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Dienstag, 22. Oktober 2024

Gold - ein kritischer Blick hinter die glänzende Fassade

Gold, das seit Jahrtausenden als Inbegriff von Wohlstand, Schönheit und Macht gilt, gehört zu den ältesten von Menschen genutzten Materialien. Doch hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich eine weniger glanzvolle Realität, besonders wenn es um die Goldförderung geht. Die Umweltschäden als Folgen des Abbaus sind gravierend: Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung sowie gesundheitliche Risiken durch den Eintritt von Zyanid und Quecksilber in die Nahrungskette. Hinzu kommen Menschenrechtsverletzungen und Landenteignungen. Der kritische Konsumführer der Kampagne Bergbau Peru beleuchtet, wo Gold in unserem Alltag präsent ist – von Schmuck über Elektronik bis hin zum Investment. Gleichzeitig zeigt er nachhaltige und ethische Alternativen auf und fragt, ob und wo wir auf Gold verzichten sollten.

Quelle: Informationsstelle Peru e.V.

Montag, 10. Juli 2023

Wann kommt der Reparaturbonus?

Reparaturen sollen erschwinglich und attraktiv werden: Zwanzig zivilgesellschaftliche Organisationen und Unternehmen fordern die Bundesregierung auf, einen bundesweiten Reparaturbonus einzuführen. Für Reparaturen an Elektro- und Elektronikgeräten soll der Staat 50 % der Reparaturkosten bis zu 200 € erstatten. Dafür hat das Bündnis eine gemeinsame Petition gestartet, mit der sich Verbraucherinnen und Verbraucher der Forderung anschließen können.

 

Jeder Mensch in Deutschland produziert etwa 20 Kilogramm Elektroschrott im Jahr. Nicht einmal ein Viertel aller defekten Elektrogeräte wird aktuell repariert. Dabei zeigen Umfragen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gern mehr reparieren würden, Reparaturen aber zu aufwändig und teuer sind. In Thüringen und Österreich wurde bereits ein Bonus eingeführt, der stark nachgefragt wird.

Wir fordern, dass Reparaturen zu fünfzig Prozent und mit bis zu 200 Euro gefördert werden. Ein Reparaturbonus schont das Klima, minimiert den enormen Ressourcenverbrauch, entlastet Bürger*innen in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten und fördert die lokale Wirtschaft“, so Katrin Meyer, Koordinatorin des Runden Tisch Reparatur.

Unser viel zu hoher Verbrauch an metallischen Rohstoffen trägt massiv zur Klimakrise bei und führt zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im Globalen Süden. Die Bundesregierung hat sich zwar im Koalitionsvertrag zur Senkung des Rohstoffverbrauchs und zum Recht auf Reparatur bekannt, mehr ist bisher aber nicht passiert“, kritisiert Julius Neu, Referent für Rohstoffpolitik, Wirtschaft und Menschenrechte bei INKOTA. Aktuell erarbeitet die Bundesregierung eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie – dort sollte der Reparaturbonus verankert und die Senkung des Rohstoffverbrauchs eingeleitet werden. Das Bündnis ruft die Bundesregierung ebenfalls dazu auf, das Anfang 2022 angekündigte Aktions- und Förderprogramm „Reparieren statt Wegwerfen“ schnellstmöglich zu veröffentlichen.

Hohe Reparaturkosten sind unter anderem dafür verantwortlich, dass weniger repariert wird und Produkte schneller zu Abfall werden. „Der Reparaturbonus ist ein bürgernahes Beispiel dafür, wie zirkuläres Wirtschaften über Recycling hinaus politisch gestützt werden kann.“, erklärt Luisa Denter, Referentin für Ressourcenpolitik und zirkuläres Wirtschaften bei Germanwatch.

Der Reparaturbonus ist nach Ansicht des Bündnisses nur ein erster Schritt zu einem umfassenden Recht auf Reparatur. Die Regierung ist in der Pflicht, innovative Maßnahmen umzusetzen, um das Reparieren wieder attraktiver für Verbraucher*innen zu machen. „Damit mehr repariert werden kann, muss die Politik kluge Rahmenbedingungen setzen. Angefangen von verfügbaren und erschwinglichen Ersatzteilen bis hin zu Produkten, die langlebig und leicht zu reparieren sind“, so Indra Enterlein, NABU-Teamleitung Ressourcenpolitik.

Quelle: Inkota

Dienstag, 12. April 2022

Konzernkritik und die Alternativen: "Der Mächtigen Zähmung"

Faire Löhne, nachhaltige Produkte, klimaneutrales Wirtschaften – viele Konzerne geben vor, die Umwelt zu schützen und Menschenrechte einzuhalten. Doch zwischen Versprechen und Realität klaffen meist große Lücken, globale Ungleichheiten nehmen weiter zu. Die Politik hat diese Entwicklungen begünstigt. Jahrzehntelang hat sie auf Eigenverantwortung der Unternehmen und ihr freiwilliges Engagement gesetzt. Doch Autor Frank Herrmann ist überzeugt: Freiwilligkeit reicht nicht. Wir brauchen mehr Anreize für nachhaltiges Handeln, höhere Standards und bessere Möglichkeiten, Regelverstöße auch zu ahnden.

 

Das neue Buch von „Fair einkaufen – aber wie?“- Autor Frank Herrmann ist zzt. vergriffen und nur digital beim oekom-Verlag erhätlich!




Freitag, 4. Februar 2022

Wie fair ist das Fairphone wirklich?

Eines der Versprechen des niederländischen Herstellers Fairphone lautet: „Material für Material arbeiten wir daran, Branche und Verbraucher zu sensibilisieren und fairere, recycelte und verantwortlich gehandelte Materialien in unsere Smartphones zu integrieren.“ Anhand der Lieferkette von Zinn, einem wichtigen Mineral der Smartphone-Produktion geht das Schweizer Recherchekollektiv „das Lamm“ Ungereimtheiten beim Abbau und der Weiterverarbeitung des angeblich nachhaltigen Produkts nach.

Hier geht es zur vierteiligen Story:

Teil 1: Fairphones Zinnlieferkette: Different but same

Teil 2: Wenn Zertifikate Menschenrechtsverletzungen vertuschen

Teil 3: Fairphone: Der Preis des Wachstums

Teil 4: Wenn das Geld abfliesst

Donnerstag, 13. Mai 2021

Besser shoppen – die Amazon-Alternativen

Der Commerce-Gigant Amazon ist einer der wenigen Gewinner der Corona-Pandemie. 2020 markierte für den Riesen ein Rekord-Geschäftsjahr - mit einer weltweiten Umsatzsteigerung von 38 Prozent zum Vorjahr. Und das trotz der Vorwürfe von schlechten Arbeitsbedingungen, der Monopolisierung und dem Druck auf Verlage. Doch die schnelle Lieferzeit, der kostenlose Versand für Prime-Kunden und die augenscheinlich günstigen Preise überwiegen bei der Kaufentscheidung vieler VerbraucherInnen. Auch wenn die Konkurrenz schon längst mithalten kann. Ob Bücher, Elektronik oder Mode: Es gibt oft nicht nur günstigere, sondern auch nachhaltigere Alternativen - online sowie offline.

Bücher: Thalia, Fairbuch, Medimops

Händler wie Thalia, Hugendubel, oder buecher.de liefern innerhalb Deutschlands nicht nur kostenfrei, sondern auch innerhalb kürzester Zeit. Damit das Aussterben der kleinen Händler verhindert wird, lohnt es sich bei der Buchhandlung des Vertrauens (vor Ort) umzuschauen. Bei geniallokal.de können die Bücher online aus 650 Buchhandlungen nach Hause oder in das nächste Geschäft per Click&Collect bestellt werden. Der soziale Onlinehandel Fairbuch versendet nicht nur versandkostenfrei, sondern spendet auch zwei Prozent des Verkaufspreises an die Kindernothilfe. Wenn es nicht immer ein neues Buch sein muss, können gebrauchte Schnäppchen bei Verkaufsplattformen wie booklooker.de und Medimops geschlagen werden.

Elektronik: Refurbed, Notebooksbilliger

Verbraucher sollten sich nicht zu schnell von augenscheinlichen Angeboten und Streichpreisen blenden lassen. Ein Vergleich mit anderen Onlineshops lohnt sich - und nicht nur die Marktführer MediaMarkt und Saturn werben immer wieder mit unschlagbaren Preisen, sondern auch spezialisierte Fachhändler. Soll es zum Beispiel ein neuer PC, Laptop oder Tablet sein, ist notebooksbilliger.de bei manchen Produkten sogar bis zu 15 Prozent billiger als Amazon. Es sollte auch geschaut werden, ob es sich bei vermeintlichen Schnäppchen um Vorgängermodelle handelt und wie lange sich das Produkt in der Regel hält. Wenn es nicht unbedingt neu sein muss, ist refurbed.de eine nachhaltige und günstige Anlaufstelle. Hier können Produkte nicht nur bis zu 40% günstiger gekauft, sondern auch gemietet werden. Jedes Gerät kommt mit einer Garantie von mindestens 12 Monaten.

Andere Shops und Marktplätze: Fairmondo, Avocadostore, Kivanta

Eine grüne Alternative zu Amazon, bezüglich des Preises und der Auswahl, gibt es in der Größenordnung noch nicht, aber die Plattform Fairmondo versucht es - und das schon ziemlich erfolgreich. Die Aufmachung der Plattform ähnelt der des riesigen Konkurrenten, jedoch wird hier auf große Investoren und das schnelle Geld verzichtet. Die Genossenschaft unterstützt den nachhaltigen Konsum und will als fairer Marktplatz agieren. Ein guter Anfang! Wer Fashion und schicke Einrichtungsgegenstände liebt und dabei fair und nachhaltig shoppen möchte, sollte online den Avocadostore aufsuchen. Alle Anbieter auf der Seite werden auf Nachhaltigkeitskriterien geprüft, bevor deren Produkte auf der Seite vertrieben werden. Komplett plastikfrei geht es beim Shop Kivanta zu. Hier finden Verbraucher alles für den Haushalt - nachhaltig und ohne Schadstoffe.

Quelle: sparwelt.de

Montag, 23. November 2020

Globale Marken setzen auf Zwangsarbeit von Uiguren

Apple, Samsung und Sony gehören zu den 83 globalen Marken, die in Fabriken von Zulieferern auf uigurische Zwangsarbeit setzen.

Mindestens 80'000 Arbeiterinnen und Arbeiter der muslimischen Minderheit der Uiguren arbeiten unter miserablen Bedingungen und weit entfernt von ihrem Wohnort in 27 chinesischen Fabriken, die einige der größten Marken der Welt beliefern. Ein Bericht eines australischen Think-Tanks hat nun 83 globale Marken identifiziert, in deren chinesischen Lieferketten uigurische Muslime unter Bedingungen angestellt sind, die einer Zwangsarbeit gleichkommen. Seit längerem wird China – unter anderem von den Vereinten Nationen – beschuldigt, im Rahmen einer «Kampagne zur Bekämpfung des islamischen Extremismus» (so die Eigendefinition) mehr als eine Million Uiguren in Arbeits- und Umerziehungslagern in der westlichen Provinz Xinjiang interniert zu haben. Die chinesische Führung bestritt die Vorwürfe in der Vergangenheit vehement, bevor man die Existenz der Lager schließlich zugab, sie als «Berufszentren» bezeichnete und erklärte, dass alle betroffenen Personen einen «Abschluss» gemacht und Arbeitsplätze erhalten hätten. Wie das in der Realität aussieht, belegt der Bericht des «Australian Strategic Policy Institute» (ASPI), über den unter anderem die britische Internet-Zeitung «The Independent» berichtet hat. ASPI beschreibt sich selbst als unabhängigen Think-Tank, dessen Kernziel es ist, der australischen Regierung Einblicke in Fragen der Verteidigungs-, Sicherheits- und Strategiepolitik zu geben. Allerdings wird ASPI von Großkonzernen gesponsert. Gemäß dem ASPI-Bericht seien zehntausende Uiguren aus der Provinz Xinjiang «transferiert» und als Arbeiterinnen und Arbeiter in mindestens 27 große Fabriken in neun verschiedene chinesische Provinzen versetzt worden. Die Autoren des ASPI-Berichts stützten sich in ihrer Untersuchung auf die Analyse von chinesischen Regierungsdokumenten und lokalen Medienberichten und fanden dabei heraus, dass die Uiguren auch nach dem Eintritt in die Arbeiterschaft der großen Fabriken ein «hartes, abgesondertes Leben» führen. 


 

Zwangsarbeit bei mindestens 83 bekannten Weltmarken

In den Fabriken würden die uigurischen Arbeiterinnen und Arbeiter weiterhin überwacht, heißt es in dem Bericht. Die Ausübung ihrer Religion sei ihnen verboten worden und sie seien gezwungen worden, an Mandarin-Sprachkursen teilzunehmen. Außerdem seien die Rückreisen nach Xinjiang eingeschränkt worden. «Unter Bedingungen, die stark auf Zwangsarbeit hindeuten, arbeiten Uiguren in Fabriken, die in den Lieferketten von mindestens 83 bekannten Weltmarken im Technologie-, Bekleidungs- und Automobilsektor tätig sind», schreibt der Think-Tank in der Einleitung seines Berichts. Darunter würden sich zum Beispiel Fabriken von Zulieferern befinden, die Apple, BMW, Gap, Huawei, Nike, Samsung, Sony und Volkswagen mit wichtigen Fabrikations-Teilen beliefern. So gehört zum Beispiel O-Film Technology Co Ltd zu den im Bericht erwähnten Unternehmen. O-Film Technology Co Ltd stellte Kameras für Apple her und soll laut lokalen chinesischen Medien im Jahr 2017 rund 700 uigurische Arbeiterinnen und Arbeiter im Rahmen eines staatlich geförderten Programms erhalten haben.  Gemäß dem ASPI-Bericht haben einige Unternehmen, zum Beispiel Abercrombie & Fitch Co, auf die Vorwürfe reagiert und ihren Partner-Unternehmen geraten, die Beziehungen zu den betroffenen Fabriken noch im Jahr 2020 zu beenden. Andere Unternehmen hätten direkte Vertragsbeziehungen mit den fraglichen Fabriken verweigert. Die Nachrichtenagentur «Thomson Reuters» konfrontierte Apple mit den Vorwürfen. Der Konzern reagierte mit einer früheren Stellungnahme in der es hieß, dass Apple «sich dafür einsetzt, dass jeder in unserer Lieferkette mit der Würde und dem Respekt behandelt wird, die er verdient». Man habe den ASPI-Bericht nicht gesehen, arbeite aber eng mit allen Lieferanten zusammen, «um sicherzustellen, dass unsere hohen Standards eingehalten werden.» Der Telekommunikationsriese Huawei sagte, er habe den Bericht gelesen und prüfe die Angelegenheit: «Huawei verlangt von allen unseren Zulieferern die Einhaltung internationaler Arbeitsnormen und geltender Gesetze als Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung mit uns», sagte ein Sprecher. Die Sportmarke Nike, die seit über 30 Jahren Geschäftsbeziehungen mit einer der größten im ASPI-Bericht genannten Fabriken unterhält, sagte der «Washington Post», dass «wir die Menschenrechte in unserer erweiterten Wertschöpfungskette respektieren und stets bestrebt sind, Geschäfte ethisch und verantwortungsbewusst zu führen». Man sei verpflichtet, die internationalen Arbeitsnormen auf der ganzen Welt einzuhalten, den Zulieferern von Nike sei es strengstens untersagt, jegliche Art von Zwangsarbeit zu nutzen.  Volkswagen sagte in einer Erklärung, dass keines der von ASPI gelisteten Unternehmen ein Direktlieferant sei. Das Unternehmen habe «direkte Autorität» in allen Geschäftsbereichen und respektiere Minderheiten, die Arbeitnehmervertretung sowie die Sozial- und Arbeitsnormen. Alle anderen Unternehmen, die im ASPI-Bericht erwähnt werden, zum Beispiel BMW, Samsung, Sony Corp., O-Film Technology und Gap Inc., hätten auf entsprechende Nachfragen nicht reagiert.

«Sie führen ein glückliches Leben»

Die chinesische Regierung wollte von den erhobenen Vorwürfen indes nichts wissen. Sie leugnete die Verletzung der Rechte der uigurischen Minderheit und beschrieb den ASPI-Bericht als Werk, das von US-amerikanischen Anti-China-Kräften mitverfasst worden sei. Damit werde versucht, Chinas «Antiterrormaßnahmen» in Xinjiang zu verleumden. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian sagte am Rande einer Pressekonferenz, dass die Uiguren, welche die Regierungseinrichtungen in Xinjiang verlassen haben, «nun alle ein glückliches Leben führen.»

