Donnerstag, 12. März 2015

Fairer Tourismus auf der ITB – Preisverleihung TO DO!-Wettbewerb



Dass Tourismus häufig keine Rücksicht auf die Einheimischen nimmt und ihnen sogar dauerhaft Nachteile bringt, ist Experten seit langem bekannt. Seit nunmehr 40 Jahren arbeitet der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung daran, negative Folgen von Tourismus zu vermeiden. Ziel ist es, den Tourismus gerade auch in ärmeren Ländern so zu gestalten, dass Impulse für eine sozialverträgliche Entwicklung entstehen. Seit 20 Jahren zeichnet der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung im Rahmen seines "TO DO!"-Wettbewerbes Projekte aus, die sich diesem Ziel verschrieben haben. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt diesen Preis, der alljährlich im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin verliehen wird.

Das sind die diesjährigen Preisträger:

Aus Costa Rica stammt ACTUAR, ein Vermarktungsnetzwerk für gemeindebasierten Tourismus. In Indien zeigt Reality Tours & Travel, dass auch unterprivilegierte Stadtteile touristisch attraktiv sein können. Und in Usbekistan wird der Reisende zum familiären Gast, wenn er mit Silk Road Destination abseits der touristischen Pfade wandelt.
Quelle: BMZ


Montag, 9. März 2015

Studie zu Frauenrechten: Die Grenzen des Fairen Handels


Am 8. März, dem Weltfrauentag, lenkte TransFair e.V. den Blick über den deutschen Tellerrand von Frauenquote und Lohngleichstellung in die Entwicklungsländer des Südens. Denn dort werden Frauenrechte oft mit Füßen getreten. Sie durchzusetzen scheitert an kulturellen, sozialen und legalen Barrieren. Fairtrade stärkt durch seine Standards die Rechte von Frauen - beispielsweise auf Rosenfarmen in Kenia. Hier profitieren besonders die Pflückerinnen von stabilen Arbeitsverträgen und Arbeitsschutz. Sie entscheiden außerdem selbständig über die Verwendung der Fairtrade-Prämie, die durch die Rosenverkäufe über den Fairen Handel an die Beschäftigten fließt.

Mehr Rechte für Frauen

Die Rose ist die mit Abstand beliebteste Schnittblume in Deutschland. Um die Nachfrage zu decken, wird ein Großteil der Rosen aus Ländern wie Kenia, Tansania oder Ecuador importiert. Seit 2005 gibt es das Fairtrade-Siegel für Rosen, um sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Blumenproduktion einzusetzen. „Fairtrade ermöglicht den überwiegend weiblichen Beschäftigten der Blumenfarmen ein menschenwürdiges Arbeitsumfeld“, sagte TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. Zu den Fairtrade-Regeln gehören feste Arbeitsverträge, soziale und gesundheitliche Absicherung, Mutterschutz und Versammlungsfreiheit; außerdem Umweltaspekte, wie eine Liste verbotener Pestizide. Auch das dient dem Schutz der Beschäftigten. Mit der Fairtrade-Prämie, die durch die Verkäufe über den Fairen Handel an die Beschäftigten fließt,  finanzieren sie Projekte wie Kinderkrippen, Computer­workshops oder Schulstipendien. Das Zertifizierungsunternehmen FLO-Cert kontrolliert regelmäßig, dass die Standards eingehalten werden.  

Ein weiter Weg zu Gleichberechtigung

Eine aktuelle Studie, beauftragt von der Fairtrade Foundation aus Großbritannien zeigt aber auch, dass der Faire Handel an Grenzen stößt, wenn es um das Ziel geht, Frauenrechte umzusetzen. Kulturelle, soziale und legale Barrieren stehen dem entgegen. So sind in Bauernkooperativen nur 22 Prozent der registrierten Mitglieder weiblich. Je nach Kulturkreis liegt ihr Anteil auch darunter, beispielsweise, weil Frauen Landbesitz verwehrt ist oder sie gewissen Arbeiten nicht nachgehen dürfen. Um mehr Gleichberechtigung zu erreichen, müssen Skepsis und Ressentiments bei Männern ab- und die Rollen der Frauen in den Organisationen weiter aufgebaut werden. Die langen Traditionen der Ungleichheit aufzubrechen ist ein weiter Weg, den der Faire Handel nur mit Unterstützung aus Politik Wirtschaft und Zivilgesellschaft gehen kann. Untersucht wurden sechs Bauernkooperativen in der Dominikanischen Republik, Kenia und Indien. 
Quelle: TransFair

