Samstag, 16. Februar 2013

„Apple-Check“ und „Leiharbeiter bei Amazon“ verpasst?



Verschiedene Länder, verschiedene Unternehmen, ähnliche Problematik: Im "Apple-Check" (relevant ist nur das letzte Drittel der Reportage zu Fairness) wird auf die miserablen Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben des Computer-Giganten Apple in China eingegangen.

Krasse Arbeitsbedingungen auch bei Amazon


„Leiharbeiter bei Amazon“ beschreibt die menschenunwürdige Behandlung von Arbeitern, die das größte Online-Kaufhaus der Welt in Deutschland vorübergehend anheuert.

Beide Reportagen sind in der ARD-Mediathek zu sehen.




Hier geht es zum „Apple-Check“:

Hier geht es zu „Leiharbeiter bei Amazon“:


Mittwoch, 13. Februar 2013

Fairtrade-Rosen in der Kritik



Zum Valentinstag geht es bei vielen Menschen nur um ein Thema: Blumen, Blumen, Blumen. Viele von Ihnen stammen aus Fairem Handel. Der Markt explodiert geradezu. So wurden im vergangenen Jahr nach Angaben von Fairtrade Deutschland 260 Millionen faire Rosen verkauft – die Wachstumsrate lag bei über 200 Prozent. Jede fünfte Rose, die in deutschen Supermärkten verkauft wird, trägt mittlerweile das Fairtrade Logo. Auf den ersten Blick betrachtet also eine große Erfolgsgeschichte. Schaut man genauer hin, bekommt die heile Fairtrade-Welt allerdings einige Risse.

Auch bei Faitrade ist Chemie im Einsatz


Die ZDF-Dokumentation „Grüne Rosen“ vom 10.2.13 (Planet-e) geht auf die Problematik von Pestiziden auf Fairtrade-Rosen ein. Denn obwohl auf Fairtrade-Plantagen deutlich weniger Chemikalien eingesetzt werden, als auf vergleichbaren konventionellen Plantagen, konnte Ökotest in Fairtrade-Rosen aus Kenia verbotene Pestizide nachweisen. Ein ehemaliger kenianischer Blumenarbeiter berichtet in „Grüne Rosen“, dass auf einigen Plantagen Spritzmittel eingesetzt würden, die nicht erlaubt seien. Sie würden nicht im vorgeschriebenen Giftraum aufbewahrt und somit bei Kontrollen nicht entdeckt.

Verbotenes Umetikettieren


Ein weiterer Vorwurf der ZDF-Dokumentation ist Etikettenschwindel. Auf den Fairtrade-Plantagen Kenias erhält jede Rose ein Etikett mit dem Fairtrade-Siegel. Leider bekommen oftmals auch nicht fair produzierte Rosen, die von nicht-zertifizierten Nachbarfarmen aufgekauft werden, ein solches Etikett. Das Umetikettieren ist laut des im Filmbericht interviewten Blumenarbeiters Peter Otieno gängige Praxis, vor allem in Zeiten hohen Bedarfs, wie etwa Valentins- oder Muttertag. Auch dieser Schwindel ist bei Kontrollen nicht ohne Weiteres zu entdecken.

TransFair protestiert


Vorwürfe dieser Art lässt Fairtrade Deutschland nicht gerne auf sich sitzen. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es unter anderem: „TransFair hat sofort nach der Kenntnisnahme von diesem Vorwurf unangekündigte Kontrollen veranlasst. Die Überprüfungen am 21.1.2013 haben ergeben, dass geringfügige Fehler bei beigepacktem Schnittgrün nicht aber bei Blumen vorlagen, die sich allerdings  unterhalb einer Fehlerquote von 1% bewegen. Die entsprechenden Farmen wurden zunächst umgehend suspendiert. Nach internen Trainingsmaßnahmen wurde die Suspendierung inzwischen aber wieder aufgehoben.

Brauchen wir jederzeit frische Rosen aus fernen Ländern?


