Donnerstag, 20. Februar 2014

Ausflaggen statt Recycling – die größten “toxic ship dumpers” 2013

Die NGO Shipbreaking Platform, die sich gegen schmutzige und gefährliche Praktiken der Schiffverschrottung richten, hat die vollständige Liste aller großen Handelsschiffe veröffentlicht, die im Jahr 2013 weltweit verschrottet worden sind. Von den insgesamt 1213 Schrottschiffen wurden 645 in Indien, Pakistan und Bangladesch gestrandet. Rund 40% dieser Schiffe gehörten europäischen Firmen. Griechische und deutsche Reeder haben dabei bis zu 80% ihrer alten Schiffe auf den Strand gesetzt, anstatt sie an moderne Schiffrecyclinganlage zu verkaufen. Eine  neue EU-Verordnung zum Schiffrecycling ist am 30. Dezember in Kraft getreten. Sollte die Europäische Union dem Gesetz kein wirtschaftliches Anreizsystem  beifügen, werden viele Reeder die Verordnung umschiffen, indem sie außereuropäische Billigflaggen nutzen.

Mehr Profit, mehr Schaden für Mensch und Umwelt

Die meisten dieser Schrottschiffe enthalten in ihrer Struktur giftige und gefährliche Materialien wie Asbest, Schwermetalle, PCBs und organische Abfälle. Südasien hat sich zum bevorzugten Schrottplatz entwickelt, da Umweltstandards, Arbeitsrecht und Sicherheitsmaßnahmen dort nur spärlich umgesetzt werden. Die Reeder können ihre Schiffe dadurch mit weitaus größerem Profit an die „beach breakers“ verkaufen, als  wenn sie sich für sicheres und sauberes Schiffrecycling entscheiden würden. “Während die Zahl der Schrottschiffe fast genauso hoch wie 2012 lag, ist Anzahl gestrandeter Schiffe von 850 auf 645 gesunken – das ist eine Minderung um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Mehr Reeder habe sich für sicheres und sauberes Recycling entscheiden. Das ist eine gute Nachricht für Mensch und Umwelt, sowie für Schiffrecycler weltweit, die in moderne Anlagen investiert haben,“ sagt Patrizia Heidegger, Geschäftsführerin der NGO Shipbreaking Platform. „Trotzdem hat die Mehrheit der Reeder ihre schmutzigen und gefährlichen Praktiken aufrechterhalten. Europäische Unternehmen zählen zu den schlimmsten weltweit“.

Europarecht wird durch Ausflaggen umgangen

Europäische Reeder haben insgesamt 372 große Handelsschiffe zur Verschrottung verkauft, wovon 238, fast zwei Drittel, auf einem Strand in Südasien gelandet sind. Griechenland gehört weiterhin zu den schlimmsten Dumpern, dicht gefolgt von Deutschland. Unter den deutschen Reedern, die Containerschiffe in Südasien stranden lassen, gehören bekannte Namen wie Conti, Anbieter von Schiffsfonds mit Sitz in München, sowie die Hamburger Unternehmen Hapag–Lloyd, Leonhardt & Blumberg, E.R. Schifffahrt sowie die Reederei Claus-Peter Offen. Die neue EU-Verordnung wird die Strandung von in Europa registrierten Schiffen untersagen und ein Recycling in Anlagen fordern, welche die Vorgaben des Gesetzes erfüllen. Jedoch läuft die Verordnung Gefahr ein zahnloser Tiger zu werden: mehr als zwei Drittel aller europäischen Schiffe die 2013 verschrottet worden sind, fuhren von Haus aus nicht unter einer europäischen Flagge. Solche Schiffe werden nicht von der neuen Verordnung betroffen sein. Abgesehen von Schiffen, welche schon während Betrieb unter Billigflaggen liefen, wurden weitere 55 Schiffe kurz vor der Verschrottung ausgeflaggt.
 
Wirtschaftliche Anreize für Recycling schaffen

Während manche deutsche Reeder erst gar keine ihrer Schiffe unter deutscher Flagge segeln lassen, haben beispielsweise Conti und Leonhardt & Blumberg, beziehungsweise die „Cash Buyer“, welche ihre Schrottschiffe für sie nach Südasien gebracht haben, diese in den Monaten vor der Verschrottung aus dem deutschen Schiffsregister ausgeflaggt. Billigflaggen die weltweit besonders gern für die Verschrottung von Schiffen hergenommen werden, sind die Komoren, Tuvalu, Saint Kitts Nevis, Togo und Sierra Leone. “Ausflaggen war schon immer eine bequeme Möglichkeit für Reeder um Regulierungen zu umgehen, die von den Flaggenstaaten umgesetzt werden. Die Plattform und ihrer Mitglieder haben deswegen schon seit Langem die EU dazu aufgerufen, einen wirtschaftlichen Anreiz für sicheres und sauberes Recycling zu schaffen. Eine Verordnung, welche auf der freiwilligen Registrierung eines Schiffs unter einer europäischen Flagge basiert, wird nicht die die gewünschte Wirkung erzielen wird“, sagt Patrizia Heidegger.

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