Montag, 15. Oktober 2018

Weltweit erster klimaneutraler Kaffee


Knapp ein Viertel aller klimaschädlichen Gase entstehen im Agrar- und Lebensmittelsektor. Nicht nur der Transport der Güter spielt hierbei eine wesentliche Rolle, sondern auch die Art des Anbaus und der Verarbeitung.

Den Konsumentinnen und Konsumenten ist meist unbekannt, wie es um den ökologischen Fußabdruck eines Lebensmittels bestellt ist. Abhilfe schaffen sollen sogenannte Klimasiegel. Auf die Packung aufgedruckt, geben sie Käufern schnell und unkompliziert bereits im Laden Auskunft darüber, ob ein Produkt klimafreundlich ist. Die Agrarwissenschaftlerin Athena Birkenberg von der Universität Hohenheim in Stuttgart untersuchte in ihrer Dissertation anhand des Beispiels Kaffee, welche Voraussetzungen Anbaugebiete, Verarbeitungsbetriebe und Konsumenten erfüllen müssen, damit ein Siegel erfolgreich sein kann. Fallbeispiel ist die Kaffeekooperative Coopedota in Costa Rica, die den ersten klimaneutralen Kaffee der Welt anbietet. In Zusammenarbeit mit der Rösterei Hochland Kaffee Hunzelmann in Stuttgart ist der Kaffee auch in Deutschland erhältlich. Ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches Siegel, so das Urteil der Forscherin. Grundsätzlich sieht sie aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. Um eine Klima-Zertifizierung erfolgreich umsetzen zu können, seien günstige Rahmenbedingungen in der Politik und Wirtschaft eines Landes entscheidend, erklärt Athena Birkenberg. Costa Rica sei hier ein positives Beispiel: „Das Land strebt auf nationaler Ebene aktiv die Klimaneutralität an“, so die Agrarwissenschaftlerin weiter. „Die Kleinbauerngenossenschaft Coopedota wird daher vom Staat in ihrem Vorhaben unterstützt. Es werden Anreize geschaffen z.B. mit Recycling und alternativen Energien zu wirtschaften und somit den CO2-Ausstoß zu verringern.“ Auch aus landwirtschaftlicher Sicht sei der Standort günstig: „Die Anbauflächen in Costa Rica sind gut geeignet für den Kaffeeanbau. Trotzdem setzen die Bauern Stickstoffdünger ein, um angemessene Erträge zu erzielen.“ Da Stickstoffdünger zur Bildung von Treibhausgasen beitrage, sei es wichtig, diesen möglichst effizient und in möglichst geringen Mengen auszubringen, um ein klimafreundliches Produkt zu erhalten. Bei der Produktion des Stickstoffdüngers entstehen Treibhausgase, da der Prozess sehr energieaufwendig ist und der Einsatz des Düngers in den Kaffeeplantagen verursacht Lachgasemissionen. Dieses, erklärt Birkenberg, sei noch viel schädlicher für das Klima als reines CO2. Um eine Zertifizierung erhalten zu können, sei es für die Bauern außerdem notwendig, umfangreiche Daten aus der Produktion zu erheben und zu erhalten. „Auch diesbezüglich hat Costa Rica anderen Entwicklungsländern gegenüber einen Vorteil“, so Birkenberg. „Die meisten Bauern können lesen und schreiben und sind von Vorgänger-Projekten auch schon daran gewöhnt, regelmäßig Daten zu erfassen.“ In Ländern mit niedrigerem Bildungsniveau stelle die Datenerhebung dagegen ein großes Problem dar.

