Freitag, 15. März 2019

NEU: Reisen mit Kindern


Zusammen in den Urlaub: Ein schönes Erlebnis für Eltern wie Kinder. Doch nicht immer wissen die Großen, was unterwegs am besten für ihre Kleinen ist. Das möchte das Buch „Reisen mit Kindern“ ändern, in dem 11 Blogger, darunter FAIRreisen-Autor Frank Herrmann, ihre besten Tipps verraten. Die Bandbreite reicht vom ersten Mal Fliegen mit Kleinkind über alleine mit Kind unterwegs bis zum nachhaltigen Reisen. Außerdem gibt es Packlisten vom Städtetrip bis Langstreckenflug, Tipps für Beschäftigung unterwegs sowie Infos zum Medienkonsum auf Reisen und zu neuen Kulturen für kleine Leute. 

Hier geht es zum Buch: https://world-for-kids.com/

Montag, 4. März 2019

Tourismus, Landraub und Verdrängung im Globalen Süden


In der globalen Debatte um den Raub von Land und anderen natürlichen Ressourcen fällt der Tourismussektor bisher meist unter den Tisch. Dabei bedrohen Vertreibungs- und Verdrängungsprozesse auch im Namen des Tourismus die Rechte von lokalen Gemeinschaften auf Land, Wohnraum und Ressourcen in erheblichem Ausmaß – wie zahlreiche Berichte von Wissenschaftlern, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen belegen. Eine aktuelle Studie von Andreas Neef im Auftrag von Tourism Watch verdeutlicht, dass der Tourismus ein wesentlicher Verursacher von Landraub, Vertreibung und schleichenden Verdrängungsprozessen auf der ganzen Welt ist. Der Professor für Internationale Entwicklung an der University of Auckland, Neuseeland, hat 25 Fälle aus dem Globalen Süden im Detail untersucht. Im Interview mit Tourism Watch erläutert er die wichtigsten Erkenntnisse seiner Studie.

Tourism Watch (TW): Warum findet der Tourismus in der Debatte um Landrechte und Landraub bisher relativ wenig Beachtung?

Andreas Neef (AN): Dafür gibt es verschiedene Gründe. Erstens ist der Tourismus ein fragmentierter Sektor mit zahlreichen Interessengruppen entlang seiner „Wertschöpfungskette“. Daher ist es relativ schwer, einzelne Unternehmen zu identifizieren, die die Land- und Ressourcenrechte der lokalen Gemeinschaften verletzen. Zweitens handelt es sich um eine „Wohlfühl“-Branche, die für Freizeit und Vergnügen steht und normalerweise nicht mit gewaltsamen Landübernahmen und Zwangsräumungen in Verbindung gebracht wird. Außerdem ist es auch eine Frage der Schwerpunktsetzung: Viele Nichtregierungsorganisationen haben die Verletzung lokaler Landrechte durch andere extraktive Industrien wie Bergbau und industrielle Landwirtschaft betont, bei denen das Ausmaß der Landnahme und Vertreibung zunächst größer erscheint. Zwar mag es stimmen, dass Hotels und Resorts weniger Land benötigen, um ihr Geschäft zu betreiben, als ein Bergbauunternehmen, eine Kautschukplantage oder riesige Felder für den Anbau von Biokraftstoffen. Blicken wir jedoch auf die Millionen von Hektar, die den örtlichen Gemeinden für die Schaffung von „menschenleeren“ Naturschutzgebieten, Nationalparks und Kulturerbe-Stätten – die sich zu beliebten Touristenattraktionen entwickelt haben – genommen wurden, erkennen wir schnell die dramatischen Auswirkungen des Tourismus auf die traditionellen und indigenen Land- wie Ressourcenrechte.

TW: Welche Triebfedern für tourismusinduzierte Landraub- und Verdrängungsprozesse haben Sie in Ihrer Studie festgestellt?

