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Dienstag, 11. August 2026

Giftiger Kaffeegenuss

Kaffee gehört zu den Kulturpflanzen mit besonders hohem Pestizideinsatz. Das zeigt der gemeinsame Bericht „Gift in unserer Kaffeetasse“ von Coffee Watch, dem INKOTA-Netzwerk, der Deutschen Umwelthilfe und dem Pesticide Action Network UK, der wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus wichtigen Kaffeeanbauländern auswertet. Demnach werden in der Kaffeeproduktion 159 verschiedene Pestizidwirkstoffe eingesetzt, rund 60 Prozent davon gelten als hochgefährlich und 59 Prozent sind in der Europäischen Union verboten. Dennoch werden einige dieser Pestizide weiterhin in Anbauländer exportiert und dort eingesetzt. Die Folgen sind für Menschen und Umwelt erheblich: Arbeiterinnen und Arbeiter sind den Pestiziden häufig ohne ausreichenden Schutz ausgesetzt, was zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann. Gleichzeitig gelangen Pestizidrückstände über die globalen Lieferketten bis in den Kaffee. Auch Glyphosat wird weiterhin häufig verwendet. Der intensive Pestizideinsatz belastet zudem Böden und Gewässer, schädigt Insekten und andere Tierarten und gefährdet die biologische Vielfalt. Die Organisationen kritisieren die Doppelmoral: Pestizide, die in der EU wegen ihrer Gefahren verboten sind, werden weiterhin exportiert und im Kaffeeanbau eingesetzt. Sie fordern unter anderem ein Ende des Exports solcher Pestizide und mehr Unterstützung für einen nachhaltigeren und pestizidärmeren Kaffeeanbau.

Quelle: Inkota-Netzwerk, Zusammenfassung: Frank Herrmann

 

Dienstag, 29. April 2025

12. Jahrestag Rana Plaza - kein Grund zum Feiern!

Anlässlich des 12. Jahrestag der Fabrikkatastrophe von Rana Plaza warnt das entwicklungspolitische INKOTA-Netzwerk vor gravierenden Rückschritten bei Arbeitsrechten: Während in Bangladesch Gewerkschaftsführer gewaltsam verfolgt werden, plant die kommende Bundesregierung eine Schwächung des Lieferkettengesetzes.

Im März 2025 wurden mehrere Gewerkschaftsführer in Bangladesch ohne Anklage und unter falschen Anschuldigungen verhaftet. Laut Informationen der National Garment Workers Federation (NGWF) wurden am 12. März 2025 der NGWF-Generalsekretär Md. Kabir Hossain sowie die Gewerkschaftsführer Khairuzzaman Sabuj und Nur Habib von Polizei und einem Schlägertrupp des Fabrikmanagements nachts im Gewerkschaftsbüro überfallen und festgenommen. Zuvor hatten Arbeiterinnen und Arbeiter gegen ausstehende Lohnzahlungen und illegale Kündigungen in der Textilfabrik protestiert. Öffentlich zugänglichen Informationen zufolge unterhält die AJI Group/AJI Apparels Industry Ltd., zu der Polo Composite Knit Industry Ltd. gehört, Geschäftsbeziehungen zu bekannten Marken wie Kappa und zu Lidl – zwei Unternehmen, die dem Lieferkettengesetz unterliegen – sowie Carrefour S.A. Der Fall zeigt exemplarisch die Probleme bei der Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten.

Lieferkettengesetz in Gefahr

Die kommende Bundesregierung plant eine signifikante Abschwächung des deutschen Lieferkettengesetzes inklusive Aussetzens der Berichtspflichten und Sanktionen. „Diese Änderungen würden das Gesetz de facto wirkungslos machen“, warnt Berndt Hinzmann, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte bei INKOTA. Die Folgen sehen wir jetzt in Bangladesch: Wenn Unternehmen nicht genötigt sind strukturelle Risiken in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Zivilgesellschaft zu beseitigen, ist dies ein Freiraum für gravierende Menschenrechtsverletzungen. Zwölf Jahre nach Rana Plaza darf der wichtige Fortschritt – die rechtliche Verpflichtung von Unternehmen dem Einhalten von Menschenrechten – nicht wieder zurückgedreht werden.“ Gemeinsam mit den Organisationen Femnet, hej!support und Südwind veröffentlicht INKOTA auf der Website textile-incidents.info Menschenrechtsverletzungen und negative Auswirkungen auf Gesundheit der Beschäftigten und die Umwelt.

Am 24. April 2013 stürzte das Rana Plaza-Gebäude in Dhaka, Bangladesch, ein. 1.134 Menschen, überwiegend Textilarbeiterinnen, starben. Über 2.500 Menschen wurden verletzt. Die Katastrophe wurde zum Symbol für die tödlichen Auswirkungen unverantwortlicher globaler Lieferketten in der Textilindustrie und führte zur Gründung Internationalen ACCORD, dem Abkommen für mehr Sicherheit in Textilfabriken, der Gründung des Textilbündnis und zur Verabschiedung des Lieferkettengesetz. Die Freiwilligkeit und Beliebigkeit von Sorgfaltspflichten konnten Katastrophen wie Rana Plaza nicht verhindern und auch nicht aktuelle Menschenrechtsverletzungen, wie die brutalen Übergriffe auf Menschen, die sich für Rechte ihrer Kollegen einsetzen.

Quelle: Inkota Netzwerk