Erfolgreiches Fallbeispiel: Zertifizierungsprozess verbesserte die Produktion

Bei dem untersuchten Beispiel hat diese Datenerhebung dazu geführt, die Produktion zu verbessern: „Um das Siegel zu erhalten, müssen die Bauern jedes Jahr einen Plan vorlegen, in dem nicht nur steht, wie viel Treibhausgas sie im Folgejahr produzieren werden, sondern auch, wie und an welchen Stellen sie Treibhausgase zukünftig vermeiden.“ Konkrete Beispiele: Statt Röstöfen mit Holz zu feuern, nutzt die Genossenschaft heute Abfallprodukte wie die Schalen der Kaffeebohnen, was CO2 einspart. Andere Abfallprodukte wie das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche werden inzwischen kompostiert. In der Vergangenheit ließen sie die Landwirte einfach verrotten, wodurch das sehr viel klimaschädlichere Methan entstand. Die Treibhausgase, die trotz aller Reduktionsmaßnahmen dennoch entstehen, muss die Genossenschaft ausgleichen, indem sie Klimazertifikate kauft. Hier sieht die Forscherin noch eine Möglichkeit zur Verbesserung: „Denkbar wären auch andere Ausgleichsmaßnahmen, die die Genossenschaft direkt vor Ort durchführt. Dazu könnten zum Beispiel Schattenbäume oder Baumpflanzungen zählen, die CO2 binden und gleichzeitig vor Ort die Umwelt verbessern.“ Ob eine Zertifizierung erfolgreich ist, hänge jedoch nicht allein vom Anbau und der Vermarktung ab, erklärt Birkenberg den zweiten Teil ihrer Studie. „Da zertifizierte Lebensmittel teurer sind, braucht es auch Konsumenten die bereit sind, mehr für klimaneutralen Kaffee auszugeben.“ Diese Bereitschaft sei durchaus da, fanden die Forscher im zweiten Teil ihrer Studie heraus, nur sei den meisten Konsumenten zunächst gar nicht bewusst gewesen, dass Kaffeegenuss klimaschädlich sein kann. „Da es sich um ein natürliches Produkt einer Pflanze handelt, gehen viele Menschen automatisch davon aus, dass das fertige Produkt gar nicht klimaschädlich sein kann.“ Ein weiteres Fehlurteil: Viele Konsumenten schätzen die Klimaauswirkungen des Transportes wesentlich höher ein als die beim Anbau. Das Umgekehrte ist der Fall, weiß Birkenberg: Mit einem Schiff können Tonnen von Kaffee transportiert werden, wohingegen im Anbau viele Tonnen Stickstoffdünger und Kalk ausgebracht werden müssen, um diese Menge Kaffee zu produzieren. Hier plädiert die Agrarwissenschaftlerin für mehr Aufklärung. „Durch Klimasiegel werden die Konsumenten sensibilisiert. Wer ein solches Siegel z.B. vom Kaffee kennt, wird zukünftig vielleicht auch bei anderen Produkten auf Klimasiegel achten.“ Ebenfalls sinnvoll ist laut Athena Birkenberg die Kombination von Klimasiegeln mit anderen, bereits bekannteren Zertifizierungen. „Studien zeigen, dass viele Konsumenten bereit sind, für Kaffeeprodukte mit Fair Trade-Siegeln oder aus Direkthandel mehr Geld auszugeben. Kombiniert man Klimaneutralitätslabel beispielsweise mit einer deklarierten direkten Handelsbeziehung, wie es Hochland Kaffee Hunzelmann anbietet, scheint die Zahlungsbereitschaft deutlich höher zu sein.“

Cafés & Kantinen können zusätzlichen Beitrag leisten

Doch auch Cafés, Restaurants und Kantinen können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Denn selbst, wenn alle Schritte von Kaffeeproduktion, Transport, Rüsten und Logistik klimaneutral erfolgen, fehlen zur vollkommenen Klimaneutralität noch die Schritte der Zubereitung und Entsorgung. Vor allem Vollautomaten hätten jedoch einen sehr hohen Energieverbrauch. „Solche großen Maschinen laufen oft meistens Tag und Nacht bei einem sehr hohen Energieverbrauch pro Liter zubereitetem Kaffee“, so Birkenberg. Die Zubereitung kann dadurch bis zu 45 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen des Kaffees ausmachen, der Anbau etwa 50-60 Prozent.“ Ihre Empfehlung lautet daher, die Maschinen nicht nur zu optimieren, sondern auch ihren Energieverbrauch – wie bei Kühlschränken und Waschmaschinen längst üblich – kenntlich zu machen. „Bislang ist diese sogenannte Energieverbrauchs-Kennzeichnung für Profi-Kaffeemaschinen noch nicht verfügbar. Beim Kauf ist also nicht ohne größeren Aufwand nachvollziehbar, wie umweltfreundlich oder – schädlich eine solche Maschine ist. Erstmals in Hohenheim ausgeschenkt wurde der klimaneutrale Kaffee bereits am Tag der offenen Tür der Universität Hohenheim im Juli 2018. Dabei handelte es sich um eine Spende der Firma Hochland. Die Einnahmen in Höhe von rund 1.500 Euro werden deshalb ohne Abzüge zur Förderung einer Schule in Costa Rica verwendet.
Quelle: UD/pm, alle Fotos: Frank Herrmann