AN: Es ist klar, dass Tourismusunternehmen - insbesondere multinationale Hotelketten - hauptsächlich von wirtschaftlichen Interessen getrieben werden. Und sie wissen genau, was die Mehrheit ihrer Kunden will: unberührte Strände, All-Inclusive-Resorts und Sicherheit. Komfortable und sichere Urlaubsumgebungen lassen sich am einfachsten schaffen, wenn die ursprünglichen Bewohner umgesiedelt werden. Die Motive der Regierungen in den Reiseländern sind tendenziell komplexer. Sie erhoffen sich nationales Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze durch Tourismus. Tourismuszonen können sie zudem leichter managen und besteuern als Gebiete, die von unterschiedlichsten lokalen Gemeinschaften bewohnt werden. In Grenz- oder Konfliktgebieten kann die Tourismusentwicklung von den Regierungen dazu instrumentalisiert werden, diese Regionen zu militarisieren und zu sichern. Für mich war eines der interessantesten Ergebnisse der Studie, in welch hohem Ausmaß die militärischen oder paramilitärischen Kräfte oft in den Tourismussektor involviert sind und mit Landraub und Vertreibungen in Verbindung stehen. Ein weiterer treibender Faktor ist, dass Touristen nicht nur als temporäre Besucher kommen, sondern als Residenz-Touristen bleiben. Das macht das Land für Anwohner oft unbezahlbar. In solchen Fällen kann die Verdrängung schrittweise erfolgen, ist jedoch nicht unbedingt weniger verheerend.

TW: Mit welchen Argumenten wird Landraub und Verdrängung im Namen des Tourismus gerechtfertigt?

AN: Regierungen und Tourismusunternehmen rechtfertigen Landraub und Vertreibungen für den Tourismus mit ähnlichen Gründen. Sehr häufig wird Tourismus als Mittel für nationales Wirtschaftswachstum, Armutsbekämpfung, Naturschutz oder die Erhaltung des Kulturerbes dargestellt, was dem „öffentlichen Interesse“ diene. Die Regierungen können sich dann auf das "Enteignungsrecht des Staates" berufen und damit legitime oder rechtmäßige Ansprüche auf Land außer Kraft setzen. Besonders beliebt bei Regierungen und touristischen Investoren ist der Diskurs vom „Brachland“. Dabei behaupten sie, dass ein für die Tourismusentwicklung vorgesehenes Gebiet entweder unbewohnt oder von ihren Bewohnerinnen und Bewohnern nicht produktiv beziehungsweise nicht nachhaltig genutzt würde. Der Tenor lautet dabei: „Die Einheimischen haben die Umwelt zerstört; nun brauchen wir Tourismus, um die Natur wieder herzustellen und zu schützen“. Und der Tourismus soll dann die Arbeitsplätze für die enteignete Bevölkerung schaffen. Oft wird auch behauptet, der Massentourismus könne dazu beitragen, durch Katastrophen oder bewaffnete Konflikte zerstörte Gebiete wieder aufzubauen.

TW: Wie können die verantwortlichen Akteure zur Rechenschaft gezogen werden?

AN: Nun, das ist der knifflige Teil, weil die Täter nicht isoliert agieren, sondern oft Teil eines größeren Bündnisses sind. Dazu gehören auch Akteure, wie etwa der Finanzsektor oder internationale Geberorganisationen, die sich über das Ausmaß von Landraub und Zwangsräumungen möglicherweise nicht einmal im Klaren sind. Wir müssen bedenken, dass tourismusbezogener Landraub und Verdrängung im gesamten politischen Spektrum stattfindet - in demokratischen Systemen, in semiautoritären Regimen und in autoritär regierten Ländern. Die bestehenden Rechtsvorschriften in Bezug auf Land machen oft wenig Unterschied. Landraub kann sowohl in Ländern mit überwiegend privaten Eigentumsrechten als auch in Ländern mit traditionellen und gemeinschaftlichen Land- und Ressourcenrechten erfolgen. Ich denke, ein wichtiger erster Schritt wäre, alle Darstellungen zurückzuweisen, die die Vertreibung von Landnutzerinnen und Landnutzern und den Verkauf von Land für den Tourismus mit dem Argument „des öffentlichen Interesses“ rechtfertigen. Es ist auch von entscheidender Bedeutung, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in die Regierungspolitik und verbindliches nationales und internationales Recht zu integrieren. Der Tourismussektor muss dabei genau soviel Aufmerksamkeit erhalten wie andere extraktive Industrien und das verarbeitende Gewerbe. Wenn Sie sich die nationalen Aktionspläne der EU-Regierungen zu Wirtschaft und Menschenrechten ansehen, werden Sie feststellen, dass der Tourismussektor kaum erwähnt wird.
Quelle: TourismWatch 

Sonntag, 24. Februar 2019

Palmöl: EU-Kommission erlässt neue Kraftstoff-Regelung mit Schlupflöchern


In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die EU-Kommission vor Kurzem in einem Rechtsakt anerkannt, dass der Anbau von Palmöl zu einer erheblichen Entwaldung führt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt, dass somit die Beimischung des Pflanzenöls zum Diesel nicht mehr auf die Erreichung der EU-Ziele für umweltfreundliche Kraftstoffe angerechnet werden kann.