Freitag, 6. März 2015

Oxfam-Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“


2015 ist ein Jahr der Entscheidungen: Was die Regierungen in den nächsten Monaten beschließen, wird die Zukunft von Milliarden Menschen beeinflussen. Denn es geht um globale Herausforderungen wie die Abschaffung extremer sozialer Ungleichheit, die Eindämmung des Klimawandels, die Überwindung von Hunger oder das Schaffen von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen überall auf der Welt. Es geht um Gerechtigkeit. Im Juni findet der G7-Gipfel in Deutschland statt. Von ihm muss ein starkes positives Signal für weitere wichtige politische Ereignisse in diesem Jahr ausgehen: für die Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im Juli in Addis Abeba, für den UN-Gipfel zu neuen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitszielen im September in New York und für die internationale Klimakonferenz im Dezember in Paris. Die Bundeskanzlerin muss diese Gelegenheit nutzen, um globale Gerechtigkeit durchzusetzen. Daher fordert die Hilfsorganisation Oxfam im Rahmen der Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Machen Sie 2015 zum Gerechtigkeitsjahr! 

Die Oxfam-Forderungen auf einen Blick:

  • Reduzierung der weltweiten sozialen Ungleichheit durch internationale Steuergerechtigkeit, Schritte zu menschenwürdiger Arbeit für alle und konkrete Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen.
  • Langfristiger Ausstieg aus den fossilen Energien, insbesondere aus der klimaschädlichen Kohle.
  • Unterstützung armer Länder im Kampf gegen den Klimawandel und die Armut.

Der Gipfel-Fahrplan 2015:

  • Juni: G7-Gipfel auf Schloss Elmau (Oberbayern)
  • Juli: Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Addis Abeba
  • September: UN-Gipfel zu neuen Entwicklungs- und Nachhaltigkeitszielen in New York
  • Dezember: Internationale Klimakonferenz in Paris

Dienstag, 3. März 2015

Schatten im Sonnenparadies: Tourismus beeinflusst Menschenrechte in Sri Lanka



In Sri Lanka kommt es aufgrund der touristischen Entwicklung des Landes zu systematischen Menschenrechtsverletzungen: Fischern wird der Zugang zum Meer versperrt, es kommt zu Landenteignungen und die lokale Bevölkerung wird - wenn überhaupt - nur ungenügend über die geplanten Tourismusprojekte informiert. Das zeigt der aktuelle Bericht "Schatten im Sonnenparadies – Tourismus und Menschenrechte in Sri Lanka", der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (GfbV). Von den negativen Auswirkungen sind in den untersuchten Regionen über 1'200 Familien direkt betroffen.

Militär verdient am Tourismus

Ein multiethnisches Team untersuchte im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker unter erheblichen Risiken in den drei neu erschlossenen Tourismusregionen Kuchchaveli, Passikudah und Kalpitiya, ob und inwieweit Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Tourismusprojekten vorkommen und in welchem Masse die lokale Bevölkerung tatsächlich vom Tourismusboom profitiert. Die Bilanz ist ernüchternd: In den untersuchten Regionen versperren Hotels und Resorts Fischern den Zugang zum Meer, was die wirtschaftliche Existenz ganzer Familien massiv gefährdet. Des Weiteren kommt es zu Landenteignungen, und nur ein kleiner Teil der lokalen Bevölkerung findet im Tourismus ein Auskommen. In nördlichen und östlichen Landesteilen, die mehrheitlich von Tamilen bewohnt sind, wird eine zunehmende "Singhalisierung" beobachtet. Übergriffe auf Hindus und Muslimen haben zugenommen. Folter und sexuelle Gewalt durch das Militär insbesondere gegen die tamilische Minderheit sind immer noch weit verbreitet und haben in der Regel keine rechtlichen Konsequenzen. Journalisten werden bedroht, getötet, entführt oder gezwungen, das Land zu verlassen. Das Militär hat eine starke Präsenz auch im Tourismus und gedenkt diese weiter auszuweiten: So erklärte der Lieutnant Commander der Ostprovinz, Hewawithanage Laal Perera, das Militär beabsichtige in den kommenden Jahren über 150 Hotels im ganzen Land zu führen.

Mehr Aktivität der Reiseveranstalter gefordert

Trotz der beunruhigenden Menschenrechtslage bieten rund 50 deutsche und mindestens 21 Schweizer Reiseveranstalter Ferien in Sri Lanka an. Die GfbV kritisiert, dass die freiwilligen Bemühungen einzelner Reiseanbieter nicht genügten, um fehlende Konsultationsverfahren, Landenteignungen, Umsiedelungen und Beschränkungen der Meereszugänge zu verhindern und fordert von den Reiseanbietern entschiedene Maßnahmen, um ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht in Sri Lanka wahrzunehmen.
Quelle: Akte/fair unterwegs

Samstag, 28. Februar 2015

Faire Mode: Tchibo und Inditex verzichten auf Angoraprodukte



Es ist ein großer Erfolg für den Tierschutz. Der spanische Textilriese Inditex hat verkündet, keine Angoraprodukte mehr zu verkaufen. Der Inditex-Konzern, zu dem Marken wie Zara, Bershka und Massimo Dutti gehören, reagiert damit auf skandalöse Praktiken auf sogenannten Angora-Farmen in China. Einen maßgeblichen Anteil an der Entscheidung dürfte die Tierschutzorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) haben. Im November 2013 hatte sie ein heimlich gefilmtes Video veröffentlicht, das zeigt, wie schreienden Angora-Kanichen das wertvolle Fell vom Körper gerupft wird. Die blutenden Tiere wurden nach der Tortur in enge Käfige gesperrt. Bis zu viermal jährlich müssen die Tiere die Qualen ertragen, die laut Peta Standard in China sind, woher über 90 Prozent der Angorawolle stamme. Nach der Peta-Recherche verbannten zahlreiche Unternehmen – einige sofort, andere erst nachdem die Konkurrenz den Schritt gemacht hatte – Angora aus ihrem Sortiment. Darunter sind laut Peta H&M, Esprit, C&A, Calvin Klein, Lacoste, Gerry Weber, Tom Tailor, Marc O´Polo, GAP und Tommy Hilfiger. Seit Februar 2015 hat nun auch der Einzelhändler Tchibo den Verkauf von Angoraprodukten eingestellt.

Online-Petition zeigt Wirkung

„Wir streben eine zu 100 Prozent nachhaltige Geschäftstätigkeit an“, zitiert Peta Stefan Dierks von Tchibo. „Dazu gehört für uns, soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen. Daher sind wir bei unserem Einkaufsstopp für Angoraprodukte geblieben und werden keine Angoraprodukte mehr anbieten.“ Nach einer Online-Petition mit über 300.000 Unterstützen hatte auch Inditex im Dezember 2013 angekündigt, seine Angora-Aufträge solange einzufrieren, bis sichergestellt sei, dass die Angoraproduktion nach den „Erfordernissen des Unternehmens“ ablaufe. Das berichtet der Guardian. Zu einem generellen Verkaufsende wollten sich die Spanier zunächst aber nicht durchringen. Jetzt ziehen auch Inditex und damit seine 6400 Modegeschäfte weltweit nach. Dem Guardian sagte eine Konzernsprecherin am Montag, dass es auch künftig auf den Verkauf von Angoraprodukten verzichten werde. Zwar habe man keine Beweise dafür gefunden, dass auf den Angorafarmen der Zulieferer grausame Praktiken durchgeführt würden. Doch nach Gesprächen mit Tierschutzorganisationen sei man der Meinung, dass ein Angoraverbot die richtige Entscheidung sei.

Angorakleidung für Syrien-Flüchtlinge

Angorakleidung, die bereits produziert wurde, soll Menschen in Not helfen. Der Konzern will 20.000 Kleidungsstücke mit einem Einzelhandelswert von rund 878.000 Dollar an syrische Flüchtlinge im Libanon spenden. „Einzig Menschen, denen es an lebensnotwendigen Gütern fehlt, haben eine Entschuldigung dafür, ein Fell zu tragen, das einem lebenden Tier aus dem Körper gerissen wurde“, sagt die PETA-Vorsitzende Ingrid E. Newkirk. „Wir appellieren an alle anderen Einzelhändler, die diese Kaninchenqual-Produkte noch immer vermarkten, dem Beispiel von Inditex und anderen schnellstmöglich zu folgen – sonst werden ihnen die Kunden mit dem Geldbeutel in der Hand weglaufen.“
Quelle: Wiwo Green, Foto: PETA Asia-Pacific