Mittwoch, 13. Mai 2015

Fairtrade mit Wachstumsrekord



Der Faire Handel ist nicht zu bremsen. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Verkäufe Fairtrade-zertifizierter Produkte das stärkste absolute Wachstum seit Bestehen des Siegels: Insgesamt 827 Mio. Euro  gaben Verbraucher und Verbraucherinnen 2014 für Fairtrade-Waren aus, 173 Mio. mehr als im Vorjahr. Ein Plus von 26 Prozent. „Der deutsche Fairtrade-Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Die absatzstärksten Produkte Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao legen weiter kräftig zu“, so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. Die Produzentenorganisationen erhalten neben einem stabilen Mindestpreis eine zusätzliche Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Sie stieg durch die Verkäufe auf dem deutschen Markt um 30 Prozent auf 12,3 Mio. Euro. „Nachhaltige Entwicklung ist ein komplexer Prozess, der Zeit braucht und auch von vielen externen Faktoren abhängt. Der Diskurs mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist daher ein wichtiger Arbeitszweig von Fairtrade, um die Erfahrungen aus dem Fairen Handel auch in die Politik einzubringen“, sagte TransFair-Vorstandsvorsitzender Heinz Fuchs. „Für Produktion und Handel braucht es soziale, ökologische  und menschenrechtlich verbindliche Standards – und dafür ist die Politik zuständig.  Als freiwilliger Standard belegt der Faire Handel, dass die Umsetzung möglich ist.“ Elementar sei zudem der Aufbau starker Strukturen im Süden, betonte Larry Attipoe, Direktor für Entwicklung bei Fairtrade International.

Hoher Bekanntheitsgrad


Der Gesamtabsatz von Fairtrade-Produkten stieg um 44 Prozent auf über 102.990 Tonnen. Kaffee, nach wie vor das Fairtrade-Produkt Nummer eins, legte um 18 Prozent auf 13.020 Tonnen zu. Der Marktanteil liegt bei 2,9 Prozent. Auch zu Fairtrade-Bananen griffen Verbraucher vermehrt: Der Absatz stieg um 62 Prozent auf rund 51.180 Tonnen. Damit tragen gut acht Prozent aller in Deutschland verkauften Bananen das Fairtrade-Siegel. Insgesamt 7.590 Tonnen Fairtrade-Kakao wurden eingesetzt, eine Versechsfachung gegenüber 2013. Dies ist vor allem auf die Einführung des Rohstoffprogramms  für Kakao zurückzuführen. Mit knapp 336 Millionen verkauften Stielen und einem Marktanteil von 25 Prozent bleibt Deutschland größter Markt für Fairtrade-Rosen. Positiv entwickelten sich auch weitere Produktbereiche, darunter Honig, Baumwollprodukte oder Softdrinks. 79 Prozent der Fairtrade-Lebensmittel trugen im vergangenen Jahr auch ein Bio-Siegel.
„Die Bekanntheit von Fairtrade wächst. 83 Prozent kennen das Siegel und 95 Prozent der Käufer vertrauen ihm“, sagte Dieter Overath. Dies ergab eine aktuelle GlobeScan-Studie. „Dank der guten Verfügbarkeit und Vielfalt stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben auf zehn Euro pro Jahr.“ Overath sieht aber noch Potenzial: „In Großbritannien und der Schweiz geben die Verbraucher drei bis viermal so viel für Fairtrade-Waren aus.“ 

Quelle: TransFair
 Weitere Informationen im Jahresbericht

Sonntag, 10. Mai 2015

Elektronikriese Apple versucht sich an umweltfreundlicher Produktion



Der Technik-Riese Apple bemüht sich schon seit einiger Zeit darum, die Umweltbelastung durch seine Produkte und IT-Dienste auf ein Minimum zu senken. So werden inzwischen ein Großteil der Apple-Läden weltweit und alle Datenzentren, Büros und sogar manche Fabriken in den USA mit Grünstrom betrieben. Dafür nutzt das Unternehmen eigene Solar- und Windfarmen, Erdwärmekraftwerke, Wasserkraft und Brennstoffzellen. Wie Lisa Jackson sagt, die bei Apple das Thema Nachhaltigkeit verantwortet, ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn der meiste Energieverbrauch fällt bei der Produktion der Geräte an (siehe Grafik) – und die passiert vornehmlich in Asien. Das Problem teilt Apple mit den allermeisten anderen Großkonzernen. Die bemühen sich inzwischen zwar redlich und meist mit Erfolg, an ihren Heimatstandorten auf mehr Klima- und Umweltschutz zu achten. Auf die Bedingungen in den Produktionsländern haben sie dagegen bisher kaum Einfluss.

