Dienstag, 6. Oktober 2026

Rohstoffverbrauch: Weniger ist mehr

Deutschland ist bei metallischen Primärrohstoffen nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage, während Abbau und Verarbeitung häufig mit erheblichen sozialen und ökologischen Folgen verbunden sind. Eine zukunftsfähige Rohstoffpolitik sollte deshalb nicht nur danach fragen, woher Rohstoffe kommen, sondern auch, wie viele wir tatsächlich benötigen und wofür sie eingesetzt werden. Besonders in den Bereichen Mobilität und Bauen bestehen große Einsparpotenziale. Kleinere und leichtere Fahrzeuge, ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr, längere Produktlebenszeiten sowie die bessere Nutzung und Umnutzung bestehender Gebäude können den Bedarf an Primärrohstoffen deutlich senken. Auch Recycling, Reparatur und Wiederverwendung sind zentrale Bausteine – reichen allein bei weiter wachsender Nachfrage jedoch nicht aus. Weniger Rohstoffverbrauch ist dabei kein Widerspruch zur sozial-ökologischen Transformation. Entscheidend ist vielmehr, Rohstoffe gezielt dort einzusetzen, wo sie für gesellschaftlich notwendige Veränderungen gebraucht werden, etwa für erneuerbare Energien, Stromnetze oder öffentliche Infrastruktur, und vermeidbare materialintensive Bedarfe zu reduzieren.
Eine solche Rohstoffwende kann zugleich globale Auswirkungen mindern und Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten verringern. Sie sollte deshalb verbindliche Reduktionsziele, langlebige und kreislauffähige Produkte, eine ressourcenleichte Mobilität sowie starke Rechte für vom Bergbau betroffene Gemeinschaften umfassen. Deutschlands Rohstoffpolitik muss Angebot und Nachfrage zusammendenken: Die neue PowerShift-Publikation „Rohstoffverbrauch senken: Warum weniger mehr ist“ zeigt, dass nicht nur die Herkunft der Rohstoffe  politisch gestaltbar ist, sondern auch ihr Verbrauch.

Quelle: Powershift; Zusammenfassung: Frank Herrmann

Dienstag, 29. September 2026

Tourismus wächst – die Probleme auch

Der WWF Deutschland fordert ein grundlegendes Umsteuern im Tourismus. Hintergrund sind die zunehmenden Folgen der Klimakrise und des Massentourismus, darunter extreme Hitze, Waldbrände, Wasserknappheit, überfüllte Reiseziele sowie Müll- und Abwasserprobleme. Gleichzeitig wächst der Tourismus weiter: Der Flugverkehr erreicht neue Höchststände, es entstehen zahlreiche neue Hotels und auch die Kreuzfahrtbranche erweitert ihre Kapazitäten. Nach Ansicht des WWF reichen einzelne Maßnahmen für mehr Ressourceneffizienz nicht aus, da das starke Wachstum deren positive Effekte überlagert. Dadurch steigen Ressourcenverbrauch, Emissionen und Abfall, während natürliche Lebensräume und die Artenvielfalt zunehmend belastet werden. Der WWF fordert deshalb mehr Verantwortung von der Tourismusbranche, der Politik und den Reisenden. Unternehmen sollen ihre Angebote entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltiger gestalten und stärker zum Schutz der Reiseziele beitragen. Die Politik soll ökologische Grenzen festlegen, klimafreundliche und bezahlbare Mobilität fördern, Schutzgebiete stärken und die lokale Bevölkerung stärker beteiligen. Auch Reisende sollen neben Preis und Komfort die Umweltfolgen, den Ressourcenverbrauch, die Situation der Bevölkerung und Menschenrechte berücksichtigen. Insgesamt betont der WWF, dass Natur nicht nur als Kulisse für Reisen dienen dürfe, sondern geschützt werden müsse, wenn der Tourismus langfristig davon profitieren soll.

Quelle: WWF; Zusammenfassung Frank Herrmann

Dienstag, 22. September 2026

Übergewinne der Ölkonzerne: Abzocke an den Zapfsäulen

Die Ölkonzerne verdienen am Irankrieg weiter kräftig mit. Im August erreichten ihre Übergewinne an deutschen Tankstellen mit knapp 1,2 Milliarden Euro einen neuen Rekord. In der ersten Septemberhälfte kamen täglich weitere 46,2 Millionen Euro hinzu – davon 14,5 Millionen Euro bei Benzin und 31,7 Millionen Euro bei Diesel. Das zeigt eine Berechnung des Ölmarktexperten Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace. Auffällig ist die wachsende Lücke zwischen Rohöl- und Spritpreisen (s. Grafik). Das Argument der Mineralölbranche, sie gebe lediglich höhere Weltmarktpreise weiter, überzeugt vor diesem Hintergrund kaum. Denn die großen Mineralölkonzerne kontrollieren nicht nur die Tankstellennetze, sondern auch fast alle deutschen Raffinerien. Ihre Kosten zwischen Rohöleinkauf und Tankstelle sind weit weniger stark gestiegen als die Preise an der Zapfsäule. Hinzu kommt: Deutschland produziert seit Jahren mehr Benzin, als es selbst verbraucht, und deckt nahezu seinen gesamten Dieselbedarf aus heimischen Raffinerien. Eine starke Abhängigkeit von teuren Importen kann den Preisanstieg daher kaum erklären. Die Rechnung bezahlen die Verbraucher. Wer mit Öl heizt oder einen Diesel fährt, muss mit erheblichen Zusatzkosten rechnen. Greenpeace beziffert die jährliche Mehrbelastung beispielsweise auf rund 371 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Ölheizung, 923 Euro für ein Einfamilienhaus und 835 Euro für einen Diesel-Pkw bei durchschnittlicher Fahrleistung. Die Forderung von Greenpeace: Krisengewinne der Mineralölkonzerne sollten über eine Übergewinnsteuer abgeschöpft und für den Umstieg auf Wärmepumpen, öffentlichen Verkehr und kleine Elektroautos eingesetzt werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie abhängig Verbraucher von fossilen Energien und den Unternehmen sind, die sie vermarkten.


Quelle: Greenpeace; Zusammenfassung: Frank Herrmann