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Dienstag, 7. Januar 2020

Neues Verbraucherportal: Nachhaltigkeit bei Investmentfonds


Facing Finance hat ein unabhängiges, frei zugängliches Verbraucherportal zur Nachhaltigkeitsbewertung von Investmentfonds online gestellt. Das Portal faire-fonds.info liefert Informationen und Bewertungen zu Beteiligungen der untersuchten Investmentfonds an kontroversen Unternehmen. Analysiert und bewertet werden 3.800 Eigen- und Fremdfonds, inklusive verschiedener Anlageklassen, der vier größten deutschen Fondsgesellschaften Allianz, Deka, DWS und Union Investment sowie rund 200 zertifizierte oder ausgewiesene "Nachhaltigkeitsfonds". Der Fokus der Analyse liegt auf der Beteiligung der Fonds an den Aktien oder Anleihen von 340 ausgewählten kontroversen Unternehmen. Diese tragen zu Menschen- oder Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltzerstörung oder der Verschärfung des Klimawandels bei, sind in Fälle von Korruption und Geldwäsche verstrickt oder gehören zu den größten Rüstungsproduzenten weltweit. Die Auswertung der Beteiligungsanalysen zeigt laut Facing Finance, dass die untersuchten Fonds mehrheitlich in Unternehmen investiert sind, die ökologische, ethische und soziale Standards und Normen und damit Nachhaltigkeitskriterien verletzen. Unternehmen des Rohstoffsektors seien besonders kritisch zu sehen - und z.B. im Fonds DekaLux-GlobalResources enthalten, der zu 67,59% belastet sei. Der ETF Xtrackers Stoxx Europe 600 Oil&Gas sei mit 78,26% Belastung der Negativ-Spitzenreiter der Bewertung. Der beliebte und größte deutsche Investmentfonds DWS Top Dividende, der gerade die höchsten Ausschüttungen eines Fonds auf dem deutschen Markt angekündigt hat, investiere beispielsweise mit einem Gesamtanteil von 27,7% in Rüstungskonzerne wie BAE Systems und Raytheon, Menschen- und Arbeitsrechte missachtende Unternehmen wie Philip Morris International Inc. oder in für den Klimawandel maßgeblich verantwortliche, TOP CO-2 Emittenten wie Total S.A. und Chevron, so Facing Finance.

Fonds mit Nachhaltigkeitslabel oft nicht besser

Doch selbst Fonds, die von den Anbietern als nachhaltig, sozial oder ökologisch (ESG-Eigenlabel) bezeichnet werden, schneiden nach Angaben von Facing Finance nicht wesentlich besser ab. Von 74 Fonds, die entweder von Portalen/Anbietern als "nachhaltig" vermarktet/gelabelt werden oder eine entsprechende Bezeichnung im Namen tragen, könnten lediglich 17 Fonds als unbelastet gelten und damit als nicht investiert in kontroverse Unternehmen. 50 dieser "nachhaltigen" Fonds weisen einen Beteiligungsanteil von bis zu 10% auf, 7 sogar über 10%. Spitzenreiter mit 28,3% sei dabei der Fonds "Allianz European Equity Dividend - A”, der in Tabakkonzerne wie Imperial Brands und British American Tobacco sowie in Unternehmen wie Royal Dutch Shell und Total S.A. investiere, die mit ihren Geschäftsmodellen für Klimawandel und Umweltzerstörung verantwortlich seien. Kritisch wird auch zum Teil die Vergabe von Gütesiegeln für nachhaltige Fonds durch das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) beurteilt. Lediglich 13 der 61 vom FNG zertifizierten Fonds seien als unbelastet einzustufen. 31 Fonds hielten dagegen kontroverse Beteiligungen von bis zu 5%. 11 Fonds beteiligten sich mit 5% bis 10% an kontroversen Unternehmen, und 6 Fonds wiesen sogar einen kontroversen Beteiligungswert von über 10% aus. Das Portal faire-fonds.info will Verbraucher auch darauf hinweisen, dass einige Fondsanbieter das Etikett "nachhaltig" für Marketingzwecke nutzen und dabei auf die Einhaltung strenger ökologischer, ethischer und sozialer Gesichtspunkte zu geringen Wert legen. Die Auswahl der kontroversen Unternehmen beruht laut Facing Finance auf Bewertungen von sieben externen Analysen, u.a. den Ausschlusslisten des Norwegischen Pensionsfonds, der Investoren-Initiative Climate Action 100+, dem Bericht des Carbon Disclosure Projects (CDP), der Global Coal Exit List (GCEL), der SIPRI TOP 100 Waffenproduzenten sowie RepRisk Analysen.
Quelle:  www.epo.de

