Donnerstag, 8. Januar 2015

Strafgefangene statt illegale Arbeiter auf thailändischen Fischerbooten?



Viele Migranten schuften auf thailändischen Fischerbooten wie Sklaven (s. auch „Fair einkaufen-aber wie?“ Juni 2014). Um den Imageschaden zu beheben, will die Regierung nun Strafgefangene zur Zwangsarbeit verpflichten. Menschenrechtler sind entsetzt.

Von mittelalterlichen Sklaven sind die Arbeiter auf manchen thailändischen Fischerbooten kaum zu unterscheiden. „Sie arbeiten oft 20 Stunden unter schlimmsten Bedingungen“, sagt Sampong Srakaew. Der Thailand-Direktor der Hilfsorganisation Seafarers Action Centre hat einige der Arbeiter gerettet. Über die Zustände auf den Schiffen sagt er: „Wenn ein Arbeiter nicht zur Zufriedenheit des Bosses geschuftet hat, wird ihm das Essen verweigert, und manche sagen, sie seien mit Eisenstangen geschlagen oder angekettet worden.“ Viele Migranten aus Kambodscha, Myanmar oder Bangladesch, die verzweifelt Arbeit suchen, gehen Menschenhändlern ins Netz. Manche werden betäubt und entführt, wie Menschenrechtler dokumentiert haben. Der Arbeiterbedarf sei immens, sagt Annette Lyth von der UN-Organisation gegen Menschenhandel. Manche Boote sind drei Jahre auf See, der Lohn beträgt oft nur 168 Euro im Monat. „Deshalb besorgen oft Vermittler Arbeitskräfte“, sagt sie. Für Menschenrechtler sind sie Sklavenhändler.

Zwangsarbeit nichts Ungewöhnliches

Genaue Zahlen gibt es nicht, Schätzungen zufolge arbeiten rund 300.000 Menschen auf den Schiffen. Thailand ist der drittgrößte Exporteur von Fisch und Fischprodukten der Welt, nach China und Norwegen. Das Land exportiert rund 200.000 Tonnen für rund 6,7 Milliarden Euro im Jahr. 17 Prozent der Besatzungen haben nach einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Zwangsarbeit erlebt. Die Europäische Union hat deshalb Alarm geschlagen, in Europa und in den USA drohten Supermarktketten, thailändische Fischprodukte aus dem Sortiment zu nehmen. Das EU-Parlament zeigte sich entsetzt. „Das ist schockierend. Zwangsarbeit hat keinen Platz in unserer Welt“, meinte die bis November amtierende Kommissarin für Fischereifragen, Maria Damanaki, und verlangte eine umgehende Untersuchung – aber was ist seitdem geschehen?

Strafgefangene statt illegale Arbeiter?

Das thailändische Arbeitsministerium hat eine Idee lanciert, die Menschenrechtler auf die Barrikaden treibt: Strafgefangene könnten die illegalen Arbeiter ersetzen. „Das ist ein mörderischer Job mit Züchtigung“, sagt der stellvertretende Direktor von Human Rights Watch, Phil Robertson. „Das ist vergleichbar mit einem Todesurteil, denn mancher Arbeiter überlebt den Knochenjob nicht.“ Zwar plant die Regierung nun ein nationales Register, in dem alle Schiffe und alle Arbeiter, die darauf beschäftigt sind, registriert werden sollen. Das sei zwar lobenswert, sagt eine Sprecherin der EU-Delegation in Thailand, wie wirksam es sein wird, steht allerdings dahin. Bei den vorübergehend ausgesetzten Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Thailand werde die EU darauf bestehen, dass Thailand ILO-Standards gegen Zwangsarbeit umsetze. Sanktionen fasse die EU bisher nicht ins Auge.
Quelle: Greenpeace

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