Dienstag, 14. August 2018

… and the winner is … Sukuma arts präsentiert Siegerfilme zum Thema „Nachhaltiges Reisen“



Der Verein Sukuma arts, eine Plattform aus Dresden für Menschen, die sich für ökologisch und sozial nachhaltige Lebens- und Konsumstile engagieren, vergibt jährlich den Sukuma Award für die besten Idee rund um das ausgewählte Jahresthema. 2018 dreht sich alles um „Nachhaltiges Reisen“. Die Siegerfilme, ausgewählt aus rund 100 Filmideen, kann man sich hier anschauen:

„Ein nachhaltiger Albtraum“ (Idee: Nadine Michailow)  







„Im Reisebüro“ (Idee: Frank Herrmann, Autor von FAIRreisen)







„Wenn der Tourist dreimal klingelt“ (Idee: Marthe Gruner)







Von Sukuma aufbereitete Hintergrundinfos zum Thema Nachhaltiges Reisen finden sich hier: https://sukuma-award.de/thema/

Sonntag, 5. August 2018

FAIRreisen: 5 Tier-Attraktionen, die man auf keinen Fall mitmachen sollte


In der Arktis wurde während einer Kreuzfahrt ein Eisbär erschossen – weil das Tier seinen Lebensraum verteidigt und ein Crew-Mitglied angegriffen hatte. Der Vorfall sorgte weltweit für Entsetzen. Der Eisbär ist jedoch nur eines von vielen traurigen Beispielen für Tourismus auf Kosten von Tieren. Das Kreuzfahrtschiff MS Bremen war am Wochenende auf einer Expeditionstour in der arktischen Polarinselgruppe Spitzbergen unterwegs. Die Crew wollte einen Landgang vorbereiten – ein Team aus sogenannten „Eisbärwächtern“ inspizierte zunächst die Umgebung an Land. Dabei stießen sie auf einen Eisbären, der einen der Wächter angriff und am Kopf verletzte. Die Wächter erschossen das Tier daraufhin – aus Notwehr, schreibt Reiseveranstalter Hapag Lloyd in einem Statement. Aber wieso musste es überhaupt so weit kommen? Eisbären sind ohnehin vom Aussterben bedroht, ihr Lebensraum wird unter anderem wegen dem Klimawandel immer kleiner. Ist es dann vertretbar, Kreuzfahrten und Expeditionstouren in diese Gebiete zu unternehmen? „Lasst uns einem Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung zu nah kommen, und ihn dann töten, wenn er uns zu nah kommt“, kommentiert eine Userin auf Twitter. Leider ist der Eisbär nur ein Symbol für die Rücksichtslosigkeit vieler Tier-Tourismus-Angebote – wenn auch ein besonders tragisches. Immer wenn Tiere zu Touristen-Attraktionen werden, ist das Risiko groß, dass viel Leid damit verbunden ist. So auch bei diesen fünf Beispielen:

1. Auf Elefanten reiten

Egal ob Thailand, Sri-Lanka oder Myanmar – Elefantenreiten ist für viele Asienreisende der Höhepunkt ihres Urlaubs. Viele Angebote vermitteln sogar, dass man den Tieren etwas Gutes tut, dabei ist das Gegenteil der Fall. In Sri Lanka und Thailand werden Elefantenbabys illegal eingefangen. Auf der Jagd nach ihnen töten die Wilderer bis zu fünf erwachsene Tiere, die ihren Nachwuchs schützen wollen, schreibt der Tierschutzverein Pro Wildlife. In Gefangenschaft werden die Jungtiere brutal gezähmt, indem sie mit Ketten an den Beinen fixiert und mit Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug gequält werden, bis ihr Wille gebrochen ist. Mit spitzen Haken werden die Tiere malträtiert – der Respekt wird ihnen buchstäblich eingeprügelt. Wer darauf achtet, entdeckt Elefanten sind Wildtiere, die am besten in der Freiheit aufgehoben sind. Pro Wildlife rät deshalb dazu, jegliche Touristenattraktionen zu meiden, bei denen Elefanten in Camps oder Auffangstationen, bei Prozessionen oder Festumzügen betrachtet und berührt werden können. Der Verein empfiehlt die Tiere nur in Freiheit unter professioneller Führung zu betrachten. Weitere Tipps findet ihr auf der Seite des Vereins.

2. Aquarien und Tiershows

In Aquarien und Tiershows können Tierfans Orcas und Delfine aus nächster Nähe beobachten. Für Urlauber ist es ein beeindruckendes Erlebnis, wenn die gigantischen Meerestiere nur eine Hand breit entfernt vorüberschwimmen oder aus dem Becken springen. Für die Tiere bedeutet das allerdings Stress pur: Die Haltungsbedingungen in den Aquarien sind katastrophal, erklärt der Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) Jürgen Ortmüller im Interview mit welt.de. In Freiheit können Delfine bis zu 100 Kilometer weit schwimmen und bis zu 500 Meter tief tauchen. Ein Delfinarium kommt im besten Fall auf bis zu zwölf Meter Tiefe. Während der Shows sind Delfine und Orcas ständig dem Lärm von Musik und Applaus ausgesetzt.  Doch das schlimmste: Tausende Wale und Delfine sterben in den Aquarien. Die traurige Ursachen: Die Tiere vereinsamen in Gefangenschaft. Das schwächt ihr Immunsystem, was wiederum zu Krankheiten wie Lungenentzündungen, Magengeschwüren und Blutvergiftungen führt, an denen die Tiere schließlich verenden. Laut Ottmüller sind sogar Fälle von Selbstmord bei Delfinen bekannt, bei denen die Tiere einfach bewusst aufhörten zu atmen.

