Montag, 16. Juli 2018

Altersvorsorgeprodukte ökologisch und sozial stark belastet


Die Investitionen der gängigen fondsgebundenen Riesterprodukte in kontroverse Unternehmen sind nach wie vor hoch, nehmen sogar zu. Wirklich unbelastete, nachhaltige Riesterprodukte sind eher die Ausnahme, so das Fazit des Projektes FaireRente von Facing Finance, welches 38 fondsgebundene Riesterprodukte (inkl. 809 in Deutschland zugelassene Fonds) von 27 Anbietern in Bezug auf die Beachtung sozialer und ökologischer Kriterien erneut überprüft hat.  Geprüft wurden Beteiligungen (Aktien und Anleihen) an 315 Unternehmen, die im Konflikt mit sozialen und ökologischen Kriterien stehen (Methodik). „Besonders die Investitionen in Unternehmen die extrem zur Klimaerwärmung beitragen oder in Kriegsgebiete Waffen liefern, profitieren von Geschäftsmodellen, die die derzeitigen Hauptfluchtursachen zu verantworten haben“, kritisiert Thomas Küchenmeister,  geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. Zu diesen Unternehmen gehören Ölfirmen wie Shell, BP oder Chevron, die hauptverantwortlich sind für CO2 Emissionen, aber auch diverse Waffenhersteller wie z.B. Airbus/MBDA, BAE oder Rheinmetall, die an aktuell kriegführende Länder Waffen liefern oder Atomwaffen herstellen. Laut Kriterien von Facing Finance erwiesen sich Fonds, die z.B. vom Anbieter MyLife als Bestandteil seines Riester-Produktes angeboten werden, als erheblich belastet (zwischen 48% und 37%). Doch auch ein Deka-Fonds der Sparkassen (DekaLux-GlobalResources CF) weist hohe Belastungen auf, ebenso Produkte (TopRente Balance / Dynamik) der DWS (Deutsche Bank). Als zum Zeitpunkt der Untersuchung und laut Facing Finance Kriterien wenig belastet erwiesen sich u.a. die Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT T, Pictet - Global Environmental Opportunities-P EUR oder Generali IS SRI European Equity D Cap EUR.  

Auch „saubere“ Fonds belastet

Doch auch bei laut Anbieter als nachhaltig bezeichneten Fonds lassen sich kontroverse Unternehmen im Portfolio finden. Auffällig sind insbesondere 2 Fonds (F&C Responsible Global Equity Fund & Lyxor ETF New Energy), die bislang keine Belastungen aufwiesen, jetzt allerdings zu ca. 10 bzw. ca. 20% in kontroverse Unternehmen (wie z.B. Apple, AIRBUS, Bayer oder Shell) investiert sind.  „Fehlende gesetzliche Vorgaben und eine vom Gesetzgeber reduzierte Informationspflicht seitens der Anbieter führt dazu, dass VerbraucherInnen jetzt erst nach Vertragsabschluss erfahren, ob ihr Anbieter soziale und ökologische Kriterien beachtet“, beklagt Julia Dubslaff, Leiterin des Projektes FaireRente von Facing Finance. Die Organisation kritisiert zudem, dass auch der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD die Kopplung staatlicher Förderung von Altersvorsorgeprodukten an soziale und ökologische Mindeststandards ignoriert. „Deutschland verpflichtet sich völkerrechtlich Streubomben und Kinderarbeit zu verbieten, das Klima zu retten oder Waffenexporte in Kriegsgebiete zu untersagen, erlaubt aber nach wie vor steuerbegünstigte Investitionen in Unternehmen, die genau davon profitieren, was ein Skandal ist“, sagt Thomas Küchenmeister. Ebenso kritisch wird die Rolle von Verbraucherorganisationen wie der Stiftung Warentest und wissenschaftlichen Instituten (Institut für Vorsorge und Finanzplanung / IVFP) bewertet, die ökologischen und sozialen Standards bei der staatlich geförderten Altersvorsorge viel zu wenig oder gar keine Beachtung beimessen und damit zur Intransparenz beitragen.
Mehr Informationen unter: www.faire-rente.de & www.facing-finance.org
Quelle: Fair Finance/PM

Sonntag, 8. Juli 2018

Immer mehr Menschen kaufen fair!


Im Rahmen der Verbraucherbefragung 2018 zum Fairen Handel in Deutschland gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, fair gehandelte Produkte zu kaufen. Der Anteil der Käuferinnen und Käufer ist zwischen 2009 (44 %) und 2018 (69 %) somit um gut die Hälfte gestiegen. Der Anteil der regelmäßigen Käufer (min. einmal im Monat) ist zwischen 2009 (9 %) und 2018 (23 %) besonders stark angewachsen. Die meisten Käufer fairer Produkte sind in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (79 %) zu finden. Dabei kaufen Frauen (74 %) häufiger als Männer (63 %) fair ein. Generell steigt der Anteil der Käufer von Fair Trade-Produkten mit wachsendem Einkommen. Während er bei den Käufer in der niedrigsten Einkommensgruppe (unter 1.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) mit 57 % am niedrigsten ausfällt ist er in der höchsten Einkommensgruppe (über 2.500 Euro) mit einem Anteil von 76 % am höchsten.