Quelle: Info Sperber, Grafik: FAZ

Mittwoch, 3. Juni 2020

CO2-Fußabbdruck verringern: Umweltfreundliche Websites


Weniger Abfall, mehr öffentliche Verkehrsmittel, eher Gebrauchtes statt Neues kaufen. Das sind nur einige der Maßnahmen, die man in Angriff nehmen kann, um unseren Planeten zu entlasten und den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern. In einem sehr präsenten Bereich wird das Thema Umwelt aber häufig vernachlässigt: der Websitegestaltung. Dabei sind Websites und ihre Inhalte für einen nicht geringen Teil der weltweiten CO2-Produktion verantwortlich. Soziale Netzwerke, Video-Streaming, Online-News-Seiten, Gaming und mehr verbrauchen einiges an Energie und erzeugen CO2. Wer hier helfen will, kann bei der Optimierung seiner eigenen Website anfangen. Das Laden von Code-Zeilen, Bildern und Videos verbraucht Energie. Je mehr für die Website geladen werden muss, umso höher ist der dazugehörige Energieverbrauch. Besonders Videos erzeugen eine hohe Belastung. Nicht ohne Grund sind Plattformen wie YouTube und Netflix unter den Top 10, wenn es um den Datenverkehr im Internet geht. Für das Bauen von umweltfreundlichen Websites sollte man daher auf Videos verzichten. Ebenso sollte man bewusst nach Designs suchen, die klein gehalten sind. „Minimalist Design“ verbunden mit dem Namen des genutzten Content Management Systems liefert bei Suchmaschinen passende Vorschläge. Wer ein größeres Budget zur Verfügung hat, kann auch eine Agentur oder einen Freelancer mit dem Bauen eines umweltfreundlichen Designs beauftragen.

Technische Optimierungen helfen der Umwelt

Die grundlegende Gestaltung einer Website ist mit dafür verantwortlich, wie umweltfreundlich sie ist. Es geht aber noch weiter: Neben dem Inhalt spielen auch technische Optimierungen eine große Rolle. Eine Website kann auf verschiedene Arten geladen werden. Die herkömmliche Methode ist, dass ein Nutzer die Seite anfordert und diese dann vom Server im Rechenzentrum des Hosters generiert wird. Hierfür wird der komplette Code gelesen und die fertige Seite zusammengestellt. Allerdings ist dieser Prozess nur sinnvoll, wenn die Website sich auch häufig verändert. Ist das nicht der Fall, wird eine Person, die die Seite mehrfach in einem kurzen Zeitraum aufruft, immer wieder komplett neue Zusammenstellungen von ihr sehen, die optisch identisch sind. Dieser Prozess lässt sich mit Caching optimieren. Hierbei wird eine Version der Website gespeichert und für Besucher hinterlegt. Damit wird der Server entlastet, was den Energieverbrauch verringert. Durch Caching wird eine Seite beim mehrfachen Aufrufen nicht immer wieder neu berechnet, sondern nur einmalig. Gut entwickelte Caching-Plugins oder Erweiterungen sind dabei so konzipiert, dass sie bei einer Änderung der Website die gespeicherte Version aktualisieren. Gibt es also inhaltliche Veränderungen, bekommen Besucher das mit. Eine weitere Möglichkeit für eine umweltfreundlichere Website durch technische Optimierung, ist Lazy Loading. In der Regel wird eine Seite beim Aufruf komplett geladen. Es wird aber häufig passieren, dass ein Nutzer sie nicht bis zum Ende durchscrollt, sondern schon vorher verlässt oder eine andere Seite aufruft. Geladene Bilder und Videos, die am Ende der Website sind, werden daher nie gesehen. Lazy Loading behebt dieses Problem und lädt Inhalte erst dann, wenn sie im sichtbaren Bereich des Besuchers auftauchen. So wird die Menge an übertragenen Daten und damit Energie gespart.

Umweltfreundliche Hoster

Wie mehrfach erwähnt, spielt auch der Hoster mit seinem Rechenzentrum bei dem Thema umweltfreundliches Hosting eine Rolle. Denn dieser entscheidet zum Beispiel darüber, ob er Strom aus erneuerbaren Energiequellen bezieht, oder wie nachhaltig und effizient er rund um das Thema Hardware aufgestellt ist. Da Rechenzentren viel Strom benötigen, kann auch das Thema CO2-Kompensation relevant werden. Besonders bei langfristigen Entscheidungen für Webhoster sollte im Hinterkopf behalten werden, dass nicht jeder Anbieter über ein eigenes Rechenzentrum verfügt. Viele Hoster mieten sich bei Rechenzentren ein und haben damit wenig Entscheidungsgewalt darüber, wie umweltfreundlich die Hardware und Stromversorgung ist. Bei der Hoster-Wahl hilft es, die Website des Anbieters durchzusehen. Wer dort keine Informationen findet, kann sich auch an den Support wenden.
Quelle: UD/cp, Grafik oben: kokosystems.at, Grafik Mitte:starfacts.de