Sonntag, 7. Oktober 2018

Faire Biketour 2018 – das Resümee


Die „Faire Biketour 2018“ von Flensburg nach Füssen ist zu Ende. Zusammen mit der „Warmradelwoche“ Ende August von der Nordseeinsel Juist über Oldenburg, Bremen und Elmshorn war ich genau 36 Tage unterwegs, habe 1680 Kilometer und viele Höhenmeter zurück gelegt. Zu den 25 Vortragsveranstaltungen kamen mehr als 1000 Menschen und die Spendenaktion konnte die Rekordsumme von fast 3000 Euro verbuchen! Anders als im vergangenen Jahr, als ich mit Regen und Sturm zu kämpfen hatte, war das Wetter diesmal auf meiner Seite und bescherte mir viel Sonne und trockene Strecken. Und das alles pannenfrei, ein Novum auf der 5. Fairen Biketour nach 2012, 2015, 2016 und 2017. Wie immer sind es neben den geografischen Highlights wie dem Radeln entlang der Meeresküste, den vielen Flüssen oder dem Überqueren der Rhön die vielen kleinen Episoden, die eine längere Radtour zu etwas Besonderem machen. Dazu zählt unter anderem das Wiedersehen mit Menschen, die ich jahrelang nicht mehr gesehen hatte, das Diskutieren unter Weinreben in Schleswig-Holstein oder der Besuch bei El Puente in ihrer Zentrale bei Hannover.

Ein großes Dankeschön an alle Helfer!

Wie immer ist eine solche Faire Biketour nur durch das engagierte Mitwirken viele Menschen möglich, bei denen allen ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte – sei es bei den Organisatoren der Vortragsveranstaltungen, meinen Gastgebern vor Ort oder den Besuchern der Vorträge. Ein besonderer Dank geht an die Umweltbank in Nürnberg, dem Partner der diesjährigen Biketour für die finanzielle Unterstützung. Lobend erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die Erfinder des „Duschbrockens“, einem kleinen Startup aus Stuttgart, die mir eine ihrer nachhaltigen Reiseseifen zum Ausprobieren mitgaben, die diese mit der Note „sehr gut“ bestanden hat. Der „Duschbrocken“ spart jede Menge Plastikflaschen und wird ohne Mikroplastik, Palmöl und Tierversuche hergestellt. Ein „Must“ für Vielreisende aber auch zu Hause sinnvoll.

Und 2019?

Nach der Radtour ist vor der Radtour. Doch ob es auch 2019 eine Faire Biketour geben wird, ist noch offen. Da die Organisation immer sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv ist (mache ich alles alleine!), wäre im kommenden Jahr eigentlich eine kreative Pause angesagt. Aber noch ist Zeit dies zu entscheiden. Mir macht es in jedem Fall immer wieder riesigen Spaß durch unser schönes, abwechslungsreiches Land zu radeln, zu sehen, wie sich die Radinfrastruktur allmählich verbessert,  und mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen. Und wenn ich es dann schaffe, den einen oder anderen Besucher meiner Vorträge von einer nachhaltigeren Lebensweise zu überzeugen, und mit dem Sammeln von Spenden mithelfen kann, die Lebensumstände von Kindern in ärmeren Ländern zu verbessern, dann  habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. In diesem Sinn: rauf aufs Rad!   

Montag, 1. Oktober 2018

Faire Biketour 2018 - die Schlusswochen


Weiter ging entlang der Fulda bis Rotenburg. Unterwegs dann mein Öko-Highlight der diesjährigen Tour: Der Seilkorb für Fahrräder, um die Fulda zu überqueren. Funktioniert mit einer Handkurbel und macht garantiert dicke Arme! Einen Tag später erreichte ich Fulda, wo ein Vortrag vor rund 130 Schülern anstand. Danach war dann Schluss mit lustig, denn die Rhön wollte überquert werden. Ich musste einen rund 45-minütigen steilen, fiesen Anstieg bewältigen und dies mit vollem Magen und in der Mittagssonne. Die Belohnung dann auf der bayerischen Seite, wo es rund 20 Kilometer bergab ging, ohne dass ich nennenswert kurbeln musste. Am Etappenziel in Bad Neustadt an der (fränkischen) Saale stand abends ein Vortrag auf dem Programm. Bemerkenswert: Der dortige Weltladen beteiligte sich mit 500 Euro an der diesjährigen Spendenaktion!

