Montag, 24. August 2015

Neue Studie: Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika steigt!


Einer Studie der Tulane University zufolge, hat die Anzahl von Kindern, die in der westafrikanischen Kakaoproduktion unter missbräuchlichen Bedingungen arbeiten, in den letzten fünf Jahren um 360.000 auf 2,12 Millionen zugenommen. Rund zwei Millionen von ihnen verrichteten 2013/14 in Ghana und der Elfenbeinküste sogar gefährliche und gesundheitsgefährdende Tätigkeiten. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zu 2008/09. Schätzungsweise 70 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos werden in Westafrika angebaut. Make Chocolate Fair! fordert die Schokoladenunternehmen dazu auf, gegen missbräuchliche Kinderarbeit noch rigoroser vorzugehen und Kakaobauern einen höheren Preis für die Bohnen zu zahlen.

In der Elfenbeinküste stieg die Anzahl von Kindern in gesundheitsgefährdenden Arbeitsverhältnissen zwischen 2008/09 und 2013/14 um 46 Prozent. Sie verrichten Arbeiten, die nach internationalem Gesetz für Kinder unter 17 Jahren verboten sind. Dazu gehören das Roden von Land, das Heben schwerer Lasten, überlange Arbeitszeiten und der ständige Kontakt mit landwirtschaftlichen Chemikalien. In Ghana fiel der Anteil von Kindern, die unter gefährlichen Bedingungen arbeiten, um etwa sechs Prozent auf 0,88 Millionen. 2010 hat die Schokoladenindustrie versprochen, bis zum Jahr 2020 missbräuchliche Kinderarbeit zu eliminieren. Um das Versprechen einhalten zu können, müssen laut dem Tulane-Bericht 1,5 Millionen Kinder erreicht werden.

Armut bedingt Kinderarbeit

„Kinderarbeit ist die Folge von Armut. Wenn die Schokoladenindustrie ihr Versprechen ernst meint, Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren, muss an die Armut unter Kakaobauernfamilien bekämpft werden.“, erklärt Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne Make Chocolate Fair! „Viele Projekte der Industrie zielen auf eine Erhöhung der Produktivität ab. Doch für die Kakaobäuerinnen und -bauern bedeutet das nicht zwangsläufig ein höheres Einkommen, da sich mit steigender Produktivität ebenso ihr Arbeitsaufwand und ihre Investitionen erhöhen. Wegen des zu geringen Kakaopreises, den Kakaobäuerinnen und -bauern für ihr Produkt erhalten, fehlt das Geld, um Erntehelfer einzustellen. Kinder müssen dann diese Lücke füllen. In Kombination mit der zunehmenden Anwendung landwirtschaftlicher Chemikalien, wird die Situation unverantwortlich.“

Einkommen weit unter der Armutsgrenze

Sowohl in Ghana als auch in der Elfenbeinküste ließ sich in den Jahren zwischen den beiden Erhebungszeiträumen der Tulane Universtiy ein enormer Zuwachs an Produktivität um 30 bzw. 40 Prozent feststellen. Doch damit stieg auch der Gebrauch von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden immens an. Insgesamt 480.000 Kinder in Ghana und der Elfenbeinküste sind diesen Chemikalien derzeit permanent ausgesetzt. Das kürzlich erschienene Kakao-Barometer wies nach, dass das Pro-Kopf-Einkommen der meisten Kakaobäuerinnen und -bauern noch weit unter der global anerkannten Armutsgrenze liegt. Ein Kakaobauer in der Elfenbeinküste müsste das Vierfache seines derzeitigen Einkommens verdienen, um die globale Armutsgrenze von zwei US$ am Tag zu erreichen.

Erfahren Sie mehr über die Studie:

Fordern Sie von der Schokoladenindustrie ein sofortiges Ende von missbräuchlicher Kinderarbeit und eine Erhöhung des Kakaopreises. Unterzeichnen Sie die Petition!

Montag, 17. August 2015

„CHANGE YOUR SHOES“ – INKOTA-Kampagne zu Missständen in der Schuhproduktion



Schuhe gibt es für jeden Anlass und Geldbeutel – elegant, lässig oder geländetauglich. Doch hinter den Sohlen, die uns durch die Welt tragen, verbergen sich Geschichten, die weniger von Eleganz und Freiheit, als von Menschenrechtsverletzungen, Gesundheitsgefährdung und Umweltproblemen erzählen.  Die menschenunwürdigen Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Leder- und Schuhproduktion sind bis jetzt allerdings noch weitgehend unbekannt. Mit der Kampagne „Change Your Shoes“ tritt INKOTA gemeinsam mit 17 Partnerorganisationen in Europa und Asien dafür ein diese Missstände aufzudecken. 

