Donnerstag, 18. April 2013

Fairtrade Deutschland – aktuelle Zahlen


Der Verkauf von Waren mit dem Fairtrade-Siegel wird immer beliebter. 2012 wurden 533 Millionen Euro umgesetzt, rund 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Die wichtigsten Fairtrade-Produkte sind Kaffee, Blumen und Bananen, die alle im Vergleich zum Vorjahr bezüglich Menge und Umsatz zulegen konnten. Bei Schokolade, dem viertwichtigsten Fairtrade-Produkt, mussten allerdings Umsatzeinbußen von 38 Prozent hingenommen werden. „Uns fehlt nach wie vor das Engagement der großen Schokoladenhersteller. Kakaobauern können ihre Ernte oft nur zu einem kleinen Teil unter Fairtrade-Bedingungen absetzen“, sagte TransFair-Geschäftsführer Overath, „wir arbeiten international daher an neuen zusätzlichen Modellen zur Rohstoff-Zertifizierung, um Fairtrade-Kakao-Verkäufe zu steigern".

Bescheidener Bioanteil


Andere Produkte konnten hingegen mit großen Zuwachsraten glänzen, beispielsweise Eiscreme, die ein Wachstumsplus von 214 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen konnte. Wermutstropfen: Der Bioanteil beträgt null Prozent. Dieses Manko haben auch die Blumen, die um 173 Prozent zulegen konnten. Insgesamt wurden 2012 in Deutschland mehr als 257 Millionen faire Stiele, überwiegend Rosen, verkauft (s. auch Blogbeitrag Fairtrade Rosen in der Kritik). Ein beachtliches Wachstumsplus konnten auch Fairtrade-zertifizierte Textilien mit 157 Prozent verzeichnen. Die verkaufte Stückzahl erhöhte sich allerdings nur um zehn Prozent.

Wachstum auf niedrigem Niveau


Trotz aller Zuwächse entwickelt sich der Faire Handel in Deutschland nur mäßig. Gerade einmal sechs Euro waren jedem Bundesbürger im vergangenen Jahr Produkte aus Fairem Handel wert. Damit liegt Deutschland weit abgeschlagen hinter "Fairtrade-Weltmeister" Schweiz, wo 2012 rund 41 Euro für Fairtrade-Produkte ausgegeben werden. Auch Großbritannien, Österreich, oder Frankreich liegen, was den Pro-Kopf-Verbrauch angeht, vor Deutschland. 

Neues in 2013


Anfang 2013 akzeptierte TransFair die internationalen Richtlinien für Kosmetik mit Fairtrade-Zutaten, so dass demnächst Fairtrade-Kosmetikartikel auch in Deutschland eingeführt werden können. Im Plantagenstandard werden die Rechte der Beschäftigten gestärkt. Ganz neu wird ein Klimastandard entwickelt,  um nachhaltigen Anbau zu fördern und neue Einkommensmöglichkeiten für die Produzenten zu öffnen.

Mehr Zahlen und Infos unter:

Dienstag, 16. April 2013

Zurück nach Deutschland



Ob Tourismus in Honduras oder auf Kuba, Ananasplantagen in Costa Rica oder Kakaoanbau in Nicaragua: Ereignisreiche Monate in Lateinamerika gehen dieser Tage zu Ende. Schon bald steht die Rückreise nach Deutschland an (mit Boot und Bett, s. Foto, würde ich wohl nicht sehr weit kommen). Schön zu hören, dass der Winter sich in Europa (hoffentlich) endgültig verabschiedet hat und wärmeren Luftmassen Platz macht. Aber nach der Hitze der vergangenen Monate in Mittelamerika, schadet mir ein wenig Abkühlung nicht.

Business as usual


Abschied nehmen heißt es dann zunächst auch von meinen Reiseberichten aus Mittelamerika und der Karibik auf diesem Blog. Ich hoffe Sie haben Euch gefallen. Zurück in Deutschland findet dann die gewohnte Berichterstattung zu fairen und nachhaltigen Themen statt. Ich würde mich freuen, wenn Ihr gelegentlich reinschauen würdet. Wenn Euch der Blog gefällt, schickt doch die Blogadresse bitte auch an Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Verwandte weiter.  

