Donnerstag, 16. April 2015

Mode: Das müsste eigentlich auf dem Etikett stehen



Made in Bangladesh“ ist oft das Einzige, was auf dem Produktionslabel eines Kleidungsstücks zu lesen ist. Welche Informationen dort eigentlich stehen sollten, zeigt nun eine kanadische Organisation mit einer Kampagne.

Wer bewusst einkaufen will, braucht Informationen. Denn nur wenn die Kunden möglichst viel über das Produkt, seinen Inhalt und die Herstellungsbedingungen wissen, können sie mündige Entscheidungen treffen. Daran mangelt es nicht nur bei der Nährwertkennzeichnung so mancher Lebensmittel, sondern auch in der Textilwirtschaft. „Made in Bangladesh“ ist oft das Einzige, was auf den Produktionslabeln großer Modeketten steht – garniert mit Informationen zum Stoff und einer Waschanleitung. Doch unter welchen Zuständen die Kleidungsstücke produziert wurden, erfährt der Kunde dort nicht. Wohl aus gutem Grund, könnte man vermuten, denn die Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie sind oft schlecht: Die Näherinnen erhalten Niedrigstlöhne, hantieren mit giftigen Materialien und der Arbeitsschutz ist mangelhaft. Der Einsturz einer Fabrik in Bangladesch vor zwei Jahren hat das auf schockierende Weise deutlich gemacht.

Das etwas andere Etikett

Die Organisation „The Canadian Fair Trade Network“ zeigt daher nun in einer Kampagne, was wirklich auf den Produktionslabeln von T-Shirts, Pullovern und Jackets stehen müsste. Die Aktivsten haben alternative Nackeneinnäher für Kleidungsstücke entworfen, auf denen in fiktiven Porträts drei typische Schicksale von Textilarbeiterinnen und -arbeitern eingestickt sind. Da wäre beispielsweise die Geschichte auf dem Etikett eines Jackets, die von Joya aus Bangladesch erzählt: „Mit elf Jahren verließ sie die Schule um ihre beiden Brüder und ihre frisch verwitwete Mutter zu unterstützen. Ihr Vater war bei einem Feuer in der Baumwollfabrik gestorben, in der er arbeitete. In dem Gebäude gegnüber der abgebrannten Fabrik arbeitet nun Joya und wird so permanent an das Risiko erinnert, dem sie tagtäglich ausgesetzt ist." Die Organisation hinter der Kampagne, will mit den Motiven zum Kauf von mehr Fair-Trade-Kleidung aufrufen. Anlässlich des „Fashion Revolution Day“ am 24. April, sollen Konsumenten die großen Modehersteller zudem mit Fragen löchern: Unter #whomademyclothes sollen Selfies mit Produktionslabeln der eigenen Textilien auf Twitter gepostet werden, um die Produzenten zu mehr Transparenz und besseren Arbeitsbedingungen aufzufordern.
Quelle: Greenpeace Magazin; Foto: The Canadian Fair Trade Network

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen