
Es ist voll auf dem „Gringo-Trail“
Doch wer mit dem Lonely Planet im Rucksack oder im Koffer
reist, muss damit rechnen, unterwegs viele Gleichgesinnte zu treffen – ob er will
oder nicht. Und die sogenannten Geheimtipps entpuppen sich oftmals als
Touristenfallen. Am idyllisch gelegenen Wasserfall stehen dann Würstchenbuden,
der einsame Strand ist müllübersät, und die familiäre Pension im Stadtzentrum
ist belegt – natürlich von anderen LP-Lesern. Der LP spiegelt wie kein anderer
Reiseführer die Problematik von gutgemeinten Reisetipps für ein Massenpublikum
wider: Sind Reiseführer also mit schuld daran, wenn etwa kleine Inseln in
Thailand, die früher nur von wenigen Reisenden besucht wurden, heute von
Partytouristen überrannt werden? Sind sie Wegbereiter für Naturzerstörung,
Klimaveränderungen und kulturelle Eingriffe? Welche Verantwortung haben Reiseführer
diesbezüglich?
Loose-Autoren übernehmen
Verantwortung
Diese Fragen stellen sich zunehmend auch die
Reisebuchautoren, beispielsweise die Autorinnen und Autoren der Stefan Loose
Travel Handbücher, die heute zum DuMont Reiseverlag gehören. Auch in den
orangefarbenen Büchern, die es bereits seit 40 Jahren gibt, geben Autoren
Empfehlungen und Tipps. Allerdings sind sich Loose-Autoren ihrer Verantwortung
für die Zielregionen zunehmend bewusst. Bereits 2006 wurde ein Baumsymbol
eingeführt. Es kennzeichnet sozial und ökologische Reiseangebote, sei es das
Hotel, das seinen Gewinn an soziale Projekte abführt, sei es der Weber, der
einen fairen Preis für sein Kunsthandwerk erhält, oder sei es der lokale
Reiseveranstalter, der sozial und ökologisch ausgewogene Trips organisiert.
Mit positiver Auswahl Reiseverhalten
beeinflussen
Reiseführer, ob klassisch als Buch oder zunehmend in
elektronischer Form, sind Katalysatoren. Mit der Auswahl, die der Autor trifft,
beeinflusst er das Verhalten seiner Leser und ein wenig auch das Verhalten der Bereisten.
Denn die meisten von ihnen freuen sich, wenn sie kostenlos in einem Reiseführer
erwähnt werden. Und sie freuen sich, wenn ihre Bemühungen für eine bessere Welt
auf diese Weise honoriert werden. Positive Selektion heißt das Stichwort:
Herausgehoben werden diejenigen, die sich für Mensch und Natur einsetzen. Mit
dem Kauf eines Loose-Reiseführers belohnt der Reisende auch die Bemühungen der
Autoren in diese Richtung. Gebraucht werden hierfür Autoren, die faire und
grüne Tourismusangebote nicht nur aus einer Verpflichtung heraus aufführen,
sondern die verstanden haben, dass sie mit ihrer Auswahl einen wichtigen
Beitrag für einen besseren Tourismus leisten. Allgemein sind Reisebuchautoren
und auch Reisejournalisten aufgefordert, ausgewogener über die jeweilige
Destination zu berichten, die Schattenseiten des Tourismus nicht zu
verschweigen und nicht auch noch den letzten unberührten Strand zu erwähnen.
Tipp: Auf der Webseite stefan-loose.de
gibt es unter »fair&grün reisen« Anregungen für nachhaltiges Reisen und
aktuelle Tipps im Forum rund um das Thema.
Quelle:
FAIRreisen, Frank Herrmann; Bild 1: Backpacker, pixaby.com (Freie kommerzielle Nutzung), Bild 2: Plastikmüll, Frank Herrmann