Samstag, 13. April 2013

Ferntourismus – mehr Verantwortung erforderlich



Wenn wir in ferne Länder reisen, bleibt das für die Umwelt und die Menschen vor Ort nicht folgenlos. Doch haben wir ein Recht darauf, wichtige Ressourcen in ärmeren Ländern zu verbrauchen, nur weil wir es uns eben leisten können und weil die besuchten Menschen oftmals auf unser Geld angewiesen sind?

Alle tragen Verantwortung


Nach dem Besuch zahlreicher touristischer Regionen in den vergangenen Monaten, darunter Honduras, Costa Rica und Kuba, ist mir klarer denn je geworden, dass mit dem Besuch dieser (und natürlich auch anderer) Länder eine Verantwortung einhergeht. Sie betrifft nicht nur den Individualtouristen sondern auch die Reiseveranstalter, die Reisen in solche Länder anbieten. Die Tatsache, dass es sich bei den Besuchen um unseren Urlaub handelt, in dem wir uns mal eben nicht einschränken wollen, entbindet uns nicht von der Pflicht, diese Länder so weit wie möglich so zu verlassen, wie wir sie vorgefunden haben.

Problemzone Fliegen


Schon die Anreise per Flugzeug hat Auswirkungen auf die Urlaubsziele. Wenn wir auf die Seychellen oder die Malediven fliegen, tragen wir mit unserem Flug sprichwörtlich zu deren Untergang bei. Denn die durch den Flugverkehr verursachten Klimagase führen zu Erderwärmung und dadurch zum Ansteigen der Meeresspiegel bei. Für Kuba bedeutet die zunehmende Erderwärmung außerdem eine Zunahme an gefährlichen Wirbelstürmen. Dies betrifft sowohl Anzahl als auch Intensität der Hurrikans. Fegt aber ein Wirbelsturm über die Insel und richtet großen Schaden an, sind es zuallererst die Touristen, die dann fernbleiben.

Klimagase kompensieren


Das Mindeste was hier tun können, ist unseren Flug zu kompensieren, d.h. für die von unserem Flug erzeugten Klimagase einen Beitrag an eine Klima-Agentur zu zahlen. Das ist zwar nur die zweitbeste Lösung nach gar nicht fliegen, hat aber zwei positive Effekte. Zum einen werden erzeugten Klimagase an anderer Stelle eingespart, zum anderen müssen wir aktiv über unser Flugverhalten nachdenken. Auch Reiseveranstalter sind hier gefordert, vor allem diejenigen, die sich Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Sie sollten die Flüge ihrer Kunden verbindlich kompensieren und dies nicht nur als freiwillige Möglichkeit anbieten.

Jeder kann etwas tun


Vor Ort können Touristen eine Menge tun, um die Auswirkungen ihrer Reise zu minimieren. Das reicht vom Wassersparen oder der Müllreduzierung und dem Mitbringen von Ökoseifen und/oder Ökoshampoos bis hin zur Rücknahme von Sondermüll (Batterien, etc.) ins Heimatland. Auch das Betteln, das Touristen oft ungewollt fördern, kann stark reduziert werden. Wer Kindern Süßigkeiten, Seifen oder Stifte schenkt, tut diesen keinen Gefallen, sondern hält sie davon ab, eine Schule zu besuchen. Eine Ausnahme beim Betteln sind sicher Alte oder Behinderte, die in vielen armen Ländern nur wenig bis keine staatliche Unterstützung erfahren.

Mehr aktives Verständnis gefordert


All diese Maßnahmen, die hier beispielhaft aufgeführt sind, verlangen keine großen Anstrengungen seitens der Touristen oder der Reiseveranstalter. Es bedarf aber eines entsprechenden Bewusstseins, gepaart mit Respekt und Verständnis gegenüber dem Gastland. Niemand von uns würde in Jubelstürme ausbrechen, wenn eine Schar Fremder in seinem Garten auftauchen und diesen müllübersät zurücklassen würde, selbst wenn diese Menschen viel Geld für den Besuch unseres Gartens gezahlt hätten. Mit ein wenig mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit auf unseren Reisen können wir dazu beitragen, dass wir Länder so verlassen, wie wir sie vorgefunden haben. Zu etwas anderem haben wir kein Recht.

Donnerstag, 11. April 2013

Havannas Hausstrände - Meer, Sonne, Sand, ... aber auch Prostitution und Müll

An den Wochenenden fahren viele Bewohner Havannas an die Strände im Osten, um den Abgasen und der Hitze der kubanischen Hauptstadt zu entfliehen. Und wer es sich leisten kann, übernachtet hier auch. Besonders in den Ferienmonaten Juli und August ist an Havannas Hausstränden die Hölle los.

Für jeden Geschmack ein Strand



Die Playas del Este erstrecken sich nur 17 Kilometer von Havanna entfernt über eine Distanz von rund 14 Kilometern entlang der Nordküste Kubas. Während sich an den Stränden von Santa María del Mar mit ihren Alles-inklusive-Hotels überwiegend ausländische Touristen vergnügen, befinden sich die Orte Boca Ciega und Guanabo fest in einheimischer Hand. Ich entschied mich bei meinem Ausflug für einen Besuch von Guanabo, das über eine gute Infrastruktur mit Hotels, Privatunterkünften, Restaurants  und Bars verfügt.

Alte Männer, junge Frauen


Da die Strände im Zentrum Guanabos recht voll waren, suchte ich mir ein ruhigeres Plätzchen weiter östlich. Nach kurzer Zeit fiel mir dort die Ansammlung älterer, italienischer Männer auf (ca. 65-70 Jahre), die nicht gerade den Eindruck von Tagesgästen machten. Prompt kam auch einer von Ihnen mit einer ca. 50 Jahre jüngeren schwarzen Schönheit um die Ecke gebogen. Wenn man mit wachen Augen durch den Ort geht, sieht man laufend Beispiele für diese Art von Zweckbekanntschaften. Sehr viele junge Kubanerinnen, auch viele alleinstehende Mütter, bessern so ihren Lebensunterhalt auf oder suchen sich einen Ausländer, um Kuba verlassen zu können.

Die Fiesta ist zu Ende, der Müll bleibt


Während sich kubanische Männer am Strand mit Fußball und Baden die Zeit vertreiben, sitzen ihre Frauen meist nur rum, unterhalten und sonnen sich. Trinken tun allerdings beide Geschlechter fleißig und auch laute Regaetton-Musik, ein elektronischer Mischmasch aus Hip-Hop und Reggae, darf nicht fehlen. Am späten Nachmittag torkelt dann der eine oder andere Strandbesucher angeheitert mit einer Rumflasche oder einer Bierdose in der Hand über den Strand. Der Abfall wird dann gleich vor Ort entsorgt. Entsprechend viel Müll sammelt sich so an einem Wochenende am Strand an. Doch im eigenen Müll zu sitzen scheint niemanden wirklich weiter zu stören.

Anstrengende Rückfahrt 


Zum Sonnenuntergang zeigen sich dann bei entsprechendem Wind die Kitesurfer auf dem Wasser. Die letzten Strandbesucher gehen zurück zu ihren Autos oder machen sich auf zur Bushaltestelle, um sich in die völlig überfüllten Busse Richtung Havanna zu quetschen. Zuvor ist man noch ein Eis, ein Stück Pizza oder trinkt noch schnell ein Bier. So schnell wie der Spuk am späten Vormittag begonnen hat, so bald ist er auch am frühen Sonntag Abend wieder vorbei, denn montags wird wieder gearbeitet. 

Montag, 8. April 2013

Von Bayamo bis Viñales

Im weiteren Verlauf der Reise fuhren wir von Bayamo in die Sierra Maestra, das hoechste Gebirge Kubas. Leider streiften wir nur die Auslaeufer, in denen nur wenig Wald uebrig geblieben war. Auch der Wasserfall in unserem Hotel El Salton machte seinem Namen wenig Ehre. Zu sehen war nur ein mickriges Rinnsal, aber in den Naturpools liess es sich bestens baden.

Kubas zweitgroesste Stadt


Am Ostersonntag besuchten wir auf dem Weg nach Santiago de Cuba die "Kupferkirche", einem beliebten Wallfahrtsort, der entsprechend voll war. Die angesagte Farbe der Kleidung ist hier gelb und zum guten Ton gehoert der Kauf eines Blumenstrausses, der fuer die Jungfrau bestimmt ist. Kurz darauf erreichten wir Santiago de Cuba, die zweitgroesste Stadt der Insel. Hier ist das Zentrum der afrokubanischen Kultur. Neben einem Rundgang durch die Stadt unternahmen wir einen Ausflug zum etwas ausserhalb gelegenen Fort El Morro mit tollem Blick aufs Meer.

Vorbei an Guantanamo


Die Strecke von Santiago de Cuba nach Baracoa fuehrt zunaechst ueber Guantanamo, einem Ort ganz in der Naehe des beruechtigten Straflagers der US-Amerikaner. Sogar die Zufahrtstrasse dorthin ist gesperrt. Die Strasse folgt eine Weile dem Meer, bevor sie sich ueber einen spektakulaeren Pass in das Karibikstaedtchen Baracoa windet. Dort ist nicht allzu viel los und einen freien Vormittag verbrachten die meisten von uns am schoenen Hotelpool.

In den Westen Kubas


Ein zweistuendiger Flug brachte uns am Nachmittag von Baracoa zurueck nach Havanna. Von dort ging es in in das nur rund eine Autostunde entfernte Las Terrazas, einem grossen Aufforstungs- und Tourismusprojekt, das trotz schooner Nature in wenig steril wirkte. Ein landschaftliches Highlight war hingegen das Viniales-Tal, ein grosses Tabak-Anbaugebiet im Westen Kubas. Nach einem gemeinsamen Besuchstag trennte sich hier die Gruppe. Waehrend ein Teil der Teilnehmer den Rueckflug antrat, machten sich andere zu einem Verlaengerungsprogramm am Strand auf. Ich habe noch drei Naechte in Havanna vor mir, bevor es zurueck nach Guatemala geht.

PS: Das Ladekabel meines Laptops ist irreparabel kaputt und ich habe keine Batterie mehr. Daher musste ich diesen Blogbeitrag auf einer spanischen Tastatur ohne Umlaute schreiben. Ich hoffe er ist einigermassen leserlich.

Samstag, 6. April 2013

Kuba – was bringt der Tourismus außer Devisen?


Nach einer langen Durststrecke ohne Internet nun endlich wieder ein neuer Post. Viel Spass damit. 
Seit den ersten touristischen Gehversuchen der neunziger Jahre hat sich auf Kuba einiges getan. Der Touristenstrom ist stark angeschwollen und geht inzwischen weit über Alles-inklusive-Angebote auf der Halbinsel Varadero hinaus. Immer mehr Touristen lernen auch das Landesinnere auf einer Reise kennen. Doch viele Touristen bedeuten auch viele Probleme. Und obwohl der kubanische Staat immer noch sehr viel Einfluss auf den Tourismus nimmt, kann er Auswüchse nicht verhindern.

Betteln – ein neues Phänomen auf Kuba


Spricht man mit Einheimischen oder mit Touristen, die Kuba von einer früheren Reise kennen, hört man die einhellige Meinung, dass früher auf Kuba nicht gebettelt wurde. Das hat sich gründlich geändert. Vor allem Gruppenreisende werden an so gut wie allen touristischen Zielen umgarnt, wenn sie aus dem Bus steigen. Gefragt wird nach Seife, Kugelschreibern oder auch direkt nach Geld. Doch gibt es in Kuba einen Seifennotstand oder eine Kugelschreiberkrise? Nein. Kubaner haben genug Seife und auch die Möglichkeit an Schreibgeräte zu kommen.

Henne oder Ei?


Was kam also zuerst: der bettelnde Einheimische oder der spendenwillige Reisende? Einhellige Antwort: Es waren Touristen, die – durchaus gutgemeint – den Kubanern eine kleine Freude in Form von Süßigkeiten oder eben den erwähnten Seifen, Shampoos oder Kugelschreibern machen wollten. Viele der Ausländer verschenkten dabei einfach die Reinigungsmittel, die sie in ihren Hotelzimmern kostenlos vorfanden. Auch diie Reiseveranstalter tragen zum Trend bei: Einige von ihnen empfehlen ihren Kunden Mitbringsel mitzunehmen, über die sich die Kubaner angeblich so freuen. Doch die kleinen Geschenke werden von den Bettlern einfach weiter verkauft. Das Geschäft boomt.

