Die weltweite Landwirtschaft steht zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Millionen kleinbäuerliche Kaffee- und Baumwollproduzent*innen verdienen nur wenige US-Dollar am Tag, weil die Erlöse für ihre Produkte häufig nicht ausreichen, um Produktionskosten, Arbeitskräfte und notwendige Investitionen zu finanzieren. Auch in der EU ist die Situation angespannt: Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist zwischen 2005 und 2023 von 14,4 Millionen auf 8,8 Millionen zurückgegangen, wobei neben fehlender Nachfolge und steigenden Investitionskosten auch zu niedrige Erzeugerpreise eine Rolle spielen. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Energie und Betriebsmittel, während Klimaveränderungen die Ernten beeinträchtigen. Faire und verlässliche Preise könnten landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen, in moderne Technik, Bodenschutz und Klimaanpassung zu investieren und zugleich höhere Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards zu erfüllen. Fairtrade Deutschland und 13 Mitinitiatoren, wie Oxfam Deutschland e.V., Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V. und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., fordern deshalb mit dem Appell "Landwirtschaft braucht Fairness", den Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der Produktionskosten als unlautere Handelspraktik zu verbieten. Die bestehende europäische UTP-Richtlinie schützt zwar bereits vor bestimmten unfairen Geschäftspraktiken, weist bei den Erzeugerpreisen jedoch eine wichtige Lücke auf. Aus Sicht der Initiatoren sind faire Preise eine zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Europa und weltweit.
Quelle: Fairtrade; Zusammenfassung Frank Herrmann
