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Montag, 29. Mai 2017

Kosmetik: Vom Waschbecken ins Meer



Zu den Umweltfolgen von Mikrokunststoffen in Kosmetik- und Körper-pflegeprodukten

Unsere Ozeane sind nicht nur wunderschön, sondern auch überlebenswichtig für uns Menschen. Doch die steigende Flut an Plastikmüll belastet unser „blaues Wunder“ und seine Bewohner. Neben großen und kleinen Plastikteilen gelangen auch feste, flüssige, gel- und wachsartige Mikrokunststoffe aus Kosmetik in die Gewässer – Tag für Tag beim Händewaschen, Gesichtsreinigen oder Duschen. Die Meere wieder davon zu befreien, ist unmöglich.
Quelle: Greenpeace

Freitag, 17. März 2017

Gefahr aus dem Kleiderschrank: Synthetik verschmutzt die Meere



Nicht nur Mikrokügelchen aus Kosmetika sorgen in den Weltmeeren für Umweltprobleme, auch aus Kleidungsstücken mit Polyesteranteil werden Mikrofasern in die Ozeane geschwemmt. Von Freizeitkleidung wie Fleecejacken oder Sporthosen aus synthetischem Material geht nach Erkenntnissen von Forschern eine Gefahr für die Meere aus: Bei ihrer Wäsche gelangen Mikrofasern aus Plastik ins Abwasser und von dort letztlich in die Ozeane, wo sie auch in die Nahrungskette gelangen. Wissenschaftler an der Golfküste der USA starten dazu nun eine auf zwei Jahre angelegte Studie. Das Projekt unter Führung des Mississippi-Alabama Sea Grand Consortiums stützt sich zum Teil auf Freiwillige, die sich von Texas bis zu den Florida Keys an Küstensäuberungsaktionen beteiligen. Zusätzlich sollen Daten ausgewertet werden, die ein Jahr lang in Florida gesammelt wurden. Dort hatte die Wissenschaftlerin Maia McGuire erwartet, vor allem Mikrokügelchen zu finden, wie sie bis zu ihrem Verbot in den USA 2015 häufig in Kosmetikprodukten vorkamen. Stattdessen fand sie vorwiegend die noch winzigeren Mikrofasern.

Plastik kann in menschliche Mägen gelangen

Dass von ihren Kleiderschränken eine Gefahr für Fische und andere Meereslebewesen ausgeht, ist den meisten Menschen kaum bewusst. „Alles, was aus Nylon oder Polyester ist“, zähle dazu, sagt McGuire von der Universität von Florida. Jüngste Studien zeigen, dass die Plastikteilchen von Meerestieren aufgenommen werden und damit letztlich auch in menschliche Mägen gelangen können. Experten kommen daher zunehmend zu dem Schluss, dass zur Reduzierung des Plastikmülls in den Ozeanen auch die Hersteller von Waschmaschinen in die Pflicht genommen werden müssen. Sie könnten etwa Filter einbauen. Die Studie an der Golfküste soll das Vorkommen von Mikrofasern und anderen mikroskopisch kleinen Plastikpartikeln in den Gewässern der Region untersuchen. Bislang gebe es dazu noch kaum Grundlagenforschung, sagt Caitlin Wessel, Regionalkoordinatorin für das Meeresmüllprogramm der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA.
Quelle: Wiwo Green, Bild: Frank Herrmann

Freitag, 18. April 2014

Neu: Fairtrade-zertifizierte Kosmetikprodukte


Dem Trend zu nachhaltiger Kosmetik trägt TransFair Rechnung, und führt in Deutschland das Fairtrade-Siegel für Kosmetik ein. Zunächst sind Handcremes, Gesichtscremes und eine Lippenpflegeserie von Fair Squared sowie eine Fußlotion und Zahnreinigungstabs von Lush erhältlich. Für den Hotel- und Gaststättenbereich wird in Kürze eine Pflegeserie des Herstellers ADA Cosmetics International erscheinen.

Die ersten Produkte enthalten Fairtrade-Oliven- und Mandelöl

Fair Squared bezieht für seine Pflegeprodukte extra natives und bio-zertifiziertes Olivenöl von der Produzentenkooperative Canaan im Westjordanland“, so Oliver Gothe, Geschäftsführer von Fair Squared. Wie bei allen Fairtrade-Produkten bekommen die Produzenten einen Fairtrade-Mindestpreis und eine Fairtrade-Prämie, mit der sie Gemeinschaftsprojekte umsetzen können. Mandelöl aus Jenin im Westjordanland ist einer der Rohstoffe für die Fairtrade-Kosmetikprodukte von Lush. Der Faire Handel mit Mandelöl ist ein neuer Produktbereich für die Produzenten, die hauptsächlich Olivenöl anbauen. So konnte eine dauerhafte Unterstützung der Kleinbauern in der Region etabliert werden. „Fairer Handel als eine der tragenden Säulen von Lush spielt stets eine übergeordnete Rolle bei der Rohstoffbeschaffung. Wir achten sorgfältig darauf, dass unsere Handelsbeziehungen einen nachhaltigen Mehrwert für unsere Produzenten schaffen“, so Tanja Umbach, Brand Managerin von Lush Deutschland.

Transparente Kennzeichnung der Produkte

Ein Großteil der bereits existierenden Fairtrade-Rohstoffe kann auch in Kosmetikartikeln verarbeitet werden. Dadurch sind über 200 natürliche Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Kakaobutter, Mandelöl oder Honig für die Produktion von Kosmetikprodukten verfügbar. Durch die zusätzliche Produktkategorie erschließen sich den Fairtrade-Produzenten neue Märkte, da ihre Rohstoffe nun auch für Kosmetik nachgefragt werden. Welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit Kosmetikartikel  das Fairtrade-Siegel tragen dürfen, erläuterte Dieter Overath von TransFair: „Alle Inhaltsstoffe eines Fairtrade-Kosmetikproduktes, die als Fairtrade-Rohstoffe verfügbar sind, müssen auch Fairtrade-zertifiziert sein.“ Produkte, die auf der Haut bleiben wie Cremes oder Lippenstifte, müssen zu mindestens fünf Prozent aus zertifizierten Rohstoffen bestehen. Bei Produkten, die abgewaschen werden und bei denen der Wasseranteil sehr groß ist, wie Duschgels oder Shampoos, beträgt der Mindestanteil zwei Prozent. Bei vielen Produkten können jedoch auch deutlich höhere Anteile erzielt werden, wie zum Beispiel Seifen aus Shea-Butter – hier liegt der Anteil bei 50 Prozent.  Um die Transparenz für die Verbraucher zu gewährleisten wird das Siegel immer in Kombination mit dem Hinweis „mit Fairtrade-Zutaten” auf den Kosmetikartikeln erscheinen. Auf der Produktrückseite müssen zudem die einzelnen Fairtrade-zertifizierten Inhaltsstoffe und ihr prozentualer Anteil am Gesamtprodukt angegeben werden.

Aufbau von Strukturen im Süden

Das Ziel von Fairtrade, die Organisationsstrukturen in den Produzentenländern zu fördern, spiegelt sich auch bei Fairtrade-Kosmetik wider: Zusätzlich zu Fairtrade-Mindestpreis und -Prämie fließen 50 Prozent der Lizenzgebühren, die von den Unternehmen an TransFair gezahlt werden, zurück an Fairtrade International, um Projekte vor Ort zu finanzieren. „Fairtrade ist eine Bewegung, die von Produzenten getragen wird. Damit dies auch umgesetzt werden kann, brauchen wir stärkere Strukturen im Süden“, so Overath. TransFair erhofft sich, dass die Produktpalette an Kosmetik mit Fairtrade-Inhaltsstoffen im weiteren Jahresverlauf wächst. Mehr Verkaufsstellen und weitere Produktkategorien sollen hinzukommen, sodass Verbrauchern die Suche nach nachhaltiger Kosmetik erleichtert wird. Seit Kurzem gibt es zudem die ersten „Fairtrade-Hotelzimmer“, bei denen die Produkte fest eingeplant sind.
Quelle: Fairtrade Deutschland

Factsheet Fairtrade-Kosmetik:

Donnerstag, 2. Januar 2014

Fair zertifizierte Kosmetik – noch immer die große Ausnahme



Wenn morgens der erste Kaffee in der Tasse dampft, ist die Sache klar: Das Fairtrade-Siegel auf der Verpackung belegt, dass der Genuss nicht auf Kosten anderer geht. Wie zum Beweis lacht hinten auf der Kaffeetüte eine Frau dem Betrachter entgegen. Sie trägt bunte Kleidung und arbeitet offenbar irgendwo in den Hochlandplantagen von Mexiko, Peru oder Bolivien. Die Fairtrade-Standards garantieren ihr ein sicheres Einkommen und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wenn doch alles so einfach wäre wie beim Kaffee. Oder beim Tee. Oder der Schokolade. Selbst bei Fußbällen ist die Sache besser durchschaubar als bei Kosmetik. Tatsächlich ist neben den genannten Lebensmitteln eine ganze Fülle von Produkten in Deutschland „fair“ zertifiziert. Von Baumwolle bis Zucker reicht die Palette, sogar Sportbälle finden sich darunter - jedoch keine einzige Gesichtscreme, auch kein Duschgel oder Shampoo. Im (Natur-)Kosmetikmarkt spielt der faire Handel bislang kaum eine Rolle. Und das, obwohl die großen Hersteller wie Weleda oder Wala eigene Projekte nach fairen Prinzipien in den Anbauländern unterstützen und initiieren. Warum aber gibt es kein faires Label auf der Kosmetik? Dieser Frage ist die Zeitschrift Ökotest in nachfolgendem Bericht auf den Grund gegangen.