Kunststoff erobert die Tropeninsel


Eine weitere, wenig erfreuliche Begleiterscheinung des Massentourismus ist der Müll, den die Devisenbringer aus den Ausland hinterlassen. Daran sind sowohl die Touristen als auch die Kubaner beteiligt. Begrüßungscocktails in Hotels werden oftmals in Plastikbechern mit Plastikstrohhalm serviert. Trinkwasser kann man nicht aus der Leitung trinken. Um seinen Durst zu stillen, kommt man um den Verkauf von Plastikflaschen nicht herum. Während einer 14-tägigen Reise verbraucht ein Tourist schnell 10 oder mehr dieser Flaschen. Rechnet man die Menge auf die zwei Millionen Touristen hoch, die Kuba jährlich bereisen, kommen gewaltige Müllberge zusammen. 

Entsorgungsprobleme

 
Doch nur ein geringer Teil der Plastikflaschen wird recycelt. Der überwiegende Teil landet entweder auf einer Müllkippe oder im Meer. Bier wird überwiegend in Dosen getrunken, obwohl es die gleichen Biermarken in Flaschen gibt, die aber seltener erhältlich sind, da sie teurer sind. In Naturschutzgebieten sind überall originelle Bio-Müllbehälter aus Palmblättern aufgestellt. Das ist eine löbliche Absicht. Schaut man in diese Behälter hinein, findet sich dort meist Plastikmüll, der aufwendig und wenig umweltfreundlich entsorgt werden muss. Hinweise, wie Touristen mit dem Plastikmüll umgehen sollen, ihn möglicherweise verhindern oder minimieren könnten, gibt es weder von staatlicher Seite, den Reiseleitern vor Ort oder den ausländischen Reiseveranstaltern. Boomt Kuba weiter, verschärft sich das Müllproblem gewaltig.

Sonntag, 31. März 2013

Von Havanna nach Bayaco

Inzwischen bin ich mit einer deutschen Reisegruppe unterwegs, um sehen, ob und wie der Veranstalter Nachhaltigkeit während der Reise umsetzt (dazu mehr in einem zukünftigen Blog). Das ist in Kuba sicher nicht immer ganz einfach, da Fahrer und Reiseleiterin staatliche Angestellte sind und auch die meisten Hotels sich in der Hand der Regierung befinden.

Abschied von Havanna


Nach zwei interessanten Beschtigungstagen in Havanna, während derer wir neben der faszinierenden Altstadt und dem großen Kolumbus-Friedhof zwei soziale Projekte besuchen konnten (ein Friseur, der einen Teil seiner Einnahmen in soziale Projekte für Jugendliche steckt, und ein Stadtviertel, das seinen Jugendlichen mit Kunstprojekten eine Perspektive bietet), fuhren wir Richtung Osten bis Santa Clara.

Hier geht es nur um „ihn“


In der 210.000-Einwohner-Stadt befindet sich das Che-Guevara-Mausoleum und hier erreicht die Che-Verehrung wohl ihre maximale Strahlkraft. In Santa Clara gelang es dem Guerillero in einer tollkühnen Aktion einen Zug voller Soldaten und Waffen des Batista-Regimes zum Entgleisen zu bringen. Der Sieg markierte den Wendepunkt im Kampf gegen den ungeliebten Diktator. Dadurch hat sich Santa Clara einen Ruf als „Kultstätte des Revolutionärs“ erworben. Nach dem Besuch ging es weiter bis zum Übernachtungsort Trinidad, wo wir in einem wenig persönlichen Hotel übernachteten, das gerammelt voll war mit Touristen.

Baden, Kultur und Salsa


Am nächsten Vormittag stand eine kleine Wanderung in einem nahegelegenen Naturschutzgebiet auf dem Programm. Das Ziel war ein etwas mickriger Wasserfall, an dessen Fuß man aber in einem natürlichen und bis zu neun Meter tiefen Naturbecken herrlich schwimmen konnte. Nachmittags stand eine Besichtigung der megatouristischen Altstadt von Trinidad an. Nach dem chaotischen Buffet im Hotel ging die Gruppe noch in ein Open-Air-Musiklokal. Da spielte eine Liveband zwar  guten Salsa, aber der heftige und etwas kühle Wind ließ keine rechte Stimmung aufkommen.