3. Haie, Wale und Delfine in freier Wildbahn beobachten

Nicht nur Aquarien sind problematisch – sondern auch solche Angebote, bei denen man Haie, Wale, Delfine oder auch Rochen in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kann. Ob auf den Malediven, in Sansibar oder auf Bali – beim Tauchen, Schnorcheln oder auf Booten können Touristen die Tiere aus nächster Nähe beobachten, füttern oder gar berühren. Je mehr Touristen auf einmal kommen, desto mehr Stress bedeutet das für die Tiere. Die Folge sind Verletzungen und Verhaltensänderungen: Die Tiere flüchten aus Angst und werden so dauerhaft aus ihrem Lebensraum vertrieben. Auf Sansibar etwa zeigt der Delfintourismus, dass die Anwesenheit von Menschen bei den Tieren dazu führt, dass sie sich weniger um ihren Nachwuchs kümmern, nicht zur Ruhe kommen und weniger Zeit für die Futtersuche, zum Schmusen und Spielen aufbringen.

4. In Griechenland auf Eseln reiten

Jüngst haben Tierschützer den Missbrauch von Eseln auf der griechischen Insel Santorin angeprangert. Wie die Tierschutzorganisation Network for Animals berichtet, müssten Esel dort teilweise ohne Pause sieben Tage die Woche arbeiten, in der prallen Hitze Touristen, die teils viel zu schwer für die Tiere sind, über steile Wege und Treppen transportieren. Ein Foto der Tierschutzorganisation zeigt eine übergewichtige Urlauberin auf einem abgemagerten Tier. Ein anderes Bild zeigt einen Esel mit aufgeriebenem, blutendem Widerrist. Die Organisation berichtet, dass die Tiere nicht genügend Wasser bekommen und teils so erschöpft sind, dass sie häufig nicht mehr aufstehen können.

5. Schnappschüsse mit Tigern, Haien oder Baby-Alligatoren

Für die Urlauber ein riesen Spaß – für die Tiere die reine Qual: An vielen Urlaubsorten können Touristen gegen Geld Wildtiere streicheln, hochnehmen und sich mit ihnen fotografieren lassen. Selfies mit Tierbabys sind dabei besonders beliebt. Die Tiere sind dabei Stress und Misshandlungen ausgesetzt, doch es kommt noch dicker: Primaten werden laut Peta oftmals die Zähne gezogen oder abgeknipst, damit sie die Touristen nicht verletzen können. Aus demselben Grund werden Baby-Alligatoren in den Everglades (US-Bundesstaat Florida, USA) die Mäuler zugeklebt. Laut PETA können Touristen in einem Restaurant in Mexiko sogar mit einem Ammenhai schwimmen und Selfies machen – natürlich gegen Geld. Das Tier lebt unter unwürdigen Bedingungen in einem winzigen Becken und erleidet jedes Mal Todesqualen, wenn Touristen sich mit ihm fotografieren lassen wollen. Peta rät von solchen Touristenattraktionen abzusehen. Weil man damit nur die Jagd auf die Wildtiere, deren Gefangenschaft und katastrophalen Haltungsbedingungen unterstützt.
Quelle: utopia.de

Ausführliche Infos zur Ausbeutung von Tieren im Tourismus (darunter auch Jagdtourismus, „Canned Lion Hunting“, Kutschpferde, Besuch von Menschenaffen, Delfinarien in Deutschland uvm.) im Buch FAIRreisen
 

Donnerstag, 26. Juli 2018

Fairer Handel weiter im Aufwind – ungerechter Welthandel auch


Mit fast 1,5 Milliarden Euro Umsatz und einem Plus von 13 % setzt der Faire Handel in Deutschland seinen Wachstumskurs fort. Eine aktuelle Verbraucherbefragung zum Fairen Handel bestätigt: Immer mehr Menschen kaufen fair ein. Das Forum Fairer Handel begrüßt die wachsende Bedeutung bewussten Konsums in Deutschland. Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel, appelliert: "Es gilt weiterhin, noch stärker gegen die Ursachen des ungerechten Welthandels zu wirken. So benötigen Kaffeebäuer*innen angesichts von sinkenden realen Einkommen und den Folgen des Klimawandels mehr Unterstützung – durch fairen Konsum, aber auch durch gesetzliche Regelungen." Diese Forderung unterstrich das Forum Fairer Handel heute auf seiner Jahrespressekonferenz.  Insgesamt gaben die Verbraucher*innen in Deutschland 2017 1,473 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel aus. Das entspricht einem Wachstum von 13 % gegenüber dem Vorjahr. Mit 80 % machten Lebensmittel den größten Anteil daran aus. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel verfünffacht. Gut 18 Euro pro Kopf gaben deutsche Verbraucher*innen in 2017 durchschnittlich für fair gehandelte Nahrungsmittel, Textilien und Handwerksprodukte aus. Mit 1,18 Milliarden Euro trug das Fairtrade-Produktsiegel den größten Anteil zum Gesamtumsatz bei. Die anerkannten Fair-Handels-Importeure vertrieben im vergangenen Jahr fair gehandelte Waren im Wert von 193 Millionen Euro. In den Weltläden und Weltgruppen wurden faire Waren im Wert von 77 Millionen Euro verkauft. Fair gehandelte Produkte aus Europa, wie Naturland Fair zertifizierte Milch und Brot, erreichten einen Umsatz von 101 Millionen Euro. 

