Donnerstag, 16. Oktober 2014

Welternährungstag: 842 Millionen Menschen hungern



Der Welternährungstag (World Food Day) am 16. Oktober steht in diesem Jahr unter dem Motto “Nachhaltige Ernährungssysteme für Ernährungssicherheit“. Die UN legt dabei einen Fokus auf die lebenslangen Defizite, die chronische Unterernährung im Kindesalter verursacht. Eines von vier Kindern unter fünf Jahren sei durch seine chronische Unterernährung in seiner Entwicklung gehemmt. Nach Angaben des »UN-Kinderhilfswerkes UNICEF« sterben an Unterernährung rund 3,1 Millionen Kinder jährlich, vor allem Kinder unter fünf Jahren sind gefährdet. Unterernährung ist laut UN zudem eine direkte Folge von Armut: Viele Familien hätten schlicht nicht genug Einkommen, um sich ausreichend Lebensmittel kaufen zu können. Nach einem Anfang Oktober »veröffentlichten Bericht« der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (»Food and Agriculture Organisation of the United Nations, FAO«) waren im Zeitraum 2011 bis 2013 842 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Das entspricht rund einem Achtel der Weltbevölkerung.

Regionale Unterschiede …

Weltweit bestehen große Unterschiede bei der Nahrungsversorgung: Laut Jahresbericht der FAO lebt die überwältigende Mehrheit der Hungernden in weniger entwickelten Ländern (rund 98 Prozent), die meisten davon in Süd-Asien (295 Millionen). Der Anteil von Unterernährten an der Gesamtbevölkerung ist in Sub-Sahara-Afrika am größten, dort hungert jeder fünfte Mensch (223 Millionen). In den entwickelnden Industrieländern sind rund 16 Millionen Menschen betroffen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der »Welthunger-Index 2013 (WHI)«. Der WHI zählt weltweit 19 Länder in denen die Ernährungssituation „sehr ernst“ bis „gravierend“ ist, der Großteil auch hier in Südasien und Afrika südlich der Sahara. Besonders ernst sei die Versorgungslage derzeit in Burundi, auf den Komoren und in Eritrea. 

und kleine Fortschritte

Aber auch kleine Fortschritte lassen sich an den Daten ablesen: Die Zahl der chronisch unterernährten Menschen ist laut FAO-Bericht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht zurückgegangen (2010-2012: 868 Millionen). Damit fügt sich das Jahr 2013 in einen Trend: Seit den frühen neunziger Jahren ist die Zahl der Hungernden laut FAO um 17 Prozent gesunken. Verbessert hat sich die Lage vor allem in Ost- und Südostasien und in Lateinamerika. Der Welthunger-Index (WHI) greift diese Zahlen auf und kombiniert sie mit Daten von UNICEF und World Health Organization (WHO) zu Sterblichkeit und Untergewicht von Kindern unter fünf Jahren. Der WHI soll Aussagen über die Schwere des Hungers in einem Land ermöglichen und wird seit 2006 gemeinsam vom International Food Policy Research Institute (IFPRI), der Deutschen Welthungerhilfe und der irischen Hilfsorganisation Concern Worldwide herausgegeben. Der aktuelle WHI umfasst Daten der Jahre 2010 bis 2012.

Kleinbauern bedroht

Im Vorfeld einer Aktionswoche der Deutschen Welthungerhilfe (14. bis 18. Oktober) wiesen die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ und FIAN auf bestehende Probleme bei der effizienten Bekämpfung des Welthungers hin: Schlüsselprobleme seien die Bedrohung der regionalen und lokalen Landwirtschaft durch die Verdrängung von Kleinbauern und die fortschreitende Privatisierung von Ackerland in den Entwicklungsländern. Zudem kritisierten die Hilfsorganisationen, dass Frauen in vielen Ländern kaum Rechte haben, obwohl sie maßgeblich an der weltweiten Produktion von Nahrungsmitteln beteiligt sind.
Quelle: bpb