Allerdings kritisiert der Umwelt- und Verbraucherschutzverband, dass unter dem zunehmenden Druck der Hauptproduzenten Malaysia und Indonesien, einschließlich der Androhung eines Handelskriegs, die EU-Kommission mehrere Schlupflöcher in dem Rechtsakt geöffnet hat. So soll Palmöl, das in Kleinplantagen angebaut oder auf "ungenutzten" Flächen produziert wird, weiter für die Beimischung im Kraftstoff zugelassen werden können. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, kritisiert das Vorgehen der EU-Kommission: "Das Signal der Kommission, Palmöl-Diesel als nicht nachhaltig einzustufen, ist grundsätzlich richtig. Doch die geschaffenen Ausnahmenregelungen machen diese gute Entscheidung wieder zunichte. Die Abholzung für Palmöl-Diesel muss grundsätzlich ausgeschlossen sein, unabhängig von der Größe einzelner Plantagen."

Kampagne #NotInMyTank

Die EU-Kommission hat nun eine öffentliche Anhörung gestartet, um vier Wochen lang Beiträge zu sammeln, bevor sie den endgültigen Rechtsakt annimmt. Eine internationale Allianz aus 13 NGOs wird im Rahmen ihrer Kampagne #NotInMyTank Bürger auffordern, an der Konsultation teilzunehmen, um die Lücken im Textentwurf zu schließen und die Regenwälder Südostasiens vor der Abholzung zu bewahren. Hierzu Müller-Kraenner: "Die EU-Kommission hat bereits im Juni 2018 einen eindeutigen Auftrag für den Schutz von Klima und Biodiversität vom EU-Parlament und den EU-Bürgern erhalten. Sie darf dieses wichtige Mandat nicht ignorieren. Wir werden uns intensiv an der Anhörung beteiligen und zusammen mit unseren internationalen Partnern klarmachen, dass die Beimischung von Palmöl zum Diesel vollständig beendet werden muss." Im Anschluss an die vierwöchige Anhörung wird die EU-Kommission den Rechtsakt verabschieden. Danach haben die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament zwei Monate Zeit, um diesen zu verabschieden oder ein Veto einzulegen. Die Möglichkeit, ihn zu ändern, haben sie nicht mehr.

Hintergrund:

Bereits im Juni 2018 beschloss das EU-Parlament, die Verwendung von risikoreichen Pflanzenölen für Bio-Kraftstoffe zu beenden. Als risikoreich gelten Nutzpflanzen, für dessen Anbau biodiversitätsreiche Regenwald- und Torfgebiete in Anbauflächen umgewandelt werden und deren Landnutzungsänderung hohe CO2-Emmission verursachen. Diese Nutzpflanzen sollen schrittweise ab 2023 aus den Kraftstoffen der EU verbannt werden. Palm- und Sojaöl werden aufgrund ihres geringen Preises am häufigsten dem Dieselkraftstoff beigemischt. Mehr als 51 Prozent des nach Europas importierten Palmöls landet in Autotanks. Die Förderung der Palmöl-Beimischung durch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie hatte ursprünglich das Ziel, die CO2-Bilanz fossilen Dieselkraftstoffs zu verbessern und gilt somit als Klimaschutzmaßnahme. Aufgrund der mit dem Anbau von Palmöl verbundenen Regenwaldabholzung ist Biodiesel mit Palmöl allerdings dreimal schädlicher für das Klima als herkömmlicher Diesel.
Quelle: UD/pte, Foto unten: Frank Herrmann

Sonntag, 10. Februar 2019

Ökofaire Mode: Greenpeace Textil-Fibel 5 erschienen!



Die Farbe ist ein Knaller, das Material ein Traum, die Passform ein Volltreffer. Und ein Schnäppchen war es obendrein. Leider schweigt sich das Etikett darüber aus, ob bei der Textilproduktion alles mit rechten Dingen zugeht. Bekommen die Fasern beim Anbau eine Giftdusche? Sind beim Färben und Ausrüsten schädliche Chemikalien im Spiel? Werden die Textilarbeiterinnen anständig behandelt und fair bezahlt? Diese Informationslücken schließt die fünfte Auflage unserer Textil-Fibel. Greenpeace nimmt globale Zusammenhänge unter die Lupe, stellt Rücknahmekonzepte auf den Prüfstand, macht Öko-Siegel lesbar und gibt umweltschonende Pflegetipps.
Quelle: Greenpeace 

Die Greenpeace Textil-Fibel 5 kann HIER bestellt werden