„Grünere“ Produktion in China?

Apple hat sich als zweiten Schritt seiner Nachhaltigkeitsbemühungen nun aber zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Im vergangenen Jahr sagte Lisa Jackson im Interview mit WiWo Green: “Wir müssen auf folgende Frage eine Antwort finden: Wie können wir auf den CO2-Ausstoß Einfluss nehmen, den wir gar nicht im eigenen Unternehmen verursachen?” Langsam zeigt sich, wie diese Antwort aussehen könnte. Zwar steht das Unternehmen “damit noch am Anfang”, wie Apple in seinem aktuellen Umweltbericht schreibt. Doch erste Schritte werden gerade gemacht. So hat Apple jetzt in zwei Solarfarmen in China mit 40 Megawatt Leistung investiert. Für den Analysten Justin Wu des Nachrichtendienstes Bloomberg New Energy sind die Gründe klar: “Viele Technikunternehmen wurden dafür kritisiert, dass sie ihre Verschmutzung ins Ausland auslagern. Apple geht diesen Kritikpunkt nun an.” Weiter ist Wu überzeugt: “Das könnte der Startschuss dafür sein, dass die Produktion in China grüner wird.” Tatsächlich versorgt der Strom aus den Solaranlagen, die in einer Provinz im Zentrum des Landes entstehen, keine Fabriken von Apple-Zulieferern, sondern er fließt ins öffentliche Netz und wird mit dem Verbrauch der Apple-Stores in den Großstädten verrechnet.

Programm für sauberes Wasser

Dennoch ist die Investition von Apple ein Zeichen, dass das Unternehmen jetzt mehr Umweltfreundlichkeit in den Märkten und Produktionsstandorten jenseits der USA und Europa schaffen will. Wie Apple genau die Aufgabe lösen will, dass zum Beispiel ein Unternehmen wie Foxconn, das das Gros der iPhones in China fertigt, Grünstrom nutzt, bleibt dabei abzuwarten. Dass Apple Einfluss auf seine Zulieferer hat, zeigt sich aber jetzt schon am Beispiel Wasser: So hat ein chinesischer Zulieferer für Schaltkreise seine Wasseraufbereitung von 12 auf 61 Prozent gesteigert, nachdem Apple für seine Zulieferer ein “Clean Water Programm” (Programm für sauberes Wasser) aufgesetzt hat. Das setzen Apple-Mitarbeiter zusammen mit den Zulieferern um. Insgesamt haben in der Pilotphase des Programms 13 Zulieferer mehr als eine Million Liter Wasser gespart. Die Standards, die Apple im Rahmen des Programms aufstellt, müssen alle der größten 200 Zulieferer einhalten. Deren Kalkül ist einfach: Sie wollen Apple als Kunden nicht verlieren. Und da sowohl Bürger als auch die Regierung in China zunehmend auf den Umweltschutz achten, zahlen sich die Maßnahmen auch für die lokale Unternehmenspolitik aus. Apple zeigt damit, dass ein Unternehmen durchaus Einfluss auf seine Zulieferer nehmen kann. Bis zu welchem Grad, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Quelle: Wiwo Green; Grafik: Apple Umweltreport, Foto: apple.com

