Samstag, 25. April 2015

Faire Mode: Was tut sich im Textilsektor zwei Jahre nach Rana Plaza?



Die Katastrophe jährt sich. Vor zwei Jahren stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesh ein. Über 1.100 Menschen starben. Große Veränderungen in der Textilbranche sind jedoch bislang ausgeblieben. Zum Fashion Revolution Day am 24. April riefen Verbraucherinnen und Verbraucher die Textilhersteller auf, für Transparenz entlang der Lieferkette zu sorgen. Per „Selfie“ und dem Hashtag #Whomademyclothes verbündeten sich Menschen aus 66 Ländern für eine fairere Textillieferkette. „Die Probleme in der Lieferkette beginnen bereits im Baumwollfeld“, so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. „Millionen Kleinbauern können kaum vom Anbau leben. Wir Verbraucher können Veränderungen anstoßen: Durch unser Konsumverhalten und durch kritisches Nachfragen.“ Bereits seit 2005 sind Textilien aus Fairtrade-Baumwolle erhältlich. Derzeit entwickelt Fairtrade International außerdem einen Textilstandard, der die gesamte Lieferkette abdeckt.  Zudem ruft Fairtrade Unternehmen der Textilbranche dazu auf, dem Textilbündnis unter Federführung von Entwicklungsminister Gerd Müller beizutreten und gemeinsam Wege für eine transparente und öko-sozial nachhaltige Lieferkette zu finden.

Der Stoff, aus dem die Kleider sind: Baumwolle

Obwohl ein Großteil der Bekleidungsindustrie vom Baumwollanbau abhängt, ist die Lebenssituation für Baumwollbauern in Entwicklungsländern extrem schwierig. Die inflationsbereinigten Preise für Baumwolle sind in den letzten Jahrzehnten um insgesamt 45 Prozent gefallen.  Kleinbauern in Entwicklungsländern müssen mit hochsubventionierten Großfarmen in den USA konkurrieren, gentechnisch verändertes Hybridsaatgut führt zu Abhängigkeiten und oft in die Armutsfalle. Der Klimawandel trägt zusätzliches Gefahrenpotenzial. Berechnungen der Fairtrade Foundation aus Großbritannien zeigen, dass  die Kosten der Rohbaumwolle nur bis zu zehn Prozent des Verkaufspreises eines Textilprodukts ausmachen. Schon leicht höhere Preise für die Baumwolle können die Lebensbedingungen der Kleinbauern in Entwicklungsländern deutlich verbessern. Fairtrade arbeitet im Baumwollbereich ausschließlich mit Kleinbauern zusammen. Durch den Verkauf über den Fairen Handel erhalten sie stabile Mindestpreise und eine zusätzliche Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Derzeit gibt es 26 zertifizierte Baumwollorganisationen in neun Ländern, siehe www.fairtrade-deutschland.de/produzenten/baumwolle

Fairtrade entwickelt Textilstandard

Zusätzlich zur Zertifizierung von Baumwolle, hat sich Fairtrade auf den Weg gemacht, einen Standard für die komplexe Textilkette zu entwickeln. Eine große Herausforderung, denn ein fertiges Kleidungsstück ist die Summe vieler einzelner Schritte, wie Spinnen, Weben oder Stricken, Färben und Konfektionieren. Ziel des Standards ist es, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten entlang der textilen Lieferkette zu verbessern. Zu den Inhalten gehören beispielsweise Gewerkschafts- und Versammlungsfreiheit, Kriterien zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit und Umweltrichtlinien. Die Entwicklung des Textilstandards wird unterstützt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Bis zum 9. Mai steht die aktuelle Version des Textilstandards öffentlich zur Konsultation zur Verfügung.  Experten, Hersteller, Händler und Zivilgesellschaft aufgerufen, sich aktiv an der Entwicklung zu beteiligen.
Quelle: Fairtrade Deutschland

Weitere Informationen zum Textilstandard sowie weitere Standards in Bearbeitung:  www.fairtrade.net/standards-work-in-progress.html

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