Die meisten Kunden glauben, dass
ein fair gehandeltes Produkt einen hohen Prozentsatz fairer Bestandteile
enthält. Das kann, muss aber nicht sein. So darf sich ein Produkt bereits mit
dem bekannten Fairtrade-Siegel schmücken, wenn der Hauptbestandteil nur 20
Prozent der Gesamtmenge beträgt. Um die Verkäufe fairer Produkte zu pushen, sollen die
Standards nun weiter aufgeweicht werden.
Lasche Begründung
Fairtrade light
Die nur mit einem fairen
Bestandteil hergestellten Produkte sollen laut Transfair nicht das bekannte
Fairtrade-Logo tragen. Die Kennzeichnung wird sich auf jeden Fall
unterscheiden. Wie das genau aussehen soll, daran wird derzeit gearbeitet. Das
neue Modell wird für Kakao, Zucker und Baumwolle eingeführt, so die Transfair-Sprecherin
Edith Gmeiner. Besonders bei Schokolade sieht Fairtrade Handlungsbedarf: Der
Absatz sank bei Schokolade im vergangenen Jahr um 30 Prozent. Das hat die
Verantwortlichen des erfolgsverwöhnten Siegels spürbar nervös gemacht.
Akzeptanz oder Widerstand
Wie soll der Verbraucher aber
Fairtrade und Fairtrade light zukünftig unterscheiden: „Je mehr Standards oder
Teilstandards es gibt, desto komplizierter wird es für die Konsumenten, sich an
einem Gütesiegel zu orientieren, sagt Sabine Holzäpfel von der
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in einem Bericht der Badischen Zeitung.
Edith Gmeiner hingegen möchte die neuen Modelle als zusätzliche Optionen
verstanden wissen – "nicht als Light-Fairtrade-Standard". Bleibt abzuwarten, wie die Konsumenten aber
auch die Weltläden auf faire Masse statt faire Klasse reagieren werden oder ob
sich Widerstand regt beim neuen Fairtrade-Kapitel von „Der Zweck heiligt die
Mittel“.