Andere Länder, andere Standards

Trotz gemeinsamer internationaler Produktstandards haben die nationalen Initiativen individuelle Handlungsspielräume. Und die nutzen sie auch. Transfair etwa hat sich bisher dagegen entschieden, in Deutschland das Fairtrade-Siegel für Kosmetik zu vergeben. Als Grund nennt Pressesprecherin Maren Richter, "dass es bis vor Kurzem keine internationale Einigung über das Vorgehen und die Richtlinien zu Fairtrade-Kosmetikartikeln gab. Vereinzelte Pilotprojekte von Siegelinitiativen anderer Ländern waren für Transfair bisher nicht überzeugend." Den Deutschen ist ganz offenbar die gängige Fairtrade-Regel zu lasch, die beispielsweise in Frankreich und Großbritannien Anwendung findet. Dort darf sich Kosmetik dann mit dem begehrten Logo schmücken, wenn zwei bzw. fünf Prozent der Inhaltstoffe Fairtrade-zertifiziert sind - die Prozentzahl hängt davon ab, ob die Produkte auf der Haut bleiben oder wieder abgewaschen werden. Solche zertifizierten Produkte gibt es etwa von Alter Eco, Noèhm, Urtekram, Boots, Lush oder Bubble & Balm, teilweise sind sie auch in Deutschland erhältlich. Derzeit, so kündigt es die FLO an, wird an einem neuen Konzept für Fairtrade-Kosmetikartikel gearbeitet. Stellt sich die Frage: Wartet in Deutschland jemand darauf? In den Reihen der hiesigen Naturkosmetikhersteller ist es erstaunlich ruhig. Niemand scheint das Fairtrade-Siegel zu vermissen. Bio-Zertifizierung sei wichtig, heißt es in Gesprächen. Das Natrue-Siegel wird immer wieder lobend erwähnt. Aber Fairtrade? Gerhard Benz, seit vielen Jahren Produktionsleiter bei Primavera, bringt es so auf den Punkt: "Wir haben schon lange fair gehandelt, bevor die mit ihrem Label kamen." 

Regionalität wichtiger als Fairtradezertifikat

Doch es gibt noch andere Probleme bezüglich einer fair zertifizierten Kosmetik: Die Zertifizierung bezieht sich auf Produkte aus Drittweltländern. Regional eingekaufte Rohstoffe lassen sich aber nicht fair labeln - auch wenn die Produktionsbedingungen im Allgäu oder an der Nordsee sicher als sozial verträglich bezeichnet werden können. Auch Rohstoffe aus der Europäischen Union werden nicht Fairtrade klassifiziert. Ralf Kunert, Leiter des Rohstoffeinkaufs bei Wala, nennt ein Beispiel: "Wir beziehen unser Olivenöl aus Spanien und nicht aus Tunesien - mir ist Regionalität lieber als ein Fairtradezertifikat." Und Anja Brockmann, Produktmanagerin bei Santaverde, spinnt den Gedankengang weiter: "Will ich, dass der Alkohol, den wir zur Konservierung verwenden, aus Tausenden Kilometern Entfernung kommt, nur damit er als fair zertifiziert werden kann? Obwohl wir den gleichen Alkohol aus Getreide der Region herstellen könnten?" Fairtrade, so zeigt sich, muss nicht immer die bessere Alternative sein.

Komplexität von Kosmetikprodukten erschwert Zertifizierung

Alkohol, Olivenöl, Heilkräuter: Viel war bisher von einzelnen Rohstoffen die Rede. Wenig jedoch vom ganzen Produkt. Und genau hier liegt das letzte, vielleicht größte Problem der fairen Kosmetik: Es stecken zu viele Bestandteile darin. Zehn bis 20 sind es in einer Rezeptur, Hunderte von Inhaltsstoffen sind es in einer Produktpalette. Dem gegenüber steht die Bandbreite der bisher zertifizierten Rohstoffe. Und die ist klein. Ecocert, einer der größten Bio-Zertifizierer weltweit, listet in seiner Datenbank gerade mal 53 Organisationen weltweit, die faire Rohstoffe anbauen oder vertreiben. Die meisten von ihnen handeln mit Arganöl, Sheabutter oder ätherischen Ölen. Einige Male findet man in der Datenliste noch Sesamöl, Hibiskus, Vanille, Rosen- und Kokosnussprodukte. Das aber war es im Großen und Ganzen. Guylaine Le Loarer, Leiterin Forschung und Entwicklung bei Annemarie Börlind, fasst es so zusammen: "Mit dem derzeitigen Angebot an Rohstoffen könnte nur ein Öl, vielleicht ein Körperöl, das Fairtrade-Label tragen. Alles andere ist technisch nicht machbar."

Fazit:
Wer wissen will, wie fair seine Naturkosmetik ist, dem werden Siegel nur begrenzt weiterhelfen. Eher schon ein Blick auf die Homepages der Unternehmen - oder das Wissen, dass die etablierten Hersteller von Naturkosmetik sich seit Jahren für faire Rohstoffe und gute Kontakte in die Anbauländer engagieren.