Freitag, 8. Mai 2015

Weltladentag: Kampagne fordert Regeln für Unternehmen


Anlässlich des Weltladentags am Samstag, den 9. Mai werden in zahlreichen deutschen Innenstädten Tatorte abgesperrt. Mehr als 400 Weltläden und Aktionsgruppen machen damit auf die Menschenrechtsverletzungen durch global agierende deutsche Unternehmen aufmerksam. Fair-Handels-Engagierte verteilen an Passanten und Passantinnen Haftbefehle gegen das fiktive Unternehmen Globarmex AG und informieren über die Kampagne „Mensch. Macht. Handel. Fair.“ Das beschuldigte Unternehmen Globarmex AG ist Sinnbild für international agierende deutsche Unternehmen, die Menschenrechte in den globalen Lieferketten missachten.  Prekäre Arbeitsbedingungen, Hungerlöhne und gesundheitsgefährdende Pestizide sind bei der Herstellung unserer Alltagsgüter keine Ausnahme. Auch deutsche Unternehmen sind entlang ihrer Produktionsketten direkt oder indirekt an Menschenrechtsverletzungen im Ausland beteiligt.  

Globalisierten Verantwortungslosigkeit auf Kosten der Schwächsten

Bislang können deutsche Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen bei ihren ausländischen Tochterunternehmen und Zulieferern kaum haftbar gemacht werden. Denn es fehlt international und in Deutschland an verbindlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für Unternehmen. „Mit dieser globalisierten Verantwortungslosigkeit auf Kosten der Schwächsten, der Menschen am Anfang der Produktionskette, muss endlich Schluss sein“, fordert Armin Massing, politischer Referent des Forum Fairer Handel. „Der Faire Handel beweist seit mehr als vierzig Jahren, dass partnerschaftliche und transparente Handelsbeziehungen möglich sind. Diese Regeln sollten nun endlich für alle verbindlich gelten.“, so Anna Hirt, Kampagnenreferentin des Weltladen-Dachverband.

Kampagne für gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht

Im Rahmen ihrer gemeinsamen Kampagne „Mensch. Macht. Handel. Fair.“ setzen sich das Forum Fairer Handel und der Weltladen-Dachverband für eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht ein. Mit einer Unterschriftenaktion fordern sie die Bundesregierung auf – im Rahmen der Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in Deutschland – bis 2016 einen verbindlichen Rahmen zu schaffen.
Quelle: Forum Fairer Handel

Dienstag, 5. Mai 2015

Tierbestandteile in Knabbergebäck: Aldi Süd kündigt freiwillige Kennzeichnung an



Aldi Süd macht Schluss mit versteckten Tieren: Der Lebensmittel-Discounter will tierische Bestandteile in Knabbergebäck zukünftig freiwillig kennzeichnen, wie er gegenüber der Verbraucherorganisation foodwatch angekündigt hat. Bisher setzt Aldi Süd bei der "Crackets Knabberbox" und den "Kartoffel Rings Paprika" Schweinebouillon ein - ohne dies auf der Packung anzugeben. Die Supermarktkette teilte nun jedoch foodwatch mit, "dass eine freiwillige Deklaration dieser tierischen Zusatzstoffe bereits mit dem Lieferanten vereinbart wurde". foodwatch forderte vor der am Mittwoch beginnenden Verbraucherschutzminister-Konferenz, Lebensmittelhersteller endlich per Gesetz zu verpflichten, "versteckte Tiere" zu kennzeichnen. Denn bei vielen Produkten wie Saft oder Chips könnten Verbraucher nach wie vor nicht erkennen, ob tierische Bestandteile zum Einsatz kommen, kritisierte foodwatch. Die Verbraucherminister der Bundesländer forderte foodwatch auf, sich bei ihrer am Mittwoch beginnenden Konferenz für eine Pflichtkennzeichnung einzusetzen. Der niedersächsische Verbraucherminister Christian Meyer hatte sich vergangenes Jahr bereits dafür ausgesprochen. Im Dezember 2014 überreichte foodwatch mehr als 100.000 Unterschriften aus einer E-Mail-Protestaktion unter www.foodwatch.de/aktion-verstecktetiere an das Bundesernährungsministerium; bislang lehnt das Ministerium eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht jedoch ab.

Freiwillige Kennzeichnung unzureichend

Im deutschen oder europäischen Lebensmittelrecht gibt es bisher keine lückenlose Kennzeichnungspflicht für Zutaten oder Zusatzstoffe tierischen Ursprungs oder zum Einsatz tierischer Bestandteile in der Produktion. So wird zum Beispiel Läuse-Extrakt in "Orangina Rouge"-Limonade oder "Bum Bum"-Eis von Schöller eingesetzt, bei "Albi"-Säften kann Schweinegelatine zum Klären von Trübstoffen verwendet werden - auf der Verpackung ist das für Verbraucher jedoch kaum oder gar nicht erkennbar. Um Transparenz und Wahlfreiheit zu erreichen, hat foodwatch im April 2013 einen Gesetzentwurf vorgelegt. Die zentrale Forderung: Wo Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen Ursprungs eingesetzt werden, muss dies deutlich und inklusive Angabe der Tierart erkennbar sein. Das gilt auch für tierische Bestandteile in Aromen, Zusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen, die während des Produktionsprozesses zum Einsatz kommen. Eine rein freiwillige Kennzeichnung bietet nach Auffassung von foodwatch keine verlässliche Transparenz. Auch die überfällige gesetzliche Definition der Begriffe "vegetarisch" und "vegan" könne keine abschließende Klarheit schaffen: Denn bei vielen - dem Anschein nach rein pflanzlichen - Lebensmitteln erwarten Verbraucher keine Tierprodukte oder -bestandteile, auch wenn diese nicht explizit als "vegan" oder "vegetarisch" beworben werden.
Quelle: foodwatch




Freitag, 1. Mai 2015

Menschenrechte im Tourismus – was heißt das genau?


Ein Video der Naturfreunde Internationale und des forum anders reisen gibt Antworten auf diese Frage.

Urlaub, die Zeit der Erholung, da möchte sich kaum ein Reisender mit schweren Themen belasten. Jedoch die Rechte anderer Menschen möchte auch niemand verletzen durch seine Reise. Was genau meint das im Tourismus? Was kann ich als Reisender machen, um  meinen Urlaub unbeschwert zu genießen? Wie kann ein Veranstalter so agieren, dass er die Rechte der Menschen wahrt? Wo liegen die Risiken? Wie kann man sie meistern? Ein neues Video gibt Antworten auf all diese Fragen. Gemeinsam mit den Naturfreunden Internationale hat das forum anders reisen das Video „Menschenrechte im Tourismus“ erstellt. Es erläutert in einfacher Bildsprache, um welche Rechte es beim Reisen geht – kurz und bündig in nur wenigen Minuten.

Verborgenes sichtbarer machen

„Wir möchten dem Reisenden vor der Reise hilfreiche Informationen und Tipps mit auf den Weg geben, damit er seine Reisepläne entsprechend gestalten und vor Ort entspannt genießen kann“, erläutert die Geschäftsführerin des forum anders reisen, Petra Thomas, die Idee hinter dem Video. „Der Tourismus ist eine Branche, die von dem Zusammenspiel vieler Menschen lebt. Eine lange Kette von Händen, die den Urlaub im Hintergrund mitgestalten und prägen. Vom Reisenden selbst über die Mitarbeitenden bei Reisebüros und Veranstaltern hierzulande bis hin zu allen Transportbeschäftigten auf Schiffen, in Bahnen, Bussen und Flugzeugen, von den Mitarbeitenden in den Hotels und Gasthäusern bis hin zu allen Kräften, die für die Bereiche Wäsche, Lebensmittel oder Müll verantwortlich sind.“

Verantwortungsvoll reisen

Die Mitglieder des Verbandes für nachhaltigen Tourismus engagieren sich seit 1998 für soziale und ökologische Rahmenbedingungen des Reisens. Wie schaffen wir faire Arbeitsbedingungen? Wem gehört das Land, auf dem die Reisenden ihren Urlaub verbringen? Wer hat den Zugang zum Meer – vom Erholungssuchenden bis zum Fischer? Wer nutzt die Ressourcen beispielsweise in Regionen, in denen das Wasser knapp ist? Wie schützten wir lokale Gemeinschaften? All diese Aspekte berücksichtigen die Reiseveranstalter des forum anders reisen bei der Entwicklung ihrer Produkte. „Darum ist es für den Reisenden der einfachste Weg, sich einem verantwortungsbewussten Veranstalter anzuvertrauen und sich für seine Reise sorglos in guten Händen zu wissen“, empfiehlt Thomas.
Quelle: forum anders reisen