Freitag, 13. Februar 2015

Faire Mode – angesagt wie nie zuvor



Seit den Berichten über unzumutbare Arbeitsbedingungen und dramatischen Unfällen in asiatischen Textilfabriken achten Verbraucher vermehrt auf die Herkunft ihrer Kleidung und weichen auf faire Angebote aus. Allein auf der diesjährigen „Ethical Fashion Show“ und dem „Greenshowroom“ in Berlin präsentierten über 160 Aussteller sozial- und umweltverträglich hergestellte Mode. Zu den wichtigsten Siegeln für fair gehandelte Kleidung gehören Fair Wear, GOTS und IVN Naturtextil Best. Ihnen liegen die Bestimmungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zugrunde, die unter anderem Kinderarbeit, Ausbeutung und Diskriminierung verbieten. „Diese Siegel helfen Verbrauchern, sich beim Kauf von Kleidung zu orientieren“, sagt Anke Rößner, Fachreferentin der Verbraucher Initiative.

Faire Mode ist in vielen Online-Shops zu haben

Und auch der Fairtrade-Standard, der bisher zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation der Bauern im Baumwollanbau beiträgt, soll künftig auf textilverarbeitende Betriebe wie Nähereien ausgeweitet werden. Ziel dabei ist es, die Arbeiterinnen und Arbeiter innerhalb der Produktionskette zu stärken und einen Zeitplan zum Erreichen existenzsichernder Löhne zu erstellen. Fair und ökologisch hergestellte Kleidung gibt es vor allem in Online-Shops wie zuendstoff-clothing.de,getchanged.net, futurefashionguide.com oder avocadostore.de. „Fair produzierte Mode ist längst genauso trendy und schick wie konventionell produzierte Kleidung“, so Anke Rößner. Statt Mode als Wegwerfartikel zu begreifen sollten Verbraucher lieber langlebige, hochwertige Produkte bevorzugen. „Wenn Kleidungsstücke länger als eine Saison getragen werden, dann lässt der Druck nach, möglichst schnell und billig und damit zu unmenschlichen Bedingungen produzieren zu müssen“, sagt die Referentin.
Quelle: UD/Presse

Dienstag, 10. Februar 2015

Schweizer Supermarktkette Migros spitze bei internationaler Nachhaltigkeits-Studie



Die Münchner Oekom Research AG, eine der führenden Rating-Agenturen im nachhaltigen Anlagesegment, hat 140 Handelsunternehmen weltweit auf ihr soziales und ökologisches Engagement untersucht. Bewertet hat Oekom die soziale und ökologische Nachhaltigkeit von Einzelhandelsunternehmen anhand von rund 100 Indikatoren, darunter Arbeitsstandards und –bedingungen, nachhaltige Anbau- und Produktionsbedingungen in der Lieferkette, Klimaschutz, Kundeninformation und Produkte mit ökologischem oder sozialem Zusatznutzen.

Migros vor Konkurrenz aus England und Frankreich

Die Migros erhielt in der Nachhaltigkeitsbewertung als einziges Unternehmen die Note B+ (gut). Besonders gut schnitt das Schweizer Unternehmen bei den Kriterien Arbeitsbedingungen, Auswahl der Lieferanten, Sortiment, Energiebeschaffung und Wirtschaftsethik ab. Bekannte Supermarktketten wie Marks&Spencer und Tesco aus Grossbritannien kamen nicht über ein C+ (mittel) hinaus.

Metro AG führt das deutsche Ranking an

Das beste deutsche Unternehmen ist die Metro AG, die gerade noch ein C+ erreichen konnte. Das Stärke-/Schwächeprofil des Handelskonzerns liest sich wie folgt:

+ angemessene Maßnahmen zur Bereitstellung von Kundeninformation über Produktcharakteristika, Inhaltsstoffe und mögliche Gefahren
+ umfassendes Managementsystem zur Gewährleistung der Produktsicherheit
+ steigende Ressourceneffizienz in den letzten Jahren, z.B. sinkender Energie- und Wasserverbrauch pro Quadratmeter Verkaufsfläche
+ Einführung/Umsetzung einer konzernweiten Klimaschutzstrategie, die branchenspezifische Klimarisiken berücksichtigt

aber auch

–  keine umfassende Strategie und Maßnahmen zur Nachhaltigkeit in Tierhaltung und Fischfang/Fischzucht (bzgl. Tierwohl, nachhaltigem Tierfutter und Aquakultur)
– unzureichende Leitlinien und Maßnahmen, um die Umweltauswirkungen der Produktsegmente Textilien und Elektronik zu minimieren.

