Donnerstag, 18. Dezember 2014

Konfliktrohstoffe – schürfen und handeln um jeden Preis?



Seltene Erden, Metalle, Erze –  mineralische Rohstoffe auf unserem Planeten werden knapp. Gebraucht werden sie überall –  in Batterien, Smartphones, Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Autokarosserien, Medizintechnik. Der Wettlauf um die verbleibenden Rohstoffquellen hat längst begonnen. Auch Deutschland bezieht einen Großteil seiner mineralischen Rohstoffe aus Ländern des globalen Südens. Der Rohstoffabbau dort erfolgt oft auf Kosten von Mensch und Natur, ohne dass die ansässige Bevölkerung in angemessener Weise vom Rohstoffreichtum profitiert. Am gravierendsten wirkt sich das Fehlen ökologischer und menschenrechtlicher Standards in den Lieferketten im Fall der sogenannten Konfliktrohstoffe aus. Vor allem in der Region der Afrikanischen Großen Seen werden durch Abbau und Handel  von zum Beispiel Gold, Zinn, Tantal oder Wolfram gewaltsame Konflikte geschürt.

Lieferketten transparent machen

Eine derzeit diskutierte EU-Verordnung will den Handel mit Konfliktrohstoffen regulieren, indem sie Unternehmen vorschlägt, ihre Lieferketten transparent zu machen. Leider sieht der Vorschlag nur die freiwillige Selbstzertifizierung vor und würde außerdem nur Schmelzen und Importeure betreffen, die die Mineralerze Zinn, Wolfram, Gold, Tantal und deren Metalle nach Europa einführen. Endnutzer aber, wie beispielsweise zahlreiche Unternehmen der Elektro- und Automobilindustrie, die ebenfalls an der Wertschöpfungskette beteiligt sind, wären von Sorgfaltspflichten dieser Art befreit. Möchte man zukünftig aber tatsächlich verhindern, dass der Abbau und Handel mit Mineralien Kriege schürt, müssen Lieferketten vom Endprodukt bis zum Erzeuger der Rohstoffe zurückverfolgt werden können.

Für mehr Verbindlichkeit!

Anlässlich der Diskussion um eine EU-Verordnung hat das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA gemeinsam mit 16 Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Umwelt und Entwicklung ein Positionspapier zum Handel mit Konfliktmineralien unterzeichnet.  Als Kernbotschaften fordert die Organisation darin eine Regulierung, die alle in der EU tätigen Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbindlich zur gebotenen Sorgfalt mit Blick auf Konflikte und Menschenrechtsverletzungen verpflichtet und nicht auf einzelne Regionen und Rohstoffe beschränkt ist, sondern alle  Rohstoffe integriert, deren Abbau und Handel schwerwiegende Konflikte und Menschenrechtsverstöße schürt.

Montag, 15. Dezember 2014

DIRTY PROFITS 3: Gravierende Verstöße von Unternehmen gegen etablierte Normen und Standards



Am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, hat die Menschen- und Umweltrechtsorganisation Facing Finance  den Bericht DIRTY PROFITS 3 in Berlin  vorgestellt. Die anwesenden Vertreter der Organisationen urgewald, Friends of the Earth, Who Profits, Clean Clothes Campaign Schweiz, FairFin Belgien und Facing Finance erklärten, dass nur rechtlich verbindliche Regelungen Verstöße gegen Menschenrechte und Umweltstandards verhindern könnten. Die Autoren waren sich einig, dass Selbstregulierung und eigene Standards von Unternehmen nicht ausreichen. Das habe das Beispiel der Rana Plaza Katastrophe von 2013 in Bangladesch gezeigt.