Montag, 16. Juli 2018

Altersvorsorgeprodukte ökologisch und sozial stark belastet


Die Investitionen der gängigen fondsgebundenen Riesterprodukte in kontroverse Unternehmen sind nach wie vor hoch, nehmen sogar zu. Wirklich unbelastete, nachhaltige Riesterprodukte sind eher die Ausnahme, so das Fazit des Projektes FaireRente von Facing Finance, welches 38 fondsgebundene Riesterprodukte (inkl. 809 in Deutschland zugelassene Fonds) von 27 Anbietern in Bezug auf die Beachtung sozialer und ökologischer Kriterien erneut überprüft hat.  Geprüft wurden Beteiligungen (Aktien und Anleihen) an 315 Unternehmen, die im Konflikt mit sozialen und ökologischen Kriterien stehen (Methodik). „Besonders die Investitionen in Unternehmen die extrem zur Klimaerwärmung beitragen oder in Kriegsgebiete Waffen liefern, profitieren von Geschäftsmodellen, die die derzeitigen Hauptfluchtursachen zu verantworten haben“, kritisiert Thomas Küchenmeister,  geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. Zu diesen Unternehmen gehören Ölfirmen wie Shell, BP oder Chevron, die hauptverantwortlich sind für CO2 Emissionen, aber auch diverse Waffenhersteller wie z.B. Airbus/MBDA, BAE oder Rheinmetall, die an aktuell kriegführende Länder Waffen liefern oder Atomwaffen herstellen. Laut Kriterien von Facing Finance erwiesen sich Fonds, die z.B. vom Anbieter MyLife als Bestandteil seines Riester-Produktes angeboten werden, als erheblich belastet (zwischen 48% und 37%). Doch auch ein Deka-Fonds der Sparkassen (DekaLux-GlobalResources CF) weist hohe Belastungen auf, ebenso Produkte (TopRente Balance / Dynamik) der DWS (Deutsche Bank). Als zum Zeitpunkt der Untersuchung und laut Facing Finance Kriterien wenig belastet erwiesen sich u.a. die Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT T, Pictet - Global Environmental Opportunities-P EUR oder Generali IS SRI European Equity D Cap EUR.  

Auch „saubere“ Fonds belastet

Doch auch bei laut Anbieter als nachhaltig bezeichneten Fonds lassen sich kontroverse Unternehmen im Portfolio finden. Auffällig sind insbesondere 2 Fonds (F&C Responsible Global Equity Fund & Lyxor ETF New Energy), die bislang keine Belastungen aufwiesen, jetzt allerdings zu ca. 10 bzw. ca. 20% in kontroverse Unternehmen (wie z.B. Apple, AIRBUS, Bayer oder Shell) investiert sind.  „Fehlende gesetzliche Vorgaben und eine vom Gesetzgeber reduzierte Informationspflicht seitens der Anbieter führt dazu, dass VerbraucherInnen jetzt erst nach Vertragsabschluss erfahren, ob ihr Anbieter soziale und ökologische Kriterien beachtet“, beklagt Julia Dubslaff, Leiterin des Projektes FaireRente von Facing Finance. Die Organisation kritisiert zudem, dass auch der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD die Kopplung staatlicher Förderung von Altersvorsorgeprodukten an soziale und ökologische Mindeststandards ignoriert. „Deutschland verpflichtet sich völkerrechtlich Streubomben und Kinderarbeit zu verbieten, das Klima zu retten oder Waffenexporte in Kriegsgebiete zu untersagen, erlaubt aber nach wie vor steuerbegünstigte Investitionen in Unternehmen, die genau davon profitieren, was ein Skandal ist“, sagt Thomas Küchenmeister. Ebenso kritisch wird die Rolle von Verbraucherorganisationen wie der Stiftung Warentest und wissenschaftlichen Instituten (Institut für Vorsorge und Finanzplanung / IVFP) bewertet, die ökologischen und sozialen Standards bei der staatlich geförderten Altersvorsorge viel zu wenig oder gar keine Beachtung beimessen und damit zur Intransparenz beitragen.
Mehr Informationen unter: www.faire-rente.de & www.facing-finance.org
Quelle: Fair Finance/PM