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Dienstag, 27. Dezember 2022

So läuft das "Greenwashing" der Tabakindustrie

 Unfairtobacco - Home | Facebook 

Greenwashing bezeichnet die Strategie von Unternehmen umstrittener Industriezweige, sich als verantwortungsvolle Akteure zu zeigen und sich ein umweltfreundliches Image zu verschaffen. Tabakunternehmen und ihre Verbände bilden keine Ausnahme. Mit Greenwashing bezwecken sie, sich durch positive Berichterstattung gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern und die öffentliche Aufmerksamkeit von den Schäden abzulenken, die die Unternehmen mit ihrem Kerngeschäft Umwelt und Gesundheit zufügen. So unterstützen Tabakunternehmen öffentlichkeitswirksam Umweltprojekte wie beispielswiese Clean-Ups in Tabakkonsum-Ländern oder Aufforstungen in Tabakanbau-Ländern. Sie ernten dafür großes Lob und bauen vor Ort neue Kontakte zu Politiker*innen auf oder pflegen bestehende. In den jeweiligen Ländern geraten so politische Entscheidungsträger*innen in Konflikte, wenn es um Tabakkontrolle und Gesundheitsentscheidungen geht. Eine beliebte Art von Tabakunternehmen, sich in grünem Gewand zu präsentieren, ist die Förderung von Clean-Ups in Städten oder an Stränden, die Kooperation mit Clean-Up-Initiativen und das großzügige Bereitstellen von Taschenaschenbechern für umweltbewusste Raucher*innen. Mit grünen Kampagnen nehmen sich Dachverbände wie der BVTE des Littering-Problems an und zeigen sich in der Öffentlichkeit engagiert für den Umweltschutz, während sie die Verantwortung auf Konsument*innen verschieben. Tabakunternehmen wie BAT Bangladesch betreiben schon seit Jahren Aufforstungsprojekte oder Projekte für sauberes Trinkwasser in den Tabakanbaugebieten, in denen sie gleichzeitig Abholzung und Wasserverschmutzung verursacht haben, und bekommen dafür große Anerkennung von Politiker*innen. Diese neuen Einträge in der Strategien-Weltkarte in der Rubrik Greenwashing geben einen ersten Einblick in die verschiedenen Taktiken der Tabakindustrie, sich trotz umweltschädigendem Kerngeschäft ein grünes Mäntelchen anzuziehen.

Quelle: unfairtobacco.org

 


Dienstag, 6. Juli 2021

Was haben Tabakanbau und –konsum mit Frauenrechten zu tun?

Tabakproduktion und -konsum sind mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen verknüpft und erschweren es, die Nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Im Tabakanbau werden die Rechte von Frauen verletzt, wie das Beispiel Bangladesch zeigt: durch Ausbeutung, fehlenden Arbeitsschutz und hohe Gesundheitsrisiken. Tabakprodukte und deren Vermarktung wiederum verletzen hierzulande und weltweit die Frauenrechte auf Gesundheit und Vorsorge. In der reproduktiven Lebensphase sind Frauen und Mädchen in besonderer Weise von den Folgen des Tabakkonsums und der Tabakproduktion betroffen. Doch gerade dann ist das Recht auf Gesundheit und Vorsorge wichtig, um auch (ungeborenen) Kindern eine gesunde Lebensgrundlage zu geben. Deshalb gilt das Motto des Weltnichtrauchertags "Commit to quit" gleichermaßen für (passiv)rauchende Frauen bei uns wie für Frauen im Tabakanbau im Globalen Süden.

Prof. Dr. Sabina Ulbricht, Vorsitzende von Frauen Aktiv Contra Tabak (FACT) e.V., resümiert die Entwicklungen der weiblichen Tabakrauchprävalenz der letzten Jahre: „Der erfreuliche Rückgang des Tabakkonsums im Jugendalter zeigt sich bislang bei den Erwachsenen nicht. Denn die Anzahl der Rauchstoppversuche, ein wichtiges Zeichen um Tabakabstinenz zu erreichen, ist hier sogar rückläufig.“ Ihre Forderung an die Politik lautet: „Um der Verfestigung gesundheitlicher Ungleichheit entgegenzutreten, bedarf es Angebote, mit denen vor allem Frauen mit einem niedrigeren Sozialstatus erreicht werden, da sie die Mehrheit der Raucherinnen stellen und nachweislich sehr viel weniger von bisherigen Unterstützungsangeboten profitieren.“

Sonja von Eichborn, Leiterin von Unfairtobacco, weist auf die Verletzung von Frauenrechten in Bangladesch und anderen Tabakanbauländern hin: „Kleinbäuerinnen im Globalen Süden können mit dem arbeitsintensiven Anbau von Tabak nur schwer ihren Lebensunterhalt verdienen und sind durch fehlenden Arbeitsschutz gravierenden Gesundheitsgefahren ausgesetzt.“ Sie betont: „Deutschland trägt als einer der größten Rohtabakimporteure der Welt auch Verantwortung dafür. Neben der Verabschiedung eines wirksamen Lieferkettengesetzes muss sich die deutsche Regierung verstärkt dafür einsetzen, dass im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Tabakbäuerinnen in Ländern wie Bangladesch Unterstützung für den Ausstieg aus dem Tabakanbau erhalten.“

Eine schnellere Umsetzung der WHO-Rahmenkonvention für Tabakkontrolle ist Teil der nachhaltigen Entwicklungsziele. Die UN-Frauenrechtskonvention ist für beide Instrumente die Basis. In ihr sind das Recht auf Gesundheit und Vorsorge genauso verankert wie das Recht auf Arbeitsschutz. Daraus ergibt sich: Frauen und Mädchen weltweit haben ein Recht auf eine tabakfreie Welt, in der Tabakkonsum auf ein bedeutungsloses Niveau herabgesenkt wurde und die Tabakindustrie sehr stark reguliert ist.Dieser Tage muss die deutsche Regierung zur Umsetzung von Frauenrechten an die Vereinten Nationen berichten. Wir begleiten diesen Prozess mit Blick auf die Tabakindustrie und informieren das UN-Frauenrechtskomitee über den Stand der Tabakkontrolle in Bezug auf Frauen.

Quelle: Unfair Tobacco

Zum Factsheet von Unfair Tobacco