Dienstag, 5. März 2013

Ritter Sport in Nicaragua – quadratisch, praktisch ...fair?



Ein wenig verwundert reibt man sich schon die Augen, wenn das Firmenschild von Ritter Sport in der heißen, staubigen Ebene auftaucht – einige Kilometer außerhalb von Matagalpa, einer Kleinstadt im Norden Nicaraguas. Hinter dem Eingangstor erstreckt sich auf einem weitläufigen Gelände die neue Ankaufstation von Ritter Sport Nicaragua, einem erst 2011 gegründeten Unternehmen. In vier großen Lagerhallen wird der Kakao aufbewahrt, der von rund 28 Genossenschaften der Umgebung angeliefert worden ist. Um von hier nach Deutschland verschifft zu werden, muss der Kakao allerdings erst eine rigide Qualitätsprüfung überstanden haben.

Aufwendige Qualitätskontrolle


Die nehmen drei Tester vor, die den Kakao fühlen, riechen, schmecken.  Das ist eine Kunst für sich und bedarf jahrelangen Trainings. Hat der Kakao Schimmel, zuviel Säure, schmeckt er fruchtig oder zusammenziehend? Das Urteil der Tester nach eingehender Kontrolle ist gnadenlos. Fällt die Prüfung zufriedenstellend aus, bekommt der Kakao die Güteklasse A und den vereinbarten Preis. Falls es nur zu B reicht, ist ein Abschlag fällig. Aber auch diesen Kakao nimmt Ritter Sport ab. Denn der Kakao aus Nicaragua ist generell qualitativ hochwertig, kommt oftmals in Bio-Qualität und ist im Vergleich zu Kakao aus Afrika ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt.

Gute Konditionen für Bauern - zumindest in Nicaragua


Dafür zahlt Ritter Sport einen garantierten Mindestpreis, der über dem Weltmarkpreis liegt und einen ordentlichen Qualitätszuschlag. Darüber hinaus erhalten die Bauern, die sich vom Nachhaltigkeitsprogramm Utz Certified zertifizieren lassen, mit dem Ritter Sport zusammen arbeitet, einen weitere Prämie. Wer pünktlich liefert, hat zudem Aussichten auf einen halbjährlich ausgezahlten „Treuebonus“. Zuverlässige Geschäftspartner bekommen auch Kredit, in fast beliebiger Höhe. Leider fährt Ritter Sport den Bioanbau zurück - angeblich mangels Nachfrage. Nur noch eine Kooperative produziert daher ausschließlich Bio-Kakao und erhält natürlich die dafür vorgesehenen Zuschlagszahlung. Auch kommt nur ein Bruchteil der gesamten Schokolade von Ritter Sport aus Nicaragua, 2012 lag der Anteil bei unter fünf Prozent. Der Rest des Kakaos, den Ritter Sport verarbeitet, stammt zu mehr als der Hälfte weiterhin aus Westafrika  und wird überwiegend über die Börse eingekauft.

Die Konkurrenz im Nacken


Ritter Sport behandelt seine Bauern in Nicaragua sehr gut. Davon können sogar Kooperativen, die ihren Kakao von Fairtrade zertifizieren lassen, nur träumen. Also heile Kakaowelt bei den Genossenschaften von Ritter Sport? Das kommt ein wenig auf die Sichtweise an. Die üppigen Zahlungen an die nicaraguanischen Bauern und das „Kundenbindungsprogramm" sind kühl kalkuliert. Dahinter steckt eine klare Absicht: Der Kakao muss gesichert werden. Denn wenn Ritter Sport weniger zahlen würde, wäre sofort die Konkurrenz da, die schon einige Male versucht hat, die Preise von Ritter Sport zu überbieten. Das möchte man verhindern. Dazu hat man zuviel Zeit, Geld und Energie in die Organisation und Weiterbildung der Kooperativen sowie die eigenen Anlagen investiert.

Mehr Unabhängigkeit erreichen


Wenn es um ihren Kakao geht, reagiert die Marke mit dem Quadrat mitunter blitzschnell. So konnten sich die Bauern 2012 über eine einmalige Sonderzahlung von 500 US$ pro Tonne Kakao freuen -  immerhin rund ein Sechstel des Gesamtpreises. Offiziell wurde die Prämie mit dem hundertjährigen Bestehen der Schokoladenfirma begründet. Aber allen Beteiligten war klar, dass dies geschah, um die Konkurrenz im Zaum zu halten. Wie lange dies noch möglich sein wird, fragt man sich auch bei Ritter Sport. Doch auch hier hat man eine Antwort parat. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen zwei Grundstücke mit zusammen 480 Hektar Weideland gekauft, auf dem in vier Jahren die erste Kakaoernte eingefahren werden soll. Laut Angaben von Ritter Sport Nicaragua soll dies keine negativen Auswirkungen auf die Kleinbauern haben. Diese hingegen sehen das Engagement skeptisch. Spätestens in vier Jahren wird sich zeigen, wie fair Ritter Sport wirklich ist.

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