Verflechtung von Unternehmen und Finanzinstituten

Der aktuelle Bericht dokumentiert stichprobenartig zahlreiche gravierende Verstöße gegen international etablierte Normen und Standards. Er analysiert 25 kontroverse Unternehmen, die im Jahr 2013 zusammen einen Umsatz in Höhe von 4,19 Billionen € erwirtschafteten und dabei einen Nettogewinn in Höhe von fast 450 Milliarden € erzielten. Ausgewählt wurden Unternehmen, die bereits bei einigen Investoren auf Ausschlusslisten stehen, gegen die Gerichtsverfahren laufen, die gegen internationales und nationales Recht verstoßen oder gegen die massive Vorwürfe und Anklagen von Medien und Zivilgesellschaft erhoben wurden. DIRTY PROFITS 3  untersucht, wie diese Unternehmen von führenden europäischen Finanzinstituten unterstützt werden. Laut des Berichts verstoßen Unternehmen vor allem gegen Menschenrechte und gegen Klimaschutz und Umweltstandards. Weitere Kategorien nach denen die Unternehmen analysiert wurden, sind das Beachten von Arbeitsrechten, Korruption und Betrugsvorfälle, sowie der Handel mit kontroversen Waffen. Die Unternehmen Glencore, Sesa Sterlite, Wal-Mart Stores und Zijin Mining Group profitieren jeweils von vier Verstößen der fünf Kategorien. Die Samsung Group verletzt mit ihrem Geschäftsmodell laut Facing Finance Menschen – und Arbeitsrechte, trägt zu Umweltzerstörung bei und ist in Korruption und Waffenhandel involviert.

Transparenz herstellen, Verstöße dokumentieren, öffentliches Bewusstsein schaffen

Auf die Frage was der DIRTY PROFITS Bericht bringt und ob er Reaktionen der genannten Unternehmen und Finanzdienstleister hervor rief, erklärten Thomas Küchenmeister von Facing Finance und Regine Richter von urgewald, dass es bisher nicht zu nennenswerten Reaktionen kam. Allerdings berichtete Anne van Schaik aus den Niederlanden, dass es immer wieder einen Austausch mit Banken über ihre Investitionen gibt und ein Dialog durchaus möglich sei. Das Ziel der Veröffentlichung des Berichts ist es Transparenz herzustellen, Verstöße zu dokumentieren und öffentliches Bewusstsein dafür schaffen. "Man kann die Welt eben nicht an einem Tag retten" erklärte Küchenmeister. Aber um Rechenschaftspflicht einfordern zu können muss öffentlicher Druck aufgebaut werden. Die Hoffnung ist, dass Banken und Unternehmen nicht nur ihren Aktionären gegenüber Verantwortung übernehmen. Nur wenn Aktionäre und die Öffentlichkeit von den menschenrechtsverletzenden Geschäftsmethoden erfahren, wird sich in Zukunft was ändern können.
Quelle: Facing Finance

Freitag, 12. Dezember 2014

Umfrage: Ostdeutsche können mit Trendbegriff Nachhaltigkeit wenig anfangen



Nachhaltigkeit ist zu einem viel genutzten Begriff geworden. Den meisten Konsumenten ist aber unklar, was damit gemeint ist. Viele haben auch völlig falsche Vorstellungen. Nicht einmal jeder Zehnte versteht Nachhaltigkeit als Prinzip der Ressourcenschonung. Dies zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 1.007 ostdeutschen Konsumenten, die das Marktforschungsinstitut uniQma aus Leipzig durchgeführt hat.

Noch wenig Durchblick

42% der Ostdeutschen zucken nur fragend mit den Schultern, wenn sie an Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln denken. Und jeder Siebte (14%) ist in Sachen Nachhaltigkeit auf der falschen Spur und hält Lebensmittel für nachhaltig, wenn sie eine gleichbleibend hohe Qualität haben, ein langes Mindesthaltbarkeitsdatum haben oder im Einzelhandel jederzeit vorrätig sind. Der Duden definiert Nachhaltigkeit als Prinzip der Ressourcenschonung, "nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann." Nur 9% der Befragten beschreiben Nachhaltigkeit in diesem engeren Sinne. Merkmale von Nachhaltigkeit sind für sie beispielsweise die langfristige Bewirtschaftung von Ackerflächen, eine artgerechte Tierhaltungen, aber auch die faire Entlohnung anstelle kurzfristiger Profite.

