Montag, 21. Januar 2013

Fair investieren: Klimafreundliche Sparanlagen



Das Klima mit einer Investition schützen zu wollen, ist eine noble Absicht. Das Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen ist groß: Nach Angaben des Politikanalyse-Instituts adelphi kann ein klimafreundliches Sparprodukt im Vergleich zu einem konventionellen 67 Prozent der klimaschädlichen Gase einsparen. Aber wo finde ich ein vertrauenswürdiges Produkt? Bei den Großbanken? Fehlanzeige: Weder Deutsche Bank, Commerzbank oder Postbank bieten klimafreundliche Sparanlagen an.


Die Kleinen machen es vor


„Großbanken schaffen nicht, was einigen regionalen Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen sowie alternativen und kirchlichen Banken gelingt“, sagt Irmgard Czarnecki, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Bremen. Doch auch bei diesen Geldinstituten muss man suchen. Zum Glück hat die Verbraucherzentrale Bremen vor Kurzem die Marktübersicht „Klimafreundliche Sparanlagen“ veröffentlicht. Sie wurde vom bundesweiten Projekt „Klimafreundliche Geldanlage“ erarbeitet, einem Bündnis der Verbraucherzentralen Bremen, Hamburg, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.


Mit der Lupe suchen


Für die Zusammenstellung wurden 1.644 Kreditinstituten befragt. Das ernüchternde Ergebnis: Aktuell bieten nur 12 von über 1.000 Volks- und Raiffeisenbanken und 27 von über 400 Sparkassen klimafreundliche Sparanlagen an. Viele der Angebote sind zudem regional und zeitlich begrenzt. Investiert wird beispielsweise in Form von Tagesgeldern, Sparbüchern, Sparbriefen oder Ratensparverträgen in Erneuerbare Energien oder in die energetische Gebäudesanierung.


Alternativbanken zeigen, wie es geht


Das alleine genügt Irmgard Czarnecki nicht: "Um das Klima zu schützen, sind nicht nur Investitionen in Erneuerbare Energien oder in Energieeffizienzmaßnahmen nötig. Damit das Klima nicht weiter angeheizt wird, darf kein Geld mehr in die Öl- und Kohlebranche fließen." Doch bislang schließen nur alternative Banken wie die EthikBank, GLS-Bank, Triodos Bank, Umweltbank und die kirchliche KD-Bank Investitionen in diese Bereiche aus.


Link zur regelmäßig aktualisierten Marktübersicht „Klimafreundliche Sparanlagen": http://www.verbraucherzentrale-bremen.de/mediabig/218691A.pdf

Freitag, 18. Januar 2013

Faire Handel: Was haben die Produzenten davon?



Ob und welche Auswirkungen der Faire Handel auf ländliche Entwicklung und Armutsreduktion in den Ländern des Südens hat, ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen und Untersuchungen. Haben die Bauern wirklich mehr Geld in der Tasche? Profitiert auch die ländliche Entwicklung der jeweiligen Region von dem Geldfluss? Und haben sich die Arbeitsbedingungen von Plantagenarbeiter durch den Fairen Handel wirklich verbessert? Das konnte bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden.


Fairtrade-Wirkungsstudie untersucht vor Ort

Diese und weitere Fragen werden in einer aktuellen, von Fairtrade Deutschland (TransFair e.V.) und Fairtrade Schweiz (Max Havelaar-Stiftung)  in Auftrag gegebenen und vom Centrum für Evaluation (Ceval) durchgeführten Studie beantwortet.  Neben sechs unterschiedlichen Produkten (Blumen  in Kenia, Kakao in Ghana, Kaffee und Bananen in Peru, Tee und Baumwolle in Indien), wurden drei unterschiedliche Produktionsformen (Kleinproduzenten, Plantage und Auftragsarbeit) untersucht.

Gute Ergebnisse mit Einschränkungen

In Bezug auf die sozioökonomische Situation zeigt die Studie, „dass Fairtrade-zertifizierte Kleinbauern in allen untersuchten Bereichen über leicht höhere und vor allem stabilere Einkommen verfügen als nicht-zertifizierte Produzenten“. Während die Arbeitsbedingungen auf der untersuchten Blumenplantage deutlich besser waren als bei Betrieben ohne Fairtrade-Zertifizierung, konnten die dort beobachteten Vorteile in der Fallstudie zu Tee nicht nachgewiesen werden. Bei Kakao und Baumwolle konnte Kinderarbeit nicht vollkommen ausgeschlossen werden.

Entwicklungsschub für einzelne Regionen

Auch was die Organisation in ländlichen Gebieten (z.B: Mitwirkung an Entwicklungsprojekten), die lokale und nationale Entwicklung (messbare Ergebnisse nur bei Kaffee und Bananen), der Umgang mit natürlichen Ressourcen (Fairtrade fördert eine nachhaltige Produktionsweise) betrifft, konnten die Ergebnisse der Studie überwiegend überzeugen. Im Idealfall kann der Faire Handel laut Studie über individuelle  Vorteile hinaus sogar „einen Entwicklungsschub für eine ganze Region auslösen“.

Einige kritische Anmerkungen 

Es ist schade, dass die „Executive Summary“ der Studie nicht 1:1 übersetzt wurde. Die deutsche Zusammenfassung ist beinahe wie eine Zusammenfassung der englischen Zusammenfassung und kommt etwas zu positiv rüber, da einige Kritikpunkte ausgeblendet werden. Diese Kritikpunkte werden in der englischen Version genauer erläutert, was das Verständnis der jeweiligen Situation erleichtert. Wer wie Fairtrade Transparenz propagiert, sollte sie auch exemplarisch umsetzen, auch wenn man sich dann gelegentlich unangenehmen Fragen stellen muss. Das versucht Fairtrade leider immer wieder mal zu vermeiden.  
 

Mittwoch, 16. Januar 2013

Tourismus: Unzureichende Arbeitsbedingungen in Thailand und der Türkei




Der Tourismus ist einer der weltweit größten Arbeitgeber weltweit. Er beschäftigt  rund 260 Millionen Menschen und durch ihn werden rund neun Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts erwirtschaftet. Stolze Zahlen, die darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeitsbedingungen oftmals wenig rühmlich sind. Dies konnte eine aktuelle Studie der schwedischen Organisation Schyst resande belegen. In ihr wurden die Arbeitsbedingungen von Angestellten der Tourismusindustrie in Thailand und der Türkei untersucht, zwei der weltweit beliebtesten Reisedestinationen. Befragt wurden 83 Angestellten in 37 Hotels und neben Zulieferbetrieben wie Bauunternehmen oder Wäschereien auch die Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und Behörden.

Ernüchternde Ergebnisse in der Türkei


"Die Löhne reichen nicht zum leben. Aber was sollen wir tun? Alle anderen Hotels zahlen dasselbe. Aber die meisten zahlen den Lohn nicht einmal zur rechten Zeit."
Mitglied des Reinigungsdienstes in einem Partner-Hotel von Ving in der Türkei

Von den 26 befragten Angestellten (aus zehn Hotels im Gebiet von Alanya) hatten nur zwölf einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Die meisten leisten unbezahlte Überstunden und beinahe 40 Prozent der Angestellten arbeiten nach Angaben der Studie „mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 60 Stunden pro Woche − einige bis zu siebzehn Stunden täglich.“ Obwohl alle Befragten den Mindestlohn erhielten, reicht dieser für drei von vier Angestellten nicht zum Leben aus. Weitere Probleme sind die Diskriminierung von Frauen sowie Arbeitsmigrannten und – migrantinnen, die fehlende Gewerkschaftsfreiheit und die Ausbeutung junger Menschen als Praktikanten. 


In Thailand gute Bedingungen nur für Einheimische


"Wir haben nur zwei Toiletten, die sich fünfzig bis sechzig Leute im Lager teilen müssen −was nicht annähernd reicht." 
Ausländischer Hotelangestellter in Thailand

Die befragten thailändischen Angestellten verfügten über recht gute Arbeitsbedingungen. Neun der 14 Befragten hatten einen schriftlichen Arbeitsvertrag, acht gehörten einer Gewerkschaft an, und nur drei klagten über Löhne unter dem Mindestlohn. Ganz anders stellt sich die Situation bei Arbeitsmigranten und –migrantinnen aus anderen Ländern dar. Sie stellen in einigen Ferienanlagen bis zu 50 Prozent der Angestellten. So verfügten von den 26 befragten Arbeitnehmern aus Burma 75 Prozent über keinen Arbeitsvertrag, jeder vierte arbeitete ohne Genehmigung. Keiner der Befragten gehörte einer Gewerkschaft an und viele der Burmesen lebten laut Studie „in slumähnlichen Unterkünften ohne angemessene sanitäre Einrichtungen, die ihnen von den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt wurden.“


Die deutsche Zusammenfassung der Studie gibt es unter: