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Freitag, 20. März 2026

Problematischer Kaffee-Genuss

Die neue Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und Coffee Watch zeigt, dass der deutsche Kaffeekonsum weiterhin mit negativen Auswirkungen wie Waldzerstörung, dem Einsatz von giftigen Pestiziden und Arbeitsrechtsverletzungen verbunden ist. Untersucht wurde die Umsetzung von Sorgfaltspflichten in den Kaffee-Lieferketten von 21 deutschen Unternehmen. Besonders große Mängel wurden bei der Erfassung von Anbauflächen und dem Monitoring von Agrochemikalien festgestellt. Die Unternehmen J.J. Darboven, Bela und Dallmayr schneiden dabei am schlechtesten ab. Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen: Einige Firmen, wie Alnatura, JDE Peet’s, Seeberger und Tchibo, investieren in eine transparentere Beschaffung und versuchen, Risiken für Mensch und Natur zu minimieren. Diese Fortschritte könnten jedoch gefährdet sein, da wichtige Gesetze wie die EU-Entwaldungsverordnung und das deutsche Lieferkettengesetz möglicherweise abgeschwächt oder verzögert werden.

Quelle: DUH, Zusammenfassung: Frank Herrmann; Bild unten: Frank Herrmann

Montag, 14. Oktober 2024

Falsche Versprechen: Nescafés verantwortungsvolle Kaffeebeschaffung?

Die Schweiz ist ein Kaffeeland. Ein großer Teil des weltweiten Handelsgeschäfts wird von dort gesteuert, zudem hat das weltgrößte Kaffeeunternehmen hier seinen Hauptsitz: der Lebensmittelriese Nestlé. Die Vormachtstellung bringt auch eine große Verantwortung mit sich. Denn während die Nachhaltigkeitsversprechen der Branche immer vollmundiger werden, verdient ein großer Teil der Kaffeebäuerinnen und -bauern noch immer kaum genug zum Leben. Nestlé hat versprochen, bis 2025 nur noch «verantwortungsvoll» produzierten Kaffee zu verkaufen und dafür 2010 den Nescafé Plan ins Leben gerufen. Public Eye hat in einer ausgiebigen Recherche das Nachhaltigkeitsprogramm unter die Lupe genommen und ist zu Kaffeebäuerinnen und Erntearbeitern in Mexiko und Brasilien gereist. Das Resultat ist ernüchternd: Während Nestlé mit dem Kaffeegeschäft anhaltend hohe Gewinne erzielt, hat sich die Situation der ProduzentInnen kaum verbessert. Im Gegenteil: Mit den anhaltend tiefen Preisen, die Nestlé bezahlt, wissen heute viele nicht mehr, wie sie über die Runden kommen sollen.

Quelle: Public Eye

Montag, 26. August 2024

Profitabel, aber nicht für alle

Kaffee geht auf dem Weg zum Verbraucher durch viele Hände. Wer dabei wie viel verdient, wollten drei Organisationen wissen, die sich für nachhaltigen Handel einsetzen – die Global Coffee Platform, die Stichting IDH und Fundacion Solidaridad Latinoamericana. Sie haben für eine neue (englischsprachige) Studie abgeschätzt, welche Profite der in Deutschland verkaufte Kaffee für wen abwirft. Deutschland ist der größte Kaffeeverbraucher Europas und der drittgrößte der Welt. Bei den Erzeugern konzentriert sich die Studie auf vier der größten fünf Lieferländer für Deutschland, nämlich Brasilien, Äthiopien, Vietnam und Kolumbien. Außer Haus getrunkener Kaffee ist außen vor. Die Studie analysiert mit vielen Zahlen den deutschen Kaffeemarkt. Zum Beispiel führe die Konkurrenz der Supermärkte zu einem großen Preisdruck bei gemahlenem Kaffee und – etwas weniger – bei ganzen Bohnen. Große Marken dominierten und erzielten etwas mehr Gewinn als kleine Röstereien. Und vom gesamten Nettogewinn erhielten Röster und der Einzelhandel den größten Batzen; Exporteure und die Speditionen erzielten kleine, aber stabile Profite. Dramatisch teurer sind laut der Studie Kaffeekapseln; sie sind profitabler für Röster und den Einzelhandel, kaum aber für die anderen Beteiligten.

Zertifizierter Kaffe bringt den Bauern mehr

Der Verdienst der Bauernfamilien ist laut der Studie im Schnitt gering, vor allem weil die Arbeit von Familienmitgliedern nicht als Kosten mitgerechnet ist. Allerdings findet sie hier große Unterschiede je nach Art und Größe des Betriebs. Und etwas besser sehe es bei Kaffee aus, der von der Rainforest Alliance (RA) oder Fairtrade zertifiziert ist. Beide Siegel wirken sich interessanterweise ganz verschieden aus: Der RA-Kaffee, der rund ein Drittel des Marktes ausmacht, kostet laut der Studie im Schnitt weniger als konventioneller und bringt Röstern und dem Handel weniger Gewinn, während die Erzeuger etwas besser dastehen – allerdings auch, weil darunter viele große und effiziente Plantagen sind. Dagegen ist Fairtrade-Kaffee deutlich teurer als konventioneller, stammt oft von den kleinsten und schwächsten Erzeugern und bringt sowohl denen als auch den Röstern und dem Handel mehr ein. Aber er ist eine kleine Nische. Insgesamt, so die Studie, haben die Erzeuger kaum Einfluss auf den Preis. Einen einfachen Weg, ihren Anteil zu erhöhen, gebe es aber nicht – was jeweils sinnvoll sei, hänge vom jeweiligen Produkt und von den besonderen Anbaubedingungen ab.

Quelle: Weltsichten