Sonntag, 2. Oktober 2016

FAIRE BIKETOUR – die Schlusswoche von Stuttgart übers Allgäu nach Offenburg



Die Schlusswoche hatte es noch einmal so richtig in sich, was Länge der Etappen und Höhenmeter anging. Das Wetter zeigte sich nach einem Vortrag in Stuttgart-Wangen und einem Gewittermorgen an meinem Übernachtungsort in Stuttgart-Birkach weiterhin von seiner besten Seite. Zunächst fuhr ich auf einer altbekannten Strecke zwischen dem DuMont Reiseverlag in Ostfildern, dem ich einen Besuch abstattete und alten Kollegen "Hallo" sagte, bis nach Neuhausen auf den Fildern, wo ich einige Jahre lebte. Nach einer Stippvisite bei meiner alten Vermieterin wurde es ernst: Nach Nürtingen begann der Aufstieg auf die schwäbische Alb, der von einem 2,5 Kilometer langen und 17 Prozent steilen Anstieg gekrönt wurde. Diesen bewältigte ich zwar am Stück, aber im absoluten Kriechtempo – sehr zur Freude des motorisierten Verkehrs ... (: Die Belohnung waren einsame Strecken und schöne Naturlandschaften auf der Alb bis zu meinem Etappenziel in der Nähe von Ulm.

Morgens lag die Welt in dichten Nebel gehüllt vor mir. Ich überquerte die Donau und fuhr parallel zur Iller bis Memmingen, wo ich nach 60 Kilometern Mittagpause bei strahlendem Sonnenschein machte. Das Stück zwischen Memmingen und Kempten legte ich aus Zeitgründen im Zug zurück – eine weise Entscheidung, denn sonst hätte ich meinen Vortrag in Sonthofen wohl in verschwitzten Radklamotten halten dürfen. Auch so legte ich an diesem Tag knapp 100 Kilometer zurück – von Kempten dann wunderschön an der Iller entlang. Als ich am nächsten Morgen nach einem „Fairen Frühstück“ mit den Veranstaltern des Vortrags mein Rad aus dem Keller holte, war der Hinterrradreifen platt. Zum Glück mussten nur Schlauch und Felgenband gewechselt werden, was ein lokaler Fahrradhändler zügig erledigte. Dennoch startete ich mit rund 90 Minuten Verspätung auf die lange, anstrengende Etappe von Sonthofen nach Ravensburg.

Die schönen Landschaften des Allgäus ließen mich die Anstrengungen fast vergessen. Nach meiner Ankunft in Ravensburg stand noch der Besuch bei Miller Reisen an, einem Veranstalter für Lateinamerikareisen, der das durch die Trips verursachte CO2 mit Baumpflanzungen in Paraguay kompensiert. Interessantes Projekt! Am nächsten Tag wartete die Hammeretappe von Ravensburg nach Rottweil auf mich, bei der ich mehr als sieben Stunden im Sattel saß und reichlich Höhenmeter fressen durfte. Eine Stunde nach Ankunft stand dann der letzte Vortrag in Rottweil an, der mit einer längerem Diskussion um das neue Tourismusprojekt des Orts endete: Es geht um die Auswirkungen einer Aussichtsplattform an einem bereits gebauten Turm, in dem Hochgeschwindigkeitsaufzüge getestet werden, und einer noch zu bauende Fußgängerbrücke, die vom Turm in die Stadt führen soll.

Da sich das Wetter verschlechterte und ein geplanter Besuch bei einer ehemaligen Studienkollegin in Waldkirch ins Wasser fiel, beschloss ich die Tour am 1.10. zu beenden. Ich fuhr 30 Kilometer nach Villingen-Schwenningen und nahm von dort den Zug zurück nach Offenburg, wo ich gegen 14 Uhr eintraf. Damit endete die Faire Biketour 2016, bei der ich in 33 Tagen von der Nordsee unfall- aber nich pannenfrei (2 kaputte Reifen und 3 Schläuche) an den Bodensee geradelt bin, rund 15 Vorträge/Lesungen gehalten und zahlreiche Höhenmeter bewältigt habe. Wie immer kam es zu vielen netten Begegnungen mit Freunden und Menschen, die ich noch nie zuvor oder seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. All denjenigen, die mich auf irgendeine Weise auf der Radtour unterstützt haben – sei es mit Unterkunft/Verpflegung oder mit der Organisation einer Vortragsveranstaltung – möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich für ihr Engagement danken. Mein Dank gilt aber auch den Besuchern meiner Vorträge, die nicht nur aufmerksam zugehört haben, sondern mit ihren Spenden von insgesamt 559 Euro einen Beitrag dazu geleistet haben, dass guatemaltekischen Kindern aus sozial benachteiligten Familien der Besuch einer weiterführenden Schule ermöglicht wird. DANKE und bis zum nächsten Mal!