Von der Fulda über den Main bis zur Pregnitz

Nur rund 45 Kilometer hatte ich am nächsten Tag bis Schweinfurt zu radeln. Dort war ich in einem netten Hotel untergebracht, in dem sich früher einmal eine Bank befunden hatte. Nach einem gut besuchten Vortrag ging es am nächsten Tag weiter nach Uffenheim, das ich am Main entlang radelnd bis Kitzingen und dann 28 Kilometer fast nur bergauf fahrend erreichte. Wellig ging es mit dem Rad am nächsten Tag weiter bis Nürnberg und dann weitere 20 Kilometer bis Altdorf ausnahmsweise mit dem Zug, da ich es sonst nicht rechtzeitig zu meinem Vortrag bei der Umweltbank geschafft hätte, der bereits um 17 Uhr angesetzt war. Am nächsten Vormittag hielt ich einen kurzen Vortrag zum 40-jährigen Bestehen des Altdorfer Weltladens, der 300 Euro für die gute Sache spendete, und blieb noch eine Weile auf dem Fest.

Der Endspurt nach Füssen

Dann standen zwei reine Fahretappen auf dem Programm, die sich durch viel Wind und sehr kühles Wetter charakterisierten. Es ging zunächst von Altdorf bis Riedenburg im schönen Altmühltal und am nächsten Tag weiter bis Petershausen, wo ich abends die letzte Vortragswoche eröffnete. Darauf folgte ein Stopp mit Vortrag in Herrsching am Ammersee, dem Sitz der Indienhilfe e. V. Herrsching, an die das während der Fairen Biketour gesammelte Spendengeld geht. Auch in Bad Wörishofen, dem nächsten Etappenziel gab es eine Menge interessierte Zuhörer und ordentlich Spendengeld für die gute Sache. Nun rückten die Alpen immer näher und nach insgesamt fünf Wochen hatte ich Füssen, meinen letzten Vortrags- und Übernachtungsort erreicht. Am nächsten Tag nahm ich dann den Zug zurück nach Offenburg.

Demnächst folgt noch der Abschlussbericht. Nachfolgend aber zunächst wie gewohnt weitere Impressionen dieses Tourabschnitts.












Dienstag, 25. September 2018

Nachhaltig grillen …ja, das geht!


Holzkohle, die hierzulande tonnenweise in unseren Grills landet, stammt zu einem großen Teil aus illegal abgeholzten Urwaldflächen in Paraguay. „Die EU-Holzhandelsverordnung verbietet zwar, illegal geschlagene Tropenhölzer einzuführen, sie gilt jedoch nicht für Holzkohle“, sagt Katharina Weckerle von der FH Münster. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Kathrin Schwarzer hat sie für eine Projektarbeit zum Thema Grillen recherchiert. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Oecotrophologie-Studentinnen nun in der Broschüre „Nachhaltige Grillosophie“. Bei ihren Recherchen stießen Weckerle und Schwarzer auf bereits bestehende Alternativen zur Holzkohle: Kohle aus Kokosnuss-Schalen sowie Kohle aus Olivenresten und Olivenkernen. „Weil sie Abfallprodukte bei der Lebensmittelherstellung sind, muss kein Baum eigens für die Kohle gefällt werden“, erklärt Schwarzer. Die Kohle sei zwar teurer, aber man benötige weniger davon.

Die "Nachhaltige Grillosophie"

„Was gegrillt wird, hat zwar den größten Einfluss auf die Ökobilanz, aber die Studentinnen haben sich erfreulicherweise eben nicht nur darauf beschränkt“, sagt Prof. Dr. Carola Strassner, die Betreuerin der Projektarbeit. Neben dem Grillgut haben Weckerle und Schwarzer auch verschiedene Grills, unterschiedliche Energiequellen, die Grilltools, die Abfallvermeidung und rechtliche Aspekte beleuchtet. „Gemeinsames Grillen ist insbesondere unter Studierenden und anderen jungen Menschen sehr beliebt. Die ‚Nachhaltige Grillosophie‘ gibt da viele Tipps fürs nächste Mal“, sagt Sören Barge vom Eine Welt Netz NRW, der mit dem Projekt OpenMind das entwicklungspolitische Engagement von Studierenden unterstützt. Gefördert wird dieses aus Mitteln der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Quelle: UD/pm