Ganz ausgeblendet bleibt – sowohl in der ZDF-Dokumentation als auch in der Stellungnahme von Fairtrade Deutschland – die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Exportrosen. Mit einem gigantischen Aufwand an Wasser, Pestiziden und Logistik werden Blumen in Kenia, Tansania oder Kolumbien produziert und mehrere Tausend Kilometer nach Deutschland geflogen, damit die Verbraucher jederzeit frische Rosen zur Verfügung haben – ein Luxusgut, von dem nur wenige Menschen profitieren, dessen Nachteile aber viele Menschen bezahlen müssen. Da nutzt es auch nur bedingt, wenn die Rosen über das Fairtrade-Siegel verfügen. Der Fehler liegt im System. Den Bedürfnissen des reichen Teils der Menscheit werden einmal mehr Prioritäten gegenüber ärmerer Bevölkerungsschichten der Erzeugerländer eingeräumt. Die kenianischen Massai, deren Viehherden aufgrund der Blumenplantagen kaum noch Zugang zu Trinkwasser haben, drücken es in dem ZDF-Film wie folgt aus: „Rosen kann man nicht essen!“

Den ZDF-Bericht kann man sich hier anschauen:

Hier die ausführliche Stellungnahme von TransFair (Fairtrade Deutschland):

Fotos: Fairtrade Deutschland, ZDF, Max Havelaar CH

Montag, 11. Februar 2013

Outdoor-Firmen setzen auf Chemiekeule



Nachdem Outdoor-Firmen wie The North Face und Patagonia vor Kurzem wegen Stopfdaunen in ihren Produkten in die Schlagzeilen geraten waren (wir berichteten im Januar), sind es nun die auffällig hohen Schadstoffkonzentrationen in wetterfesten Jacken. Diese waren vom Umweltbundesamtes (UBA) 2012 untersucht worden. Greenpeace hatte im November 2012 die Ergebnisse angefordert.


Peinlich: Testergebnisse geschwärzt



Das Ergebnis des UBA-Tests: In allen 16 Jacken konnten gesundheitsschädliche per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) nachgewiesen werden. In Proben von Campagnolo, C&A, Jack Wolfskin und Tchibo wurden sogar Spuren der EU-weit verbotenen Perfluorsulfonsäure (PFOS) gefunden. Nach Angaben von Greenpeace ließen die Outdoor-Marken Schöffel, The North Face und Vaude sowie die Firma HKM Textil ihre Testergebnisse schwärzen, um zu vermeiden, dass die auffällig hohen Schadstoffwerte bekannt werden.


Transparenz und Alternativen sind gefragt



Greenpeace fordert die Outdoor-Firmen auf den gesamten Prüfbericht offen zu legen. "Die Unternehmen machen den Schadstoffgehalt ihrer Produkte zum Betriebsgeheimnis", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. "Dabei geht es um gefährliche Chemikalien, die sich global verbreiten und Mensch und Umwelt bedrohen. Nach Angaben von Greenpeace gibt es bereits fluorfreie Alternativen. Mit der Kampagne „Detox“ fordert Greenpeace Textilhersteller auf, Risiko-Chemikalien durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen.





Greenpeace Kampagne „Detox“ 
http://www.greenpeace.de/themen/chemie/kampagnen/

Sonntag, 10. Februar 2013

Sehenswerter Dokumentarfilm "Open pit"




Das hässliche Gesicht des oberirdischen Goldabbaus zeigt der mit dem Accolade Award ausgezeichnete Dokumentarfilm “Open Pit” von Gianni Converso. Er schildert den Kampf der Landbevölkerung Cajamarcas in den peruanischen Anden gegen die Goldmine Yanacocha, eine der größten und profitabelsten weltweit.  

Hintergrund



1993 begann die US-amerikanische Newmont Mining Corporation – der weltweit größte Goldproduzent – mit dem Abbau von Gold rund 20 km nördlich der Stadt Cajamarca. Yanacocha ist heute die zweitgrößte Goldmine der Welt. Die internationale Finanzwelt feiert Yanacocha als Erfolgsstory, denn die profitable Mine produziert die Unze Gold zu US$200 und setzt sie auf dem Weltmarkt für bis mehr als  US$1700 ab.


Für viele Campesinos hingegen bedeutet der moderne Goldabbau Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und Verarmung. Die Aktivitäten von Yanacocha konzentrieren sich in Höhenlagen zwischen 3500 und 4200 m, dem Einzugsgebiet vier wichtiger Flüsse. Zahlreiche Kleinbauern