Freitag, 30. Oktober 2026

Nach Tegut-Übernahme – noch mehr Macht für Supermärkte

Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 178 Tegut-Filialen durch Edeka unter Auflagen genehmigt. Edeka darf weitere 24 Standorte innerhalb der nächsten vier Jahre nicht übernehmen. Damit werden zwar einzelne Wettbewerbsprobleme begrenzt, der Machtzuwachs des Marktführers aber nicht verhindert. Die vier größten Lebensmittelhändler – Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe und Aldi – kontrollieren bereits mehr als 90 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels. Durch die Übernahme wird diese Marktkonzentration weiter verstärkt. Die Folgen treffen vor allem Verbraucher, Landwirte und kleinere Lebensmittelhersteller. Die großen Handelsketten verfügen über erhebliche Verhandlungsmacht gegenüber ihren Lieferanten, drücken deren Preise und geben Kostensenkungen nicht vollständig an die Verbraucher weiter. Das Bundeskartellamt erkennt zwar Risiken für den Wettbewerb, hält diese jedoch nicht für ausreichend, um die Übernahme zu untersagen. Die Auflagen betreffen vor allem regionale Märkte. Weitere Zusagen Edekas, etwa auf unzulässige Preisnachlässe von Lieferanten ohne angemessene Gegenleistung zu verzichten, gehen kaum über bestehende rechtliche Verpflichtungen hinaus. Das grundsätzliche Problem bleibt ungelöst: Die Fusionskontrolle betrachtet einzelne Märkte und konkrete Wettbewerbsprobleme, statt die zunehmende Marktmacht der großen Handelskonzerne insgesamt ausreichend zu berücksichtigen. Auch die geplante Übernahme von 40 Tegut-Märkten durch Rewe könnte die Marktkonzentration weiter verschärfen. Ohne strengere kartellrechtliche Regeln drohen eine weitere Schwächung des Wettbewerbs sowie wachsende Nachteile für Verbraucher, Landwirtschaft und kleinere Lebensmittelhersteller.

Quelle: rebalance now; Zusammenfassung Frank Herrmann

Dienstag, 13. Oktober 2026

Die Empco-Richtlinie: Auswirkungen auf den Fairen Handel

Seit dem 27. September 2026 ist die EmpCo-Richtlinie („Empowering Consumers for the Green Transition“) in Kraft. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen schützen. Allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ sowie Nachhaltigkeitssiegel müssen künftig klar belegbar sein und bestimmte Anforderungen erfüllen. Für Weltläden betrifft das insbesondere Produktverpackungen, Werbeaussagen und Siegel des Fairen Handels. Die WFTO hat deshalb ein neues, unabhängiges Zertifizierungssystem eingeführt. Nicht konforme Siegel müssen entfernt oder überklebt werden. Auch Lieferanten wie GEPA, El Puente und WeltPartner passen ihre Kennzeichnungen an. Bestimmte Aussagen, etwa „100 Prozent Fairer Handel“, sollten vermieden werden, wenn sie nicht eindeutig nachweisbar sind. Der Weltladen-Dachverband empfiehlt, eigene Webseiten und Werbematerialien zu überprüfen, bei Zweifeln Lieferanten anzusprechen und nicht konforme Kennzeichnungen auf Produkten zu entfernen oder zu überkleben. Eine allgemeine Abverkaufsfrist gibt es nicht. Viele Einzelfragen sind allerdings noch ungeklärt; die rechtliche Bewertung wird sich teilweise erst durch die künftige Rechtsprechung konkretisieren.

Quelle: Weltladen-Dachverband; Zusammenfassung Frank Herrmann

GENAUERES unter: https://service.weltladen.de/aktuelles/empco/

Dienstag, 6. Oktober 2026

Rohstoffverbrauch: Weniger ist mehr

Deutschland ist bei metallischen Primärrohstoffen nahezu vollständig auf Importe angewiesen. Gleichzeitig steigt weltweit die Nachfrage, während Abbau und Verarbeitung häufig mit erheblichen sozialen und ökologischen Folgen verbunden sind. Eine zukunftsfähige Rohstoffpolitik sollte deshalb nicht nur danach fragen, woher Rohstoffe kommen, sondern auch, wie viele wir tatsächlich benötigen und wofür sie eingesetzt werden. Besonders in den Bereichen Mobilität und Bauen bestehen große Einsparpotenziale. Kleinere und leichtere Fahrzeuge, ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr, längere Produktlebenszeiten sowie die bessere Nutzung und Umnutzung bestehender Gebäude können den Bedarf an Primärrohstoffen deutlich senken. Auch Recycling, Reparatur und Wiederverwendung sind zentrale Bausteine – reichen allein bei weiter wachsender Nachfrage jedoch nicht aus. Weniger Rohstoffverbrauch ist dabei kein Widerspruch zur sozial-ökologischen Transformation. Entscheidend ist vielmehr, Rohstoffe gezielt dort einzusetzen, wo sie für gesellschaftlich notwendige Veränderungen gebraucht werden, etwa für erneuerbare Energien, Stromnetze oder öffentliche Infrastruktur, und vermeidbare materialintensive Bedarfe zu reduzieren.
Eine solche Rohstoffwende kann zugleich globale Auswirkungen mindern und Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten verringern. Sie sollte deshalb verbindliche Reduktionsziele, langlebige und kreislauffähige Produkte, eine ressourcenleichte Mobilität sowie starke Rechte für vom Bergbau betroffene Gemeinschaften umfassen. Deutschlands Rohstoffpolitik muss Angebot und Nachfrage zusammendenken: Die neue PowerShift-Publikation „Rohstoffverbrauch senken: Warum weniger mehr ist“ zeigt, dass nicht nur die Herkunft der Rohstoffe  politisch gestaltbar ist, sondern auch ihr Verbrauch.

Quelle: Powershift; Zusammenfassung: Frank Herrmann