Ungewöhnliche Erklärungsversuche

35% der Befragten machen Erklärungsversuche, die mit einem Nachhaltigkeitsbegriff in einem weiteren Sinn etwas zu tun haben (Mehrfachnennungen möglich). Nachhaltig sind Lebensmittel für Viele vor allem dann, wenn sie aus lokaler und regionaler Produktion stammen, am besten direkt vom Bauern, auf jeden Fall ohne lange Transportwege (18%). Andere verbinden Nachhaltigkeit mit einer umweltschonenden Produktion (12%). Dies umfasst einen ganzheitlichen Herstellungsprozess, bei dem die einzelnen Teile der Produktionskette (von der Futtermittelerzeugung bis zur Verwertung von Resten) effizient und umweltgerecht miteinander verbunden sind. Das Ergebnis einer nachhaltigen Produktion ist ein besseres Lebensmittel, eines das bio, gesund und natürlich ist und das schmeckt (10% der Befragten). Dass Nachhaltigkeit auch weniger Müll und weniger Chemie bedeutet, äußerten 4 bzw. 3%.
Quelle: uniQma GmbH

Dienstag, 9. Dezember 2014

Fair Trade Tourism - jetzt auch in Madagaskar!


Fair Trade Tourism (FTT) fördert verantwortlichen und nachhaltigen Tourismus im Südlichen Afrika und darüber hinaus. Die Nichtregierungsorganisation betreibt das weltweit erste und immer noch einzige Zertifizierungsprogramm nach Fair Trade-Kriterien für Tourismusprodukte. Das Programm wurde vor zehn Jahren entwickelt und wurde im Dezember 2011 als erstes afrikanisches Tourismus-Zertifizierungsprogramm vom Global Sustainable Tourism Council (Globaler Rat für Nachhaltigen Tourismus) anerkannt.

Die ersten fünf Unterkünfte sind zertifiziert

FTT ist stolz, die jüngste Zertifizierung von fünf Tourismusunternehmen in Madagaskar bekanntzugeben. Mit seinen Lemuren und Affenbrotbäumen, seinem Regenwald, den Sandstränden, der Wüste, den Wanderrouten und Tauchgelegenheiten, ist Madagaskar eine Traumdestination für Natur- und Outdoor-Liebhabern – wobei die Hälfte des Vergnügens der Weg zu diesen unglaublichen Sehenswürdigkeiten ist. Salary Bay, in einer der schönsten Buchten Madagaskars gelegen, mit weißen Sandstränden, zauberhaft bunten Korallenriffe und gut erhaltenem Urwald, ist das erste Tourismusunternehmen Madagaskars mit dem Fair Trade Siegel. Aber auch die nicht weit von der Salary Bay entfernt liegende Luxus-Eco-Lodge Hotel Le Paradisier, das  Boutique-Hotel Mantasoa Lodge nahe der Hauptstadt Antananarivo, die BushHouse Lodge, eine kleine Eco-Lodge an der Ostküste, und das Tsara Camp im Tsaranoro Tal dürfen sich mit dem Kennzeichen eines fairen und ökologischen Urlaubs schmücken.

Faire Standards für Mensch und Umwelt

Die frisch zertifizierten Tourismusunternehmen halten sich an die FTT Standards und nutzen das FTT Label um ihr Engagement für fairen und verantwortungsvollen Tourismus auszuweisen. Dazu gehören faire Löhne und Arbeitsbedingungen, faire Beschaffung und Geschäftspraktiken, gerechte Verteilung der Profite und Respektierung der Menschenrechte, der Kultur und der Umwelt. Besondere Initiativen der FTT-Betriebe reichen von der Förderung der Schulbildung für die Kinder der Lokalbevölkerung und der Erstellung von Gesundheitskliniken auf ihrem Grundstück bis zur Zusammenarbeit mit Fischern und Fischzüchtern, um deren Unternehmen profitabler und widerstandsfähiger zu machen. In Anerkennung der Bedeutung des lokalen Landwirtschaftssektors und zur Steigerung von dessen Wertschöpfung stellen die FTT-zertifizierten Betriebe lokalen Bäuerinnen und Bauern die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung und geben ihr technisches und kaufmännisches Wissen an sie weiter. Die zertifizierten Betriebe sind auch bemüht, Wasser und Strom zu sparen und ihre Räume mit lokal produziertem Kunsthandwerk zu schmücken.
Quelle: akte  

Samstag, 6. Dezember 2014

Hinter jedem Pelz steckt Tierquälerei



Ein Pelzlabel bietet keinen Schutz vor Tierqual: Füchse mit offenen Pfoten, die in Käfigen inmitten ihrer verwesenden Artgenossen leben müssen; ein Nerz mit einer unbehandelten Kopfwunde, durch die das Gehirn des Tieres sichtbar ist - dies sind nur zwei grauenerregende Szenen aus einem neuen Videoclip der Tierrechtsorganisation PETA. Das von PETA UK zusammengestellte Material zeigt Aufnahmen aus Pelzfarmen in Ländern, die sich an der Marketing-Initiative "Origin Assured" der Pelzindustrie beteiligen. Es wurde von dem Schauspieler Sky du Mont besprochen.

Unermessliches Leid

Nach immerwährenden Imageproblemen der letzten Jahre haben sich der internationale Pelzverband "International Fur Federation" und die großen Pelzauktionshäuser zusammengeschlossen und das  Label "Origin Assured" (dt. etwa "gesicherte Herkunft") gegründet. Der Öffentlichkeit soll mit dieser Kennzeichnung vermittelt werden, dass im Umgang mit Tieren, die für ihr Fell gezüchtet und getötet werden, alles mit rechten Dingen zugeht. Doch in dem nun von PETA veröffentlichten Video wird das unermessliche Leid der Tiere in Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Italien, Polen, Niederlande, Frankreich und den USA ersichtlich.

Jeder Pelz ist ein Produkt von Tierquälerei

"Das Pelzlabel 'Origin Assured' erfüllt keinen anderen Zweck, als dass es den Menschen ein besseres Gefühl geben soll, wenn sie eine der grausamsten Industrien der Welt unterstützen", so Frank Schmidt, Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie bei  PETA Deutschland. "Egal woher das Fell stammt - wenn ein Produkt Pelz enthält, ist nur eines garantiert, nämlich dass Tiere dafür gelitten haben." "Jeder Pelz ist ein Produkt von Tierquälerei und extremer Grausamkeit. Deshalb entscheide ich mich stets für Kunstpelz", so Sky du Mont. "Bei so vielen hervorragenden Alternativen, die der Markt bietet, gibt es keine Entschuldigung für diese Grausamkeit."

Das Schweigen des Pelzsiegel

Potentiell jeder Pelz von jeder "gesicherten" Tierart aus einem der 29 westlichen Länder kann das "Origin Assured"-Label erhalten. Über die tatsächliche Realität von Tieren auf Pelzfarmen und die grausamen Tötungen mit Gas und Stromstößen schweigt das Pelzlabel. Das OA-Label verweist lediglich auf nationale Gesetze, macht jedoch nicht deutlich, ob diese Vorgaben von den Pelzfarmern eingehalten werden. In Deutschland klagen aktuell beispielsweise sieben von acht verbliebenen Nerzfarmern vor Gericht wegen Auflagen zur Änderung der Nerzkäfige durch Behörden, die die Nerzzüchter nicht durchführen wollen.

(Achtung: Die Szenen in diesem Film sind nichts für schwache Nerven!)