Hauptkaufgrund: Kinderarbeit verringern

Während er bei den Käuferinnen  und Käufern in der niedrigsten Ein-kommensgruppe (unter 1.000 Euro Haushaltsnettoein- kommen) mit 57 % am niedrigsten ausfällt ist er in der höchsten Einkommensgruppe (über 2.500 Euro) mit einem Anteil von 76 % am höchsten. Unter den häufigen Käufern sind die Menschen in Nordrhein-Westfalen Spitzen- reiter. Am häufigsten kaufen Verbraucher in Deutschland fair gehandelte Produkte im Supermarkt (73 %) und im Discounter (64 %). Bei den Kaufgründen wird der Verzicht auf Kinderarbeit, wie in den vergangenen Jahren, mit 72 % am häufigsten genannt. Jedoch hat die umweltschonende Produktion bzw. Bioqualität der Produkte aus Fairem Handel mit einem Anteil von 44 % in 2018 für die deutschen Konsumenten an Bedeutung gewonnen.

Mehr Klimagerechtigkeit als politische Forderung

Die politischen Forderungen des Forum Fairer Handel genießen unter den Befragten ein sehr hohes Maß an Zustimmung. Am wichtigsten ist den Menschen die Forderung nach mehr Klimagerechtigkeit: Der Aussage "Die Haupt-verursacher des Klima-  wandels müssen für mehr Klimagerechtigkeit die sogenannten Entwicklungs-länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen" stimmten insgesamt 87 % der Befragten zu. Etwa genauso viele Befragte (86 %) begrüßten eine Begrenzung der Machtmacht der großen Einzelhandels-unternehmen. Es folgen die Forderung nach einer gesetzlichen menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht (Zustimmung von 85 %), einer fairen öffentlichen Beschaffung (84 %) sowie einer steuerlichen Begünstigung fairer Produkte (81 %).
Quelle: Forum Fairer Handel

Samstag, 30. Juni 2018

Palmöl-Bericht: Artensterben verschärft sich


Die Produktion von Palmöl trägt wesentlich zum Artensterben bei. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltnaturschutz-Union in einem neuen Bericht. Trotzdem sei Palmöl das geringere Übel, denn andere ähnliche Ölpflanzen bräuchten viel mehr Anbaufläche. Entscheidend sei, die rasante Ausdehnung von Plantagen zu drosseln.

Eine überaus ernüchternde Bilanz zieht die Weltnaturschutz-Union in ihrem Bericht: Die Palmöl-Produktion trage wesentlich zum Artensterben bei. Aber Palmöl komplett zu verbannen sei eben auch kein Weg, das Artensterben zu beenden. Denn – ein Aus für Ölpalmen würde nur zu einer Verlagerung des Problems führen. Tatsache ist: Weltweit steigt der Bedarf nach pflanzlichem Öl. Raps, Sonnenblumen oder ähnliche Ölpflanzen aber brauchen bis zu neun Mal so viel Platz und Boden zur Produktion derselben Mengen wie Ölpalmen. Palmöl stelle deshalb letztendlich das wohl geringere Übel dar, macht der Bericht deutlich. Obgleich sich der Betrieb von Ölpalmen-Plantagen negativ auswirkt auf 193 Arten, die auf der roten Liste der Weltnaturschutz-Union stehen, vom Aussterben bedroht sind. An vorderster Stelle Orang-Utans, Gibbon-Affen, Tiger – Bewohner tropischer Wälder. Wenn die nicht weiterhin abgeholzt würden für neue Plantagen, resümiert der Bericht, dann ließe sich die Umweltbilanz deutlich verbessern. Also: Wenn die Plantagen anders, um nicht zu sagen: überhaupt geplant würden. Das käme auch den Orang-Utans zugute, sagt Marc Ancrenaz. Der Wissenschaftler leitet seit über 20 Jahren ein Rettungsprogramm für die Menschenaffen im malaysischen Borneo. Malaysia und Indonesien halten 85 Prozent der globalen Palmöl-Produktion. Marc Ancrenaz: "Bei unserer Forschung haben wir festgestellt, dass Orang-Utans dank ihrer Intelligenz fähig sind, sich sogar einer drastischen Veränderung ihrer Umwelt anzupassen. Das soll nicht heißen, dass sie nun inmitten einer Ölpalmen-Plantage überleben könnten. Es soll aber heißen: Wenn wir bei neuen Plantagen mosaikartige Waldparzellen stehenlassen, biologische Korridore anlegen, hätten Menschenaffen sehr wohl eine Chance, zu überleben."