Sonntag, 12. Oktober 2014

Nahrungsmittelabfälle: hohe wirtschaftliche, soziale und ökologische Kosten


Etwa ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion wird nicht konsumiert sondern weggeworfen oder geht entlang der Wertschöpfungskette verloren. Nahrungsmittelabfälle kosten die Welt pro Jahr 2,6 Billionen Dollar. Dabei geht es nicht nur um den Verlust immenser Mengen an Nahrungsmitteln, sondern auch um große negative Umweltwirkungen und die damit zusammenhängenden Kosten für die Gesellschaft. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat in einer Studie von 2011 erstmals die Menge der Nahrungemittelabfälle quantifiziert. In einer weiteren Studie von 2013 wurden die damit verbundenen Umweltwirkungen berechnet. Die nun vorliegende Studie, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zusammen mit der FAO und Forschern der London School of Economics erarbeitet hat, beziffert erstmals die volkswirtschaftlichen Kosten dieser Nahrungsmittelabfälle und berechnet Kosten und Nutzen von beispielhaften Vermeidungsmaßnahmen. So zeigt sich, dass die direkten Kosten durch die verlorene Produktion etwa eine Billion US-Dollar ausmachen, die Umweltkosten etwa 700 Milliarden und die sozialen Kosten etwa 900 Milliarden. Zusammen sind das 2,6 Billionen US-Dollar oder etwa vier Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Bei den Umweltkosten sind vor allem die Treibhausgasemissionen und der Wasserverbrauch für Bewässerung in Regionen mit Wasserknappheit wichtig, bei den sozialen Kosten sind es Gesundheitskosten, Konflikte und Wohlfahrtsverluste aufgrund schwindender Lebensgrundlagen.

Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen als oberstes Ziel

Während die direkten Kosten einigermaßen verlässlich abzuschätzen sind, sind die Umweltkosten sehr stark von Annahmen, wie zum Beispiel den Schadenskosten einer Tonne Treibhausgasemissionen oder der Wasserknappheit in verschiedenen Regionen abhängig. Weitaus am unsichersten sind aber die sozialen Kosten, die auf geschätzten Wohlfahrtsverlusten verschiedener Bevölkerungsgruppen beruhen. Die Autoren der Studie betonen weiter, dass trotz Verwendung der besten erhältlichen Daten noch viele und zum Teil wesentliche Datenlücken bestehen. Deswegen ist zu erwarten, dass die vorliegenden Kostenschätzungen eher an den unteren Grenzen liegen. In einer begleitenden Studie wurden die Kosten und Nutzen verschiedener konkreter Maßnahmen, um Nahrungsmittelabfälle und -verluste zu reduzieren, quantifiziert. Diese ergänzt die globalen Kostenschätzungen um konkrete Fallstudien zu möglichen Maßnahmen und um Schätzungen, was diese an Kosteneinsparungen und reduzierten Umweltwirkungen bewirken könnten. Dabei zeigt sich, dass die Wirkung der Maßnahmen sehr stark von der Art der Nahrungsmittelabfälle und von den betrachteten Indikatoren abhängt. Tendenziell wird klar, dass die Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen erstes Ziel bleibt, da sie vorteilhafter als Wiederverwertung ist, auch wenn letztere sehr effizient organisiert werden kann.
Quelle: Pressemeldung FIBL

Hier geht es zu den Studien (alle engl.):

Freitag, 10. Oktober 2014

Mehr Verantwortung bei Elektronik-Herstellern

Verschiedene IT-Marken zeigen bereits ein größeres Engagement für soziale und ökologische Verantwortung. Ein neuer Bericht von TCO Development zeigt, dass 17 Marken ihre Bemühungen verstärkt haben, Verhaltensregeln und korrektive Maßnahmen zu implementieren, indem sie die Plattform von TCO Certified nutzen, die von der Nachhaltigkeitsorganisation TCO Development geleitet wird. Elektronik und IT-Produkte werden größtenteils unter schwierigen Arbeitsbedingungen in Lieferketten mit hohem Preisdruck hergestellt. Dieser Druck führt zu extrem vielen Überstunden, unsicheren Arbeitsumgebungen und anderen negativen Folgen für die Arbeiter. Während einige Marken zu verantwortungsvolleren Praktiken übergehen, ist es wichtig, dass Unternehmen, die IT-Produkte kaufen, Werkzeuge wie die neue EU-Richtlinie für öffentliche Einkäufe (EU Public Purchasing Directive) nutzen, um die nachhaltigere Herstellung von Elektronik weiter voranzutreiben.

