Produkt in unseren Supermärkten sollte zu Entwaldung und Umwandlung von Habitaten, Zwangsarbeit und Verletzung von Menschenrechten - egal ob Palmöl oder eine anderes Pflanzenöl - verwendet werden.

Gesetze statt Freiwilligkeit

„Seit über zehn Jahren gibt es Palmöl-Checks und obwohl die Probleme wie Waldrodungen und gefährliche Pestizide weithin bekannt sind, gibt es noch immer Totalverweigerer. Fleisch- und Wursttheken sind immer noch Brandbeschleuniger für die Entwaldungsraten weltweit. Im Futtermittel für unsere Tiere steckt noch jede Menge Palmöl und Soja aus nicht nachhaltigem Anbau. Da die Unternehmen hier nicht freiwillig in die Pötte kommen, braucht es eben Gesetze“, so Jenny Walther-Thoß, Agrar-Referentin beim WWF Deutschland. Die WWF-Expertin sieht in diesem Bereich „die Grenzen der Freiwilligkeit“ erreicht: „Wir brauchen endlich ein Lieferkettengesetz. Deutschen Unternehmen muss es zukünftig verboten sein, Produkte aus der zerstörerischen Umwandlung von Ökosystemen zu beziehen, weiterzuverarbeiten und zu verkaufen. Die Ergebnisse des Palmöl-Checks zeigen die Macht des Verbrauchers. Die Unternehmen, die direkten Kontakt mit dem Endverbraucher haben, wollen kein schmutziges Palmöl in ihrer Lieferkette“, so Walther-Thoß. Zugleich zeigt der Check, so die Einschätzung des WWF, auch die Grenzen der Freiwilligkeit auf: „Bei Palmöl reden alle über Nutella oder Fertigpizza, keiner über Wurst, Käse oder Ei. Nur wenige wissen, dass 13 Prozent des importierten Palmöls an Geflügel, Schweine und Rinder verfüttert werden. Das macht es Futtermittelherstellern, den Fleisch- und Milchproduzenten, aber auch dem Handel leicht, sich aus der Verantwortung zu schleichen.“ Der WWF fordert, dass Nutztiere bevorzugt vor allem heimische und europäische Eiweißfuttermittel wie Lupinen oder Ackerbohnen als Futter bekommen. Wo weiter Soja oder Palmöl im Trog landet, müsse dieses wenigstens ökologische und soziale Mindestkriterien erfüllen.
Quelle: WWF

Samstag, 18. Januar 2020

Nachhaltige Reiseführer – der Loose macht’s vor


Die neue (7.) Auflage des Stefan Loose Travel Handbuchs Peru/Westbolivien von „Fair einkaufen – aber wie?“ Autor Frank Herrmann geht neue Wege in Sachen Nachhaltigkeit.

Auch Touristen sind aufgefordert, ihren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten. Das wissen wir eigentlich, doch kaum am Urlaubsort angekommen, sind die guten Vorsätze wie weggeblasen. Zu sehr lenkt uns die neue Umgebung mit ihren vielfältigen Reizen ab. Also, doch schnell eine Plastikflasche gekauft, die Klimaanlage aufgedreht und das Kunsthandwerk irgendwo gekauft. Hinzu kommt, dass man sich nun mal in einem fremden Land nicht gerade besonders gut auskennt. Diese Lücke soll ja schließlich der Reiseführer schließen.  Und das tun die Stefan Loose Travel Handbücher, Teil des DuMont-Reiseverlags, seit mehr als 40 Jahren, in bewährter Loose-Qualität, die Ihresgleichen sucht.

Nachhaltige Tipps beim Loose

Doch der Loose kann und will mehr: Seit einigen Jahren kennzeichnen die Autoren nachhaltige Reiseangebote vor Ort mit einem leicht zu erkennenden Baumsymbol. Damit stärkt man nachhaltige Akteure vor Ort in Ihrem Unterfangen, neue Wege in Sachen Müllvermeidung, Umwelt- und Klimaschutz zu gehen. Da dieses Angebot in den meisten Ländern, zu denen es Loose-Reiseführer gibt, noch nicht sehr groß ist, leisten die Loose-Autoren wertvolle „Entwicklungsarbeit“. Die Landeskenner wissen, welches Hotel soziale Projekte unterstützt, welcher Reiseveranstalter sich für Tierschutz einsetzt, in welchem Restaurant die vegane Küche schmeckt und wo man sich seine Trinkflasche mit sauberem Trinkwasser auffüllen lassen kann  

Viel Neues in der 7. Auflage

Die 7. Auflage des Stefan Loose Travel Handbuchs Peru/Westbolivien geht nun den nächsten Schritt hin zu einem Reiseführer, der die bereits bestehenden Nachhaltigkeitstipps um zahlreiche neue Facetten erweitert. Hierzu zählen unter anderem Öko- und Klimadaten im Vergleich, das Vorstellen nationaler nachhaltiger Tourismussiegel, zwei Seiten zum Thema Freiwilligenarbeit mit vielen Adressen, Gastbeiträge deutscher Journalistinnen und Journalisten, die in Peru leben und über aktuelle, gesellschaftlich relevante Themen berichten, aber auch Infos zur Menschenrechtslage in Peru und Bolivien, Berichte des Autors über seine Besuche bei nachhaltigen Kooperativen und Unternehmen sowie einen Kasten zum Thema „Fairer Handel in Peru und Westbolivien“ inklusive zahlreicher Adressen, unter denen man Produkte aus fairem Handel aus beiden Ländern auch in Deutschland bekommt.
Quelle: Text und Bild Frank Herrmann