Dienstag, 6. Juli 2021

Was haben Tabakanbau und –konsum mit Frauenrechten zu tun?

Tabakproduktion und -konsum sind mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen verknüpft und erschweren es, die Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Im Tabakanbau werden die Rechte von Frauen verletzt, wie das Beispiel Bangladesch zeigt: durch Ausbeutung, fehlenden Arbeitsschutz und hohe Gesundheitsrisiken. Tabakprodukte und deren Vermarktung wiederum verletzen hierzulande und weltweit die Frauenrechte auf Gesundheit und Vorsorge. In der reproduktiven Lebensphase sind Frauen und Mädchen in besonderer Weise von den Folgen des Tabakkonsums und der Tabakproduktion betroffen. Doch gerade dann ist das Recht auf Gesundheit und Vorsorge wichtig, um auch (ungeborenen) Kindern eine gesunde Lebensgrundlage zu geben. Deshalb gilt das Motto des Weltnichtrauchertags "Commit to quit" gleichermaßen für (passiv)rauchende Frauen bei uns wie für Frauen im Tabakanbau im Globalen Süden.

Prof. Dr. Sabina Ulbricht, Vorsitzende von Frauen Aktiv Contra Tabak (FACT) e.V., resümiert die Entwicklungen der weiblichen Tabakrauchprävalenz der letzten Jahre: „Der erfreuliche Rückgang des Tabakkonsums im Jugendalter zeigt sich bislang bei den Erwachsenen nicht. Denn die Anzahl der Rauchstoppversuche, ein wichtiges Zeichen um Tabakabstinenz zu erreichen, ist hier sogar rückläufig.“ Ihre Forderung an die Politik lautet: „Um der Verfestigung gesundheitlicher Ungleichheit entgegenzutreten, bedarf es Angebote, mit denen vor allem Frauen mit einem niedrigeren Sozialstatus erreicht werden, da sie die Mehrheit der Raucherinnen stellen und nachweislich sehr viel weniger von bisherigen Unterstützungsangeboten profitieren.“

Sonja von Eichborn, Leiterin von Unfairtobacco, weist auf die Verletzung von Frauenrechten in Bangladesch und anderen Tabakanbauländern hin: „Kleinbäuerinnen im Globalen Süden können mit dem arbeitsintensiven Anbau von Tabak nur schwer ihren Lebensunterhalt verdienen und sind durch fehlenden Arbeitsschutz gravierenden Gesundheitsgefahren ausgesetzt.“ Sie betont: „Deutschland trägt als einer der größten Rohtabakimporteure der Welt auch Verantwortung dafür. Neben der Verabschiedung eines wirksamen Lieferkettengesetzes muss sich die deutsche Regierung verstärkt dafür einsetzen, dass im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Tabakbäuerinnen in Ländern wie Bangladesch Unterstützung für den Ausstieg aus dem Tabakanbau erhalten.“

Eine schnellere Umsetzung der WHO-Rahmenkonvention für Tabakkontrolle ist Teil der nachhaltigen Entwicklungsziele. Die UN-Frauenrechtskonvention ist für beide Instrumente die Basis. In ihr sind das Recht auf Gesundheit und Vorsorge genauso verankert wie das Recht auf Arbeitsschutz. Daraus ergibt sich: Frauen und Mädchen weltweit haben ein Recht auf eine tabakfreie Welt, in der Tabakkonsum auf ein bedeutungsloses Niveau herabgesenkt wurde und die Tabakindustrie sehr stark reguliert ist.Dieser Tage muss die deutsche Regierung zur Umsetzung von Frauenrechten an die Vereinten Nationen berichten. Wir begleiten diesen Prozess mit Blick auf die Tabakindustrie und informieren das UN-Frauenrechtskomitee über den Stand der Tabakkontrolle in Bezug auf Frauen.

Quelle: Unfair Tobacco

Zum Factsheet von Unfair Tobacco