Wir sind nicht alleine unterwegs


Einen erneuten Touristenauflauf gab es folgenden Tag im Tal der Zuckerrohrmühlen an einem Turm, den ein Zuckerbaron errichten ließ. Da musste man aufpassen, dass man nicht von der Menge niedergetrampelt wurde (ich übetreibe eine wenig). Wesentlich angenehmer ging es wenig später in der sympathischen Stadt Spiritus Sánctis zu. Nach einem Bummel durch die Straßen und über den Markt folgte eine längere Fahrtstrecke bis zum Tagesziel Camagüey.

Tolle Tanzeinlage


Im netten Kolonialort besuchten wir das Hilfsprojekt eines dort lebenden Schweizers, der mit Spendengeldern marode Krankenhäuser oder Behindertenheime saniert. In einem Kulturzentrum werden Jugendlichen Freizeitmöglichkeiten geboten. Nach einer tollen Tanzpräsentation ging dieser lange Tag zu Ende. Am nächsten Tag stand eine Stadtführung durch den asymetrisch angelegten Ort an, der unter anderem den Besuch einer sehenswerten Kunstgalerie mit einschloss. Am späten Nachmittag erreichten wir  das Etappenziel Bayamo im Südosten Kubas gelegen. Der Ort macht einen wohlhabenden und sehr gepflegten Eindruck.

... sag mir cuando, sag mir wann ...


Wie immer bleibt es offen, wann ich den nächsten Blog posten kann. Neben der schwierigen Lage beim Internet habe ich mit der Tatsache zu kämpfen, dass mein Ladegerät bei einem Sturz auf den Boden seinen Geist aufgegeben hat. Reparieren über die Ostertage so gut wie möglich, Meine Batterie neigt sich dem Ende ,,, ich hoffe es findet sich eine Lösung. In diesem Sinn: Einen schönen Ostermontag und schaut ab und zu mal rein.

Donnerstag, 28. März 2013

Tourismus auf Kuba – erste Eindrücke

Nachdem die hauptsächlich auf Zucker ausgerichtete Wirtschaft Kubas Anfang der 1990er-Jahre mit dem Kollaps der Sowjetunion zusammengebrochen war, wurde dringend ein neuer Devisenbringer benötigt. Man entschied sich für den Tourismus, der sein Gesicht zunächst in Form von großen Alles-inklusive-Hotels mit einer Kapazität von über 20.000 Betten auf der Halbinsel Varadero zeigte. Kubaner waren dort damals nur als Arbeitskräfte zugelassen.

„Wind of Change“


Das hat sich geändert und auch Kubaner dürfen heute als Gäste nach Varadero kommen. Leisten können sich das allerdings nur wenige. Aber auch heute noch kennen die meisten ausländischen Touristen Kuba nur in Form von Varaderos Sandstränden und Havannas Altstadt. Doch eine zunehmende Anzahl der Besucher sucht aus das Landesinnere oder andere Küstengebiete auf. Der Tourismus auf Kuba boomt, sei es individuell, als Gruppenreisender oder auch mit dem Fahrrad. Die Rahmenbedingungen für Reisende haben sich in den letzten Jahren um einiges verbessert.

Der Sozialismus privatisiert sich


Da Kubaner seit Kurzem private Geschäfte eröffnen dürfen, sprießen nun allenthalben Privatzimmer, Läden, Bars und Restaurants hervor – vor allem in größeren Städten. Auch wenn das Angebot an Speisen und Getränken nicht immer das allergrößte und die Qualität gelegentlich zu wünschen übrig lässt, ist es ein Quantensprung zu vergangenen Zeiten. Das Geld für touristische Investionen erhalten viele Kubaner von der arbeitenden Verwandschaft aus den USA oder Europa.

Manchmal etwas nervig


Doch der Tourismus hat auch seine Schattenseiten. Zahlreiche Bettler stürzen sich vor allem auf Gruppenreisende und fragen nach allem von Kulis über Seife bis hin zu Bargeld. Flüssig sollte man auf Kuba ohnehin sein, denn das Land ist ganz schön teuer geworden und überall wird Trinkgeld erwartet. Wer außerhalb seines Hotels auf die Toilette geht, einer bei so gut wie jeder Mahlzeit ungefragt aufspielenden Kapelle  zuhört oder nur mal nach dem nächsten Geldautomaten fragt: überall hält man die Hand auf. Irgendwie auch verständlich, wenn man weiß, dass ein Kubaner nur zwischen 10-20 Euro monatlich verdient, diesen schmalen Lohn mit Trinkgeld aber schnell verfielfachen kann. Manchmal geht es ein wenig plump, dreist und penetrant zu, so als müsste man sich ein Trinkgeld erst gar nicht verdienen.

Zwei Welten beim Transport


Was die Fortbewegung in Kuba angeht, gibt es ein Zwei-Klassen-System. Daher ist es schon ein wenig befremdlich, wenn man in einem neuen Bus cinesischer Herkunft mit Klimaanlage, Vorhängen und verschiebbaren Sitzen im Rahmen einer Gruppenreise durch Kuba gefahren wird, während für die kubanische Bevölkerung der Transport – neben der Wohnungssuche – weiterhin eines der größten Probleme darstellt. Man behilft sich mit Pferdekutschen, schrottreifen Bussen oder Fahrradtaxis. Aber es ist eben kein Wunder, dass der Tourismus Begehrlichkeiten in der Bevölkerung weckt. Dafür ist es auf Kuba – im Vergleich zum mittelamerikanischen Festland – erstaunlich sicher und ruhig.

Sonntag, 24. März 2013

Kontrastprogramm Havanna



Vom kleinen San José (s. vorheriger Blogbeitrag), der Hauptstadt des ebenso kleinen Costa Ricas, mit seinen modernen Shoppingcentern, Werbetafeln und Fastfood-Restaurants in die geschichtsträchige Metropole Havanna mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohner – das sind Gegensätze pur, nur wenige Flugstunden voneinander getrennt.

Tolle Atmosphäre


In der Hauptstadt Kubas lebt jeder fünfte Inselbewohner. Der erste Eindruck ist überwältigend, besonders wenn man durch Habana Vieja bummelt. In der größten zusammenhängenden kolonialen Altstadt Lateinamerikas drängen sich knapp 2000 historische Gebäude, ein Viertel davon aus der frühen Kolonialzeit. Und obwohl ein dichtes Gewusel von Menschen, Fahrradtaxis, Pferdekutschen und zu Taxis umfunktionierten Oldtimern das Bild prägt, gehen die Uhren hier anders und definitiv langsamer als bei uns.

In einer anderen Zeit


Apropos Uhren: am Morgen nach meiner Ankunft hatte ich einen Termin beim Reiseveranstalter, für den ich an der besagten Kubareise (s. vorheriger Blogbeitrag) teilnehme. Fünf Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit stand ich vor dem Büro und wunderte mich, dass man mir sagte, man hätte eigentlich gar nicht mehr mit mir gerechnet. Komisch! Des Rätsels Lösung: Auf Kuba gilt seit zwei Wochen die Sommerzeit, was die Stewardess bei der Zeitangabe nach der Landung – auf die ich mich verlassen hatte – vergessen hatte zu erwähnen. 

Geniale Liveshow


An meinem zweiten Abend ging ich abends auf der Dachterrasse eines naheliegenden Hotels ein Bier trinken, nichtsahnend was der Abend an Überraschungen für mich bereit halten sollte. Gegen 22.30 Uhr begann dort ein Konzert einer der angesagtesten Son-Bands Kubas, die in der Mitte den 1920er gegründet worden war. Und als wäre das noch nicht genug, kamen die Tänzer einer ebenso bekannten Salsaschule vorbei, um kräftig abzutanzen. So etwas hatte ich nun wirklich noch nicht gesehen. Abgesehen vom optischen Leckerbissen, hatten die Jungs und Mädels es einfach drauf. Mein Gemütszustand schwankte ständig zwischen völliger Begeisterung und totalem Frust.

Steinzeit-Internet


Und nun leider eine schlechte Nachricht für alle Fans dieses Blogs. In Kuba ist Internet kaum verfügbar, extrem langsam und dafür aber sauteuer. Rund sechs US-Dollar für eine Stunde, WLAN acht Euro/Std. Und außerhalb von Havanna sieht es noch trüber aus. Zudem bin ich ja mit einer Reisegruppen unterwegs und komme wohl nicht immer zum regelmäßigen Blogschreiben. Wenn Ihr also eine Weile nichts von mir hört, liegt das weniger an meinem guten Willen, als an der wirklich schwierigen Lage vor Ort. Schaut trotzdem mal ab und an rein. Spätestens ab dem 10.4. läuft dann alles hoffentlich wieder reibungslos.