Keine einfachen Lösungen

Massiv für Ölpalmen-Plantagen abgeholzt wird vor allem in Malaysia und Indonesien. Weltweit allerdings gehen nur 0,4 Prozent der Rodungen auf die Palmöl-Produktion zurück, stellt der Bericht der Weltnaturschutz-Union klar. Und: Selbst wenn die 128-Seiten-Analyse kritisiert, dass als nachhaltig zertifiziertes Palmöl noch längst nicht wirklich nachhaltig ist, so kehrt sie auch hervor, was das Label positiv angestoßen hat. Erik Meijaard, einer der Hauptautoren, nennt ein Schlüsselwort. "Zusammenarbeit. Es ist bewusst, dass alle Hand in Hand agieren müssen, Konsumenten, Märkte, Produzenten und Regierungen. Und da geht es nicht nur um die Palmöl-Produktion. Da werden auch Maßstäbe gesetzt für die Hersteller anderer Pflanzenöle, wie beim Soja-Anbau in Argentinien und Brasilien." Der privaten Organisation RSPO, Roundtable for sustainable Palm Oil, 2003 gegründet, gehören inzwischen 3.500 Mitglieder an: Plantagenbesitzer, Händler, Vertreter der Industrien, die Palmöl nutzen. Und immer mehr Regierungen. RSPO und die Weltnaturschutz-Union sagen beide: Die Palmöl-Produktion ist ein überaus komplexes Thema. Einfache Lösungen für mehr Umweltverträglichkeit gibt es keine. Dafür aber Ansätze, um die rasante Ausdehnung von Plantagen zu drosseln. Indem beispielsweise Palmöl nicht mehr im Biosprit genutzt wird. Das hat gerade die Europäische Union beschlossen: Ab 2030 darf kein Palmöl mehr in den Tank. Bis kommenden November will auch der RSPO striktere Standards für mehr Nachhaltigkeit vorlegen, sagt dessen Präsident Datuk Darrel Webber. "Der Kunde ist Teil der Lösung. Wenn der Kunde aber nicht mit seinem Kauf die Produktion nachhaltigen Palmöls ermutigt, dann verlieren wir eine Gelegenheit, den Sektor positiv zu verändern."
Quelle: Deutschlandfunk/Suzanne Krause, Foto: Frank Herrmann

Donnerstag, 21. Juni 2018

Supermärkte im Check: Menschenrechte zu teuer!


Überall dort, wo Menschen Lebensmittel für Supermärkte in Deutschland und anderen Ländern produzieren, sind Leid und Ausbeutung an der Tagesordnung. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht „Die Zeit ist reif“. Der Bericht enthält neben vielen Fallbeispielen einen Supermarkt-Check, in dem die deutschen Supermarktketten miserabel abschneiden.

Weltweit nimmt die Ungleichheit in der Wirtschaft drastische Ausmaße an – auch im Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsektor: Supermarktketten dominieren die Märkte. Sie diktieren Lieferanten die Preise und streichen riesige Gewinne ein. Oftmals reichen die Löhne und Einkommen der Arbeiter/innen, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht einmal aus, um ihr Existenzminimum zu decken – also das, was sie für Essen, ein Dach über dem Kopf, Arztbesuche und nötige Rücklagen brauchen. Hinzu kommen Gewalt, Diskriminierung, Pestizideinsatz und Zwangsarbeit. Oxfams neuer Bericht „Die Zeit ist reif“ hat zahlreiche Beispiele für Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten der Supermärkte aufgedeckt. Der Bericht zeigt jedoch auch, dass Ungleichheit und Ausbeutung im Lebensmittelsektor gestoppt werden können. Vor allem Supermärkte müssen handeln. Sie sollten ihre starke Marktposition dazu nutzen, um den Missständen ein Ende zu setzen. Stattdessen wälzen Supermärkte Kosten auf ihre Lieferanten ab und drücken die Preise. So machen sie eine sozial gerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion nahezu unmöglich.

Deutsche Supermärkte schneiden miserabel ab

Im Oxfam Supermarkt-Check haben wir einige der größten und am schnellsten wachsenden Supermarktketten in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA miteinander verglichen. Unsere Bewertungskriterien:
  • Transparenz und Rechenschaftspflicht
  • Schutz der Rechte von Arbeiter/innen
  • Umgang mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
  • Schutz vor Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen
Die Untersuchung zeichnet ein klares Bild: Die „big four“ der deutschen Ketten (Aldi, Edeka, Lidl und Rewe) schneiden im Vergleich zu anderen Supermärkten mit am schlechtesten ab. Während Supermärkte aus Großbritannien und den USA teilweise zweistellige Prozentzahlen erreichten, wurden die deutschen Supermärkte in jeder Kategorie mit null bis acht Prozent der Gesamtpunktzahl bewertet. Bei speziellen Schutzmaßnahmen für Frauen konnte keine der deutschen Ketten Punkte erzielen, beim Schutz von Arbeiter/innen lag die höchste Bewertung bei zwei Prozent. Die aufgedeckten Missstände und das schockierende Ergebnis des Supermarkt-Checks zeigen, dass Supermärkte ihre Geschäftspolitik grundlegend ändern müssen. Denn eins steht fest: Wirtschaftliche Ausbeutung, Armut und menschliches Leid dürfen keine Zutaten unserer Lebensmittel in Supermarktregalen sein. Die Menschen, die das Essen produzieren, das in unseren Einkaufstüten landet, müssen fair bezahlt, ihre Gesundheit geschützt und ihre Rechte geachtet werden.
Quelle: Oxfam