Samstag, 6. September 2014

Tag des Kaffees 2014 – seichter Aktionstag ohne Blick hinter die Kulissen



Heute findet, wie an jedem ersten Samstag im September seit 2006, der „Tag des Kaffees“ statt – initiiert und organisiert vom Deutschen Kaffeeverband. Laut der offiziellen Homepage sollen an diesem Tag durch Veranstaltungen und  Events, die Faszination für Kaffee geweckt werden und unterhaltsame und wissenschaftliche Informationen vermittelt werden. Der Kaffee wird als als Lifestyle-Produkt gefeiert. Was sich hinter den Kulissen der Kaffeebranche abspielt, wird komplett ausgeblendet.

Bloß die Konsumlaune nicht verderben

Ausgeblendet werden Realitäten wie etwa die Abhängigkeit von Millionen von Menschen aus Lateinamerika, Afrika, und Asien von den schwankenden Kaffeepreisen, die sich an den Börsen bilden, während die Industrienationen große Gewinne mit Kaffee einfahren. Es ist kläglich, dass beim Tag des Kaffees nach wie vor die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kaffeebäuerinnen und –bauern vollständig ignoriert werden. Auf der Webseite ist noch nicht mal das Thema Fairer Handel erwähnt, mit dem sonst doch so gerne Marketing betrieben wird. Gleiches gilt bspw. auch für die Bewerbung des Aktionstages durch Edeka und Tchibo. Der Tag des Kaffees ist und bleibt eine reine Werbeveranstaltung, bei der die Konsumlaune der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht beeinträchtigt werden darf. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass eine kritische Berichterstattung ausbleibt.

Pilotprojekt zur Wasseraufbereitung

Ein kleiner Lichtblick am heutigen Tag des Kaffees sind die Ergebnisse eines Pilot-Projektes in Lateinamerika, die das Nachhaltigkeitssiegel UTZ Certified nach vier Jahren Laufzeit vorstellt. Grund für die Untersuchung: Durch den Einsatz von Nassschrotmühlen, in denen die Kaffeebohnen vor dem Verkauf gewaschen werden, fallen große Mengen Abwasser an. Dieses Abwasser wird oftmals ungefiltert in Flüsse und Seen abgeleitet – in Lateinamerika liegt der Anteil bei 70 Prozent. Es beinhaltet organische Abfälle und Gifte, die zu gesundheitlichen Risiken und Umweltschäden führen. Von den Auswirkungen sind neben dem Menschen auch die Pflanzenwelt, die Böden sowie die unter Wasser lebenden Artengemeinschaften betroffen. Außerdem setzt das Kaffee-Abwasser Methan frei. Das Ergebnis des Pilotprojekts: Die Aufbereitung von Abwasser aus Kaffeemühlen hilft mit, die natürlichen Wasserreserven zu schonen und das Abwasser eignet sich darüber hinaus zur Energiegewinnung. 

Sauberes Wasser auf Kaffeefarmen ist globales Thema

Was wurde getan: Die 19 teilnehmenden Kaffeefarmen aus Nicaragua, Honduras und Guatemala installierten mit Unterstützung von UTZ eine Wasser-Aufbereitungsanlage, die den Wasserverbrauch um die Hälfte senkte. Das System beinhaltet außerdem einen Bio-Reaktor, mit dessen Hilfe Methan in Biogas umgewandelt wird und so für den Betrieb der Nassschrotmühlen oder Haushaltsgeräten wiederverwendet werden kann. Die Drosslung der Wassermenge sowie die Reinigung und Umwandlung des Abwassers in nützliche Energie führen außerdem zur Reduzierung des umweltschädlichen Methans und sind damit ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des Klimawandels.  Doch auf lange Sicht wird das Problem der Abwasser-Aufbereitung nicht lokal begrenzt bleiben. Die steigende Nachfrage nach Kaffee zieht eine immer größere Menge an unbehandeltem Kaffee-Abwasser nach sich. Gleichzeitig steigt durch die wachsende Weltbevölkerung der Bedarf an sauberem Wasser. UTZ Certified tritt darum dafür ein, dass der Schutz der natürlichen Wasserreserven zwingend Bestandteil des nachhaltigen Kaffeeanbaus ist.
Quelle Liberación e. V. und Utz Certified

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