Samstag, 7. Februar 2015

40 Jahre jung: Weltladen-Dachverband und GEPA feiern gemeinsam



Beide Organisationen feiern ihr 40-jähriges Bestehen im Februar und März 2015 gemeinsam mit sieben regionalen Veranstaltungen. Geboten wird ein abwechs-lungsreiches Programm mit Grußworten, kurzen Filmbeiträgen, einer Mitmachaktion sowie Zeit für persönliche Gespräche. Musikalisch begleitet werden die Veranstaltungen vom Duo Latin Flair mit Gesang, Gitarre & Charango. Kaffee und Kuchen sowie ein kleiner vegetarischer Imbiss mit fair gehandelten Produkten dürfen nicht fehlen. Je nach Veranstaltungsort wird für Getränke einen Kostenbeitrag erhoben bzw. um eine Spende gebeten. Aus organisatorischen Gründen ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Fairtrade-Prämien: Mehr Selbstbestimmung auf Kenias Rosenfarmen



2014 wurde der neue Fairtrade-Standard für lohnabhängig Beschäftigte eingeführt, der auf den Prinzipien der bestehenden Fairtrade-Strategie für Arbeiterrechte basiert und verstärkt auf die Alltagsrealität der Fairtrade-Arbeiter ausgerichtet ist. Neu ist hierbei auch, dass die Arbeiter die alleinige Entscheidungsbefugnis über die Fairtrade-Prämie haben. Je nach Bedarf können die Arbeiter bis zu 20 Prozent der Fairtrade-Prämie als Geld- oder Sachbonus zu gleichen Teilen untereinander verteilen.

Prämienschwerpunkte Bildung, Darlehen und Wasserversorgung
 
Bei Harvest Limited Athi River in Kenia wird ein Teil der Fairtrade-Prämie bedarfsorientiert direkt an die Beschäftigten ausbezahlt. Mehr als 50 Prozent der Arbeiter haben das Geld als individuelle Stipendien für die Bildung ihrer Kinder verwendet. Der Mädchenanteil in der Mittelschule konnte um 60 Prozent gesteigert werden. Bei Mount Meru Flowers wurden mithilfe der Fairtrade-Prämie zahlreiche Projekte wie zur kommunalen Trinkwasserversorgung oder zinslose Darlehen für Mitarbeiter umgesetzt. Da die Löhne auch auf Fairtrade-Farmen nicht immer ausreichend sind, ist das zusätzliche Aus- und Fortbildungsangebot insbesondere für Frauen von großer Bedeutung, um mit neuen Kompetenzen ein Zusatzeinkommen generieren zu können.

Arbeitnehmervertretungen gestärkt

So konnte die ehemalige Glashausarbeiterin Wedness Nasro einen Computer- und Sektretariatskurs bei Mount Meru absolvieren und wurde danach vom Geschäftsführer als Sekretärin und Assistentin angestellt. Viele Arbeitnehmervertretungen haben zudem einen Teil der Prämiengelder in die Stärkung ihrer eigenen Organisationen investiert. Für gemeinschaftliche Projekte, wie die Unterstützung lokaler Schulen oder medizinische Dienstleistungen, wurden 25 Prozent der Prämien aufgewendet.
Quelle: Fairtrade Österreich, Bild 2 Fairtrade Deutschland

Sonntag, 1. Februar 2015

Nachhaltig einkaufen: Deutsche verstehen Produkt-Slogans nicht



Ziel einer Befragung des SVI-Stiftungslehr- stuhls für Marketing der HHL Leipzig Graduate School of Management und des GfK Vereins war es, heraus zu finden, wie deutsche Konsumenten die vielen Nachhaltigkeits-Slogans verstehen, die auf Seifen, Schreibtischen, Getränkeflaschen und anderen Produkten um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Ein Ergebnis der Studie ist, dass Kunden besonders die Klimaschutz-Botschaften diverser Produkte nicht richtig zu interpretieren wissen. Nur für etwa zehn Prozent der Befragten ist vollständig klar, was „klimaneutrale“ oder „CO2-kompensierte“ Flüge leisten. So leitet ein Drittel der befragten Konsumenten aus dem Versprechen eines „klimaneutralen“ Flugs  ab, dass die Airline das emittierte CO2 kompensiert, während ein Drittel eher davon ausgeht, dass die Anbieter umweltfreundliche Treibstoffe einsetzen und Maschinen effizienter auslasten. Richtig ist: Alle Maßnahmen, die zur „Klimaneutralität“ beitragen können, sind korrekt. Ausschlaggebend ist lediglich, dass die Airline dieselbe Menge an Emissionen kompensiert, die sie emittiert. “Dass die Erwartungen teils so deutlich auseinander gehen, zeigt, dass für Kunden häufig unklar ist, welche Maßnahmen ein Unternehmen nun konkret umsetzt”, sagt die Studienleiterin Anja Buerke.

Lücke zwischen Anspruch und Realität oft zu groß


Die Beispiele zeigen, dass Hersteller und Händler in ihrer Nachhaltigkeitskommunikation „unrealistisch hohe Erwartungen erzeugen können“, wenn für den Konsumenten „das konkrete Produktversprechen nicht nachvollziehbar ist“, schreiben die Studienautoren. Sie sollten sich aus eigenem Interesse um mehr Klarheit und Transparenz bemühen und deutlicher machen, wie genau sie etwa das Klima entlasten, lautet die Empfehlung. Was der Konsument nicht versteht, kauft er normalerweise nicht oder er ärgert sich, wenn das Missverständnis offenkundig wird. „Der Kunde sollte sofort verstehen, weshalb ein Produkt nachhaltig ist und es nicht nur vermuten“, sagt Anja Buerke. Das würde sich auch für die Hersteller lohnen. Denn 21 Prozent – bei den umweltbewussten Einkäufern sogar 70 Prozent – der Befragten gaben an, dass sie eher zu einem Produkt greifen würden, wenn sie besser erkennen könnten, wie umweltfreundlich es tatsächlich sei. Andererseits sind Verständlichkeit und Substanz einer Botschaft kein Muss, um bei den Kunden die Kaufentscheidung auszulösen. Das zeigen die Erfolgs-Claims „wassereffizientes Produkt“, „aus kontrolliertem Anbau“ und „verlängerte Lebensdauer“. Obwohl die Bedeutung dieser Slogans nicht richtig verstanden wurde, erzeugen die Botschaften eine hohe Kaufbereitschaft, schreiben die Forscher. Die Begriffe „wassereffizientes Produkt“ und „ressourcenschonend durch verlängerte Lebensdauer“ sind laut Buerke deshalb kaufrelevant, weil sie beim Kunden die Annahme bedienten, er habe zusätzlich zum Umwelteffekt auch einen Sparnutzen.

Vorsicht mit „Greenwashing“

Insbesondere der erfolgreiche Claim „aus kontrolliertem Anbau“ ist für Buerke aber problematisch. „Der bedeutet rein gar nichts, der Kunde erfährt nicht, was eigentlich kontrolliert wird.“ Ohne die Verbindung zu einem geschützten Label wie Bioland oder dem EU-Bio-Siegel, sei diese Botschaft inhaltsleer. Kunden sollten bei Produkten, die Umweltschutz so schwammig bewerben, ganz genau hinschauen und im Zweifel die Finger davon lassen, rät sie. Zeigt die hohe Kaufbereitschaft, die rechtlich nicht geschützte Slogans wie „aus kontrollierten Anbau“ erzeugen, nicht, dass Unternehmen gut damit fahren, wenn sie unkonkret bleiben? „Auf den ersten Blick kann das eine Strategie sein“, sagt Anja Buerke. „Aber langfristig können Kunden es negativ bewerten, wenn ein Produkt nicht die Erwartungen bedient, die es geweckt hat. Wird ein Unternehmen des Greenwashings überführt, bleibt das haften.” Herstellern empfiehlt Anja Buerke, genau zu belegen, wie ihr Produkt die Umwelt schütze. Denn immerhin fühlen sich mit 41 Prozent fast die Hälfte der umweltbewussten Käufer nicht ausreichend mit unabhängigen Informationen versorgt. Daher sollten die relevanten Informationen gut zugänglich sein. Dann, so Buerke, seien zumindest die umweltaffinen Konsumenten auch bereit, einen Aufpreis zu bezahlen. Unternehmen sollten sich aber bei der Produktwerbung auf eine zentrale Aussage beschränken, um Konsumenten nicht zu überfrachten.
Quelle: Wiwo Green