Überstunden, schlechte Bezahlung, fehlende Sicherheit

Eines der größten Probleme in der Schuhproduktion, die zumeist in Asien stattfindet, sind die niedrigen Löhne und die fehlende soziale Absicherung für die Arbeiterinnen und Arbeiter. So ist zum Beispiel Heimarbeit in der Schuhbranche weit verbreitet und ein Weg für die Auftraggeber, die Kosten zu senken: die Löhne sind sehr gering, es gibt keine festen Verträge und es werden keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Und selbst wenn die Arbeiter den legalen Mindestlohn verdienen, reicht dieser nicht um ihr Überleben zu sichern. So entspricht zum Beispiel der Mindestlohn in China nur in etwa der Hälfte von dem, was zum Überleben notwendig ist, in Bangladesch sogar nur einem Fünftel.

Hochgiftige Chemikalien

Einer der gefährlichsten Prozesse in der Lederproduktion ist das Gerben, bei dem rohe Tierhäute zu Leder verarbeitet werden. Das Gerben mit Chromsalzen ist weltweit die gängigste Methode, obwohl sie hohe Risiken für Umwelt und Gesundheit birgt – denn Chromsalze sind hochgiftig und krebserregend. Viele Arbeiter in den Gerbereien arbeiten ohne Schutzkleidung. Der ungeschützte Kontakt mit den Chemikalien verursacht Atemwegserkrankungen, Hautausschläge und Krebs. Zudem werden die toxischen Abfallstoffe, die beim Gerben entstehen, meist ungefiltert in die Natur abgelassen. So leiden Anwohner rund um die Gerbereien häufig unter Durchfall, Fieber und Hautproblemen. Auch die Arbeiter in den Schuhfabriken leiden unter gesundheitlichen Problemen durch die Nutzung von giftigen Klebern sowie den Umgang mit dem verseuchten Leder im Produktionsprozess.

Faire und nachhaltige Schuhe für Konsumenten

Die globale Schuhlieferkette ist sehr undurchsichtig. So ist es für Konsument fast unmöglich herauszufinden, wo und unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen die Schuhe produziert und welche Materialien verwendet wurden.

Unser Ziel ist es, eine ethische, nachhaltige und transparente Schuhlieferkette zu schaffen.
 
Denn wir finden, dass
  • Arbeiter in der Schuhlieferkette ein Recht auf einen existenzsichernden Lohn haben.
  • Arbeiter in der Schuhlieferkette ein Recht auf sichere Arbeitsbedingungen haben.
  • Konsumenten ein Recht auf sichere Produkte und Transparenz über die Herkunft und die verwendeten Materien ihrer Schuhe haben.
Das kannst Du tun!
  • Informiere Dich und erzähle es weiter: Bestelle unsere Infomaterialien oder abonniere unseren Newsletter.
  • Aktiv werden: Nimm an unseren Aktionen teil oder organisiere selbst eine Aktion. Wir stehen mit Tipps und Ideen zur Verfügung. Oder lade unsere kostenlose App zur Kampagne herunter.

Montag, 10. August 2015

Fairer Handel in Deutschland knackt die Milliarde


Mehr als eine Milliarde Euro gaben deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher für fair gehandelte Produkte im Jahr 2014 aus. Der Faire Handel verzeichnete damit eine Steigerung von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das gab das Forum Fairer Handel, das Netzwerk des Fairen Handels in Deutschland, auf seiner Jahrespressekonferenz bekannt.


„In den letzten drei Jahren haben sich die Fair-Handels-Umsätze verdoppelt. Das ist für uns ein klares Signal, dass es immer mehr Menschen in Deutschland wichtig ist, mit ihrer Konsumentscheidung zu einer menschenwürdigen und fairen Produktion unserer Alltagsgüter beizutragen“, kommentiert Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel, die kontinuierliche Umsatzsteigerung im zweistelligen Bereich. „Mit 13 Euro Pro-Kopf-Ausgaben für fair gehandelte Produkte hängt Deutschland jedoch der Schweiz und Großbritannien noch deutlich hinterher.“ „Nicht nur bei den Umsätzen sehen wir mehr Luft nach oben“, sagt Armin Massing, politischer Referent des Forum Fairer Handel, und betont: „Auch deutsche Unternehmen sind direkt oder indirekt an schweren Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen entlang globaler Lieferketten beteiligt und profitieren davon. Für gerechtere Wirtschafts- und Handelsstrukturen reichen individuelle Konsumentscheidungen und freiwillige Unternehmensinitiativen alleine nicht aus. Es bedarf dringend politischer Weichenstellungen.“