Soziale und ökologische Faktoren berücksichtigen

Niclas Rydell von TCO Development kommentierte: "Seit Kriterien für die soziale Verantwortung in das Programm TCO Certified aufgenommen wurden, sehen wir, das ein offenerer Dialog zwischen Marken und Anbietern stattfindet sowie ein höheres Markenbewusstsein bezüglich der Abläufe der Lieferkette." Indem eine sozial verantwortliche Herstellung bei der Auswahl von IT-Produkten in den Vordergrund gestellt wird, können Käufer die Marken direkt zu einer kontinuierlichen Verbesserung anregen. Die neue EU-Richtlinie für öffentliche Einkäufe drängt Käufer dazu, beim Kauf von IT-Produkten soziale und ökologische Faktoren zu berücksichtigen und Zertifizierungen zur Überprüfung der Einhaltung dieser Anforderungen bei den Produkten zu nutzen. "Die Herausforderung besteht für Käufer darin, herauszufinden, ob die Produkte, die sie kaufen, tatsächlich den eigenen gesetzten Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. TCO Certified bietet diesen Nachweis und stellt damit sowohl den Herstellern als auch den Käufern die vertrauenswürdige Überprüfung durch Dritte bereit", schloss Niclas Rydell.

Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte

TCO Certified ist eine internationale Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte durch Dritte. Die Kriterien von TCO Certified umfassen ökologische und soziale Risiken im gesamten IT-Produktlebenszyklus.
Quelle: DU/pm

Hier gelangen Sie zum vollständigen Bericht von TCO Development (engl.).

Dienstag, 7. Oktober 2014

Nestlé lehnt Goldenen Windbeutel ab



foodwatch-Aktivisten haben Anfang Oktober in Frankfurt versucht, den Goldenen Windbeutel an Nestlé zu übergeben. Doch das Unternehmen lehnte den Negativpreis ab – und empfiehlt seine Alete Trinkmahlzeiten weiterhin unbeeindruckt mit allerlei Gesundheitsversprechen für Säuglinge. foodwatch forderte Nestlé auf, die unverantwortlichen Babyprodukte vom Markt zu nehmen. Die Konzernspitze des Nahrungsmittelriesen stand für ein Gespräch mit foodwatch nicht zur Verfügung. Unternehmenssprecher Achim Drewes erklärte vor dem Nestlé-Hochhaus lediglich, von einer Werbelüge könne „keine Rede sein, geschweige denn von einer Gesundheitsgefährdung“. Den Goldenen Windbeutel „können Sie gleich wieder mitnehmen“. Nestlé sei der Kritik von Kinderärzten mit Produktänderungen bereits vor Jahren nachgekommen, so der Sprecher. Die Alete Trinkmahlzeiten seien „bedenkenlos“ und für „Babys ab dem 10. Monat geeignet“.

Nestlé gibt sich beratungsresistent

Tatsächlich hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) bereits 2007 Trinkbreieals „unverantwortlich“ bezeichnet und einen Vermarktungsstopp gefordert. Nestlé reagierte darauf mit einigen Produktänderungen – nach wie vor jedoch bestätigt die DGKJ ihre Kritik an den Produkten. In einer E-Mail vom 30. Juli 2014 bestätigte Prof. Berthold Koletzko, der Vorsitzende der DGKJ-Ernährungskommission: „Die DGKJ spricht sich weiterhin gegen sogenannte Trinkbreie aus.“ Zudem betonen die Kinderärzte, sollten Breie nicht aus Flasche oder Becher getrunken, sondern mit dem Löffel gefüttert werden – Nestlé selbst empfiehlt dagegen Becher bzw. Tassen für seine Kalorienbomben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) raten von Trinkmahlzeiten wegen des Risikos der Überfütterung und der frühkindlichen Kariesbildung grundsätzlich ab. 
Quelle: foodwatch

Samstag, 4. Oktober 2014

Der ausgelaugte Planet – Living Planet Report 2014


Die Umweltorganisation WWF berechnet in ihrem Living Planet Report jedes Jahr den ökologischen Fußabdruck der Weltbevölkerung sowie einzelner Staaten. Besonders Deutschland hat große Füße. Einen Wert von 2,6 attestiert der WWF der Bundesrepublik, umgerechnet in Schuhgrößen wohl mindestens eine 59. Hinter der Zahl steckt die Überlegung, wie viele Erden wir bei derzeitiger Ressourcennutzung eigentlich bräuchten. Deutschland verbraucht also weit mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm laut WWF eigentlich zur Verfügung stehen. Aber wir wären nicht Exportweltmeister, wenn sich nicht auch dieses Problem durch Expansion lösen ließe. Was hierzulande an Anbauflächen fehlt, wird anderswo beschafft. In Südamerika werden rund 2,2 Millionen Hektar zum Anbau von Soja genutzt - Futtermittel für deutsche Nutztiere. Die Welt wird also nicht nur mit wahnsinnig wettbewerbsfähigen Produkten »Made in Germany« überhäuft, unseren ökologischen Fußabdruck bekommen sie gratis dazugeliefert.

Bald brauchen wir eine zweite Erde

Aber nicht nur Deutschland, das sonst beim Thema Schulden die Nase ganz weit oben trägt, lebt ökologisch weit über seine Verhältnisse: Die USA beuten die Natur derart aus, dass ganze vier Erden nötig wären. Und die gesamte Weltbevölkerung verbraucht anderthalb mal so viele Ressourcen, wie der Planet bereithält. Brandes warnt: »Wir entziehen uns und unseren Kindern die Lebensgrundlagen in schwindelerregender Geschwindigkeit.« Mache die Menschheit weiter wie bisher, seien 2030 zwei komplette Planeten nötig, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Die Folgen des Raubbaus sind bereits heute spürbar: Hungersnöte und Wetterkatastrophen nehmen drastische Ausmaße an.

Hauptprobleme Stickstoff, Biodiversität, Klimawandel

Drei Entwicklungen sind laut Living Planet Report besonders alarmierend: der Klimawandel, die Stickstoffnutzung und die Abnahme der Biodiversität. In den letzten 40 Jahren hat sich die Anzahl von Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Fischen nach WWF-Berechnungen mehr als halbiert. Und während der Klimawandel in der Öffentlichkeit zunehmende Beachtung genießt, steuert das Stickstoffproblem still und heimlich in eine Katastrophe. Denn die übermäßige Nutzung des Gases in der Landwirtschaft verwandelt Gewässer und Böden in sauerstoff- und nährstofffreie »Todeszonen«, in denen kein Leben entstehen kann.

Taten statt immer mehr Konzepte

Was Brandes nicht mehr hören könne, sei der Ruf nach immer neuen Nachhaltigkeitskonzepten. »Wir haben die Konzepte. Wir müssen nur einfach anfangen.« Die Bundesrepublik stehe dabei ganz besonders in der Verantwortung. Ob es Deutschland passe oder nicht, es habe in der Welt eine Vorbildfunktion, die es zu nutzen gelte. »Dass Angela Merkel nicht zum Klimagipfel fährt, ist für die Bedeutung des Klimawandels in der öffentlichen Wahrnehmung ein schlechtes Signal.« Dringend nötig sei eine 180-Grad-Drehung in der Agrarpolitik und die konsequente Umsetzung der Energiewende. Die Zeit drängt.
Quelles: Neues Deutschland

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Mengenausgleich bei Fairtrade: Nicht immer ist fair drin, wo fair drauf steht






Wer ein fair gehandeltes Produkt kauft, geht davon aus, dass was auf der Verpackung steht, auch in der Ware enthalten ist. Doch das ist nicht immer der Fall. Seit 2011 erlaubt die Siegelorganisation Fairtrade International den sogenannten Mengenausgleich für Kaffee, Tee, Kakao und Orangensaft. Danach muss ein Hersteller lediglich nachweisen, dass er einen bestimmten Prozentsatz fair produzierter Ware einkauft und denselben Prozentsatz wieder verkauft. Es können sich in der Weiterverarbeitung also faire und nicht faire Bestandteile vermischen und es kann der Fall eintreten, dass ein Fairtrade-zertifizierten Produkt physisch keine fairen Bestandteile enthält, obwohl das Siegel auf der Packung für das Gegenteil steht.

Technische Gründe verhindern Rückverfolgbarkeit

Was eigentlich als Ausnahme gedacht war, scheint nun in Deutschland immer mehr zur Regel zu werden. Fairtrade begründet den Mengenausgleich als „entwicklungspolitische Notwendigkeit“, die es einigen Kleinbauernorganisationen erst ermöglicht, am Fairtrade-System teilzunehmen. Denn meistens liefern diese Bauern den Rohstoff, lassen ihn aber an anderer Stelle weiterverarbeiten. Liefern kleinere Produzenten-Organisationen nicht genug Rohstoffe für eine Fabrikations-Charge, erfolgt zwangsläufig eine Mischung mit Rohstoffen, die nicht von Fairtrade-Erzeugern stammen. Manche Firmen weisen darauf hin, dass sie Fairtrade-Produkte aus technischen Gründen nicht separieren können. Wenn auch für diese Fälle physische Rückverfolgbarkeit verlangt würde, wäre es möglich, dass die Bauern und Arbeiter ihre Produkte nicht mehr unter Fairtrade-Bedingungen verkaufen könnten. FLO-Cert stellt laut Fairtrade International durch detaillierte Dokumentationen und Kontrollen sicher, dass die von einem internationalen Konzern eingekaufte Menge von Fairtrade-zertifizierter Rohware der in den Produkten verarbeiteten Menge von Fairtrade-zertifizierter Rohware entspricht. Unabhängig davon wird der Preis für die Fairtrade-zertifizierte Rohware nach den üblichen Fairtrade-Kriterien an die Genossenschaft ausbezahlt. 

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Reicht das als Begründung?  Die Mitglieder des Forums Fairer Handel – der Weltladen-Dachverband, BanaFair, DWP, EL PUENTE, GEPA, GLOBO und Naturland – sehen Mengenausgleich im Fairen Handel äußerst kritisch. In einem Positionspapier legen sie ihren Standpunkt dar: Was auf der Verpackung steht, sollte auch in der Verpackung drin sein. Das ist für Bioware unabdingbar und das erwarten Kunden auch von fair gehandelter Ware. Die Mitglieder des Forums finden es daher sehr bedauerlich und für die Glaubwürdigkeit des Fairen Handels gefährlich, dass diese berechtigte Kundenerwartung im Fairtrade-System nicht mehr erfüllt wird. Einen klaren Standpunkt bezieht die GEPA, Deutschlands größte Fairhandels-Importorganisation: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass der Kunde nach wie vor das erhält, was direkt von unseren kleinbäuerlichen Partnern kommt", erklärt Gepa-Geschäftsführer Thomas Speck in einem Gespräch mit Bio-Markt.Info. Über kurz oder lang, so die Befürchtung, könne es zu einem erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit kommen, wenn beim Verbraucher ankommt, dass nicht das in der Packung enthalten ist, was auf dem Etikett steht. "Irgendwann wird diese tickende Zeitbombe hochgehen", vermutet Speck, das ganze System des Fairen Handels könne grundsätzlich Schaden nehmen. Mengenausgleich kann nur im Ausnahmefall vertretbar sein, wenn beispielsweise die Partner im Süden noch nicht über die nötige Infrastruktur für eigene Weiterverarbeitung verfügen. Ganz konsequent ist man aber auch bei der GEPA nicht. Obwohl der Fairtrade-Mengenausgleich abgelehnt wird, lässt man sich weiterhin von FLO-Cert, der Kontrollstelle der Fairtrade-Produkte zertifizieren – ersetzt aber auf den Packungen das blau-grüne Fairtrade-Logo zunehmend durch das GEPA-Plus-Zeichen.