Kaffee im Fokus

Spitzenreiter unter den Produkten im Fairen Handel ist weiterhin Kaffee mit einem Anteil von 34,3 % am Gesamtumsatz des Fairen Handels. Gemessen am Gesamtabsatz von Röstkaffee in Deutschland liegt der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee jedoch nur bei 4,8 %. Kaffeeproduzent*innen, zumeist Kleinbäuer*innen, sind besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Unberechenbare Niederschläge erschweren die Anbaubedingungen und bringen Ertragsverluste. Trotz sinkender realer Einkommen müssen sie dringende Investitionen in die Zukunft schultern, um für sich und ihre Familien eine Perspektive im Kaffeeanbau zu behalten. Im Fairen Handel erhalten die Produzent*innen Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel und profitieren von zuverlässigen und fairen Handelspartnerschaften.  "Für die meisten von uns gehört die Tasse Kaffee am Morgen zum Alltag. Wenn das so bleiben soll, muss dringend in einen nachhaltigen Anbau investiert werden und mehr Geld bei den Erzeuger*innen ankommen", konstatiert Andrea Fütterer. "Kaffeeliebhaber*innen sollten sich bewusst machen, dass dies auch eine Frage der Gerechtigkeit ist. Sie können dazu beitragen, indem sie im Regal nach fairem und ökologisch erzeugtem Kaffee greifen", so der Appell von Andrea Fütterer an die Konsument*innen. Eine Möglichkeit zur Förderung fairen Kaffeekonsums sind steuerliche Anreize, wie sie Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im April 2018 forderte. Das Forum Fairer Handel begrüßt den Vorstoß des Ministers. "Wir fordern jedoch, dass nur diejenigen Unternehmen steuerlich entlastet werden, die sich zur Einhaltung hoher sozialer Standards, beispielsweise der Zahlung definierter fairer Preise, Vorfinanzierung und einer externen Überprüfung verpflichten", fasst Andrea Fütterer die Erwartungen des Forum Fairer Handel zusammen. Die Regelung sollte zudem so gestaltet werden, dass vor allem die Kleinbäuer*innen und deren Familien durch höhere Einnahmen davon profitieren. Doch damit möglichst viele Kaffeebäuer*innen bessere Bedingungen erhalten, braucht es übergreifende gesetzliche Regelungen.

Menschen- und Arbeitsrechte weltweit verbindlich schützen

"Die Bundesregierung muss ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung nachkommen und dafür sorgen, dass deutsche Unternehmen Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten durchsetzen. Dafür ist eine gründliche und nachvollziehbare Überprüfung des Nationalen Aktionsplans 'Wirtschaft und Menschenrechte' zwingend notwendig", erklärt Andrea Fütterer. Der im Dezember 2016 verabschiedete Aktionsplan sieht unter anderem vor, dass bis 2020 mindestens 50 Prozent aller in Deutschland ansässigen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in ihre Unternehmensprozesse integriert haben. Ist dies nicht der Fall, wird die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag national gesetzlich tätig werden. "Um sicherzustellen, dass alle deutschen Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht wirksam nachkommen, sollte die Bundesregierung anstelle des Nationalen Aktionsplans eine gesetzliche Regelung erlassen. Deutschland hinkt hier anderen Ländern wie etwa Frankreich hinterher", beklagt Fütterer. Eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit in Deutschland wäre der Bundesregierung sicher: Laut repräsentativer Umfrage zum Fairen Handel stimmen 85 % der Befragten der Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für Unternehmen zu. Ingesamt genießen die politischen Forderungen des Forum Fairer Handel laut aktueller Verbraucherbefragung in der Bevölkerung ein ausgesprochen hohes Maß an Zustimmung. Am wichtigsten ist den Menschen die Forderung nach mehr Klimagerechtigkeit. Der Aussage "Die Hauptverursacher des Klimawandels müssen für mehr Klimagerechtigkeit die sogenannten Enwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen", stimmten insgesamt 87 % der Befragten zu. Etwa genauso viele (86 %) begrüßen eine Begrenzung der Machtmacht der großen Einzelhandelsunternehmen. Es folgen die Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht (Zustimmung von 85 %), einer fairen öffentlichen Beschaffung (84 %) sowie einer steuerlichen Begünstigung fairer Produkte (81 %).
Quelle: Forum Fairer Handel