Verbindliche Regulierungen für deutsche Unternehmen – Fehlanzeige

Weder auf internationaler noch auf europäischer und deutscher Ebene gibt es verbindliche Regeln zur menschenrechtlichen Haftung im globalen Geschäftsverkehr. So ist es bislang kaum möglich, Unternehmen für Menschenrechtsverstöße oder Umweltschäden im Ausland zur Rechenschaft zu ziehen. „Die deutsche Gesetzgebung muss bestehende Grauzonen beseitigen, um Mensch und Umwelt weltweit besser zu schützen“, unterstreicht Massing und fordert: „Die Bundesregierung muss 2016 im Rahmen des aktuellen Prozesses zur Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans ‚Wirtschaft und Menschenrechte‘ verbindliche menschenrechtliche, soziale und ökologische Regeln für deutsche Unternehmen festlegen.“ Massing weiter: „Mit unserer aktuellen Kampagne ‚Mensch. Macht. Handel. Fair.‘ setzen wir uns für eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen ein.“ Über zehntausend Menschen in Deutschland haben sich dieser Forderung mit ihrer Unterschrift bereits angeschlossen. 

Montag, 3. August 2015

Smartphones im Fairness-Test



Den Vorverkaufsstart des Fairphone 2 (s. Blogbeitrag vom 20. Juli) nehmen die Christliche Initiative Romero und WEED e.V. in Kooperation mit der österreichischen NGO Südwind zum Anlass, die Ergebnisse einer vergleichenden Studie zu TCO-zertifizierten Smartphones und dem Fairphone 2 zu präsentieren. In der vom niederländischen Forschungsinstitut SOMO erstellten Studie schneidet das Fairphone in mehreren Nachhaltigkeitsbereichen am besten ab, zeigt jedoch noch Verbesserungsbedarf. "Bis dato kann man zwar kein einziges Smartphone als 100 prozentig fair hergestellt bezeichnen, aber das Fairphone schneidet in der Vergleichsstudie in vielen Bereichen besser ab als der Kriterienkatalog von TCO Certified", fasst Johanna Fincke von der  Christlichen Initiative Romero die Ergebnisse der Studie zusammen.

Nur ein Teil der Kriterien erfüllt

Im Mai 2013 kamen erstmals zwei sogenannte "faire" Smartphones auf den Markt. Die schwedische Zertifizierungsorganisation TCO Development stellte das Samsung Galaxy S4 als das erste Smartphone vor, das ihren Umweltanforderungen sowie ihren Anforderungen an faire Arbeitsverhältnisse in der Produktion entsprach. Zur gleichen Zeit gab das niederländische Sozialunternehmen Fairphone den Verkauf von fairen Smartphones bekannt. Heute, zwei Jahre später, bewertet und vergleicht die  SOMO-Studie TCO Certified Smartphones versus Fairphone. A comparison of sustainability criteria die Standards beider Initiativen. Von den 34 darin überprüften Nachhaltigkeitskriterien erfüllt Fairphone 20 Kriterien. Damit erfüllt  Fairphone weit mehr Kriterien als TCO und liegt über den, in der Industrie üblichen Standards. Dies betrifft vor allem die Vermeidung sogenannter Konfliktmineralien und die Verhältnisse in den Rohstoff-Minen. Aber auch bestimmte Kriterien zu Arbeitsbedingungen in der Herstellung, der Multi-Stakeholder-Ansatz und ihre Ansätze zur Bekämpfung der Elektromüll-Problematik werden positiv bewertet.

Verbesserungsbedarf bei Fairphone und bei TCO

"Trotzdem gibt es auch beim Fairphone weiterhin Verbesserungsbedarf", sagt Annelie Evermann von  WEED e.V. und konkretisiert: "Insbesondere sollten die Beschwerde-Mechanismen für Arbeiter in den Produktionsstätten verbessert und Kriterien, die die verantwortliche Nutzung von Chemikalien in der Produktion berücksichtigen, entwickelt werden. Da das Fairphone 2 nun von Fairphone selbst designt wird, haben sie dazu jetzt eine einmalige Chance." Die Kriterien von  TCO Certified für Smartphones konnten nur sieben Kriterien über dem industrieüblichen Standard erfüllen. "Smartphones, die von TCO Development zertifiziert werden, schneiden kaum besser ab als nicht zertifizierte, werden aber dennoch als 'fair' bezeichnet", bedauert Johanna Fincke, "Das Wort 'fair' darf nicht zu einem PR-Trick verkommen. Wer wirklich fair sein will, muss sich ernsthaft für Verbesserungen einsetzen und soziale Verantwortung für seine Produktion übernehmen." Annelie Evermann ergänzt: "Diese Glaubwürdigkeit ist entscheidend, um Verbrauchern, aber auch Einkäufern der öffentlichen Hand, die mit ihrem Kauf bessere Arbeitsbedingungen fördern wollen, bewusste und gut informierte Kaufentscheidungen zu ermöglichen."
Quelle: UD/na