Sonntag, 8. März 2020

Lieferkettengesetz in Deutschland ist juristisch möglich


Ein Lieferkettengesetz in Deutschland ist machbar – für Unternehmen genauso wie für den Gesetzgeber. Das zeigt ein Rechtsgutachten der Initiative Lieferkettengesetz, erstellt von Rechtsexperten des Bündnisses mit Unterstützung durch Rechtsanwalt Robert Grabosch. Unternehmen in Deutschland sollen mit einem solchen Gesetz dazu verpflichtet werden, Mensch und Umwelt bei ihren globalen Geschäften besser zu schützen.
 
"Unsere Analyse zeigt: Menschenrechts- und Umweltschutz entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind keine Utopie, sondern nur ein Gesetz weit entfernt. Die Bundesregierung muss dem Koalitionsvertrag nachkommen und noch in dieser Legislaturperiode ein faires und starkes Lieferkettengesetz verabschieden", sagt Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz. Entwicklungsminister Müller und Arbeitsminister Heil hatten zugesichert, im Februar Eckpunkte für ein entsprechendes Gesetz vorzulegen, um den Prozess voranzutreiben. Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Bündnis aus 91 zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ein Lieferkettengesetz soll es Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen auch erleichtern, in Deutschland vor Gericht zu ziehen, um auf Wiedergutmachung zu klagen. Vor allem aber soll es präventiv wirken: "Unternehmen sollten dazu verpflichtet werden, die Risiken für Mensch und Umwelt in ihren Geschäften zu analysieren, diesen vorzubeugen und das öffentlich zu dokumentieren. Verstoßen sie gegen diese Pflichten, muss das Konsequenzen haben: zum Beispiel Bußgelder oder den Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren", erläutert Christian Schliemann vom European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). Eine Behörde müsse die Einhaltung der Sorgfaltspflichten kontrollieren und bei Missachtung entsprechend sanktionieren.

Auch Schutz der Umwelt sollte gesetzlich verankert werden

Nicht nur Menschen, auch die Umwelt muss ein Lieferkettengesetz nach Ansicht des zivilgesellschaftlichen Bündnisses schützen: Laura von Vittorelli, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt: "Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung durch die Wirtschaft gehen weltweit Hand in Hand. Wenn Flüsse durch Bergbau, Chemie- und Textilfabriken vergiftet werden, sind Menschen in ihrem Grundrecht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser eingeschränkt. Ein Lieferkettengesetz muss sowohl menschenrechtliche als auch umweltbezogene Sorgfaltspflichten für Unternehmen festschreiben. Betroffene brauchen eine rechtliche Handhabe gegen diese zerstörerischen Praktiken." Gelten muss ein Lieferkettengesetz für alle großen Unternehmen (also bspw. bei über 250 Mitarbeitenden oder 20 Millionen Euro Bilanzsumme), die in Deutschland ansässig oder geschäftstätig sind. Kleine und mittelständische Unternehmen soll das Gesetz erfassen, wenn sie in Branchen mit besonders hohen Risiken für Mensch oder Umwelt tätig sind, etwa in der Textilbranche, so die Forderung der Initiative. Viele Unternehmen machen bereits jetzt freiwillig vor, dass Menschenrechtsschutz möglich und vor allem nicht geschäftsschädigend ist. Doch Freiwilligkeit reicht beim Schutz von Menschenleben und Umwelt nicht aus. "Wichtig ist: Deutschland darf mit einem Gesetz nicht hinter die Anforderungen der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte zurückfallen. Diese verlangen nichts Unmögliches von Unternehmen, sondern lediglich angemessene Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte", erläutert Heike Drillisch, Koordinatorin des CorA-Netzwerks für Unternehmensverantwortung. Die Angemessenheit hänge etwa von der Größe des Unternehmens, seinen direkten Einflussmöglichkeiten und der Schwere der möglichen Menschenrechtsverletzung ab.

Über die Initiative Lieferkettengesetz
Die Initiative Lieferkettengesetz eint 91 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften und kirchliche Akteure. Im September 2019 haben sie sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen. ECCHR, BUND Deutschland und das CorA-Netzwerk gehören zu den 18 Trägerorganisationen der Initiative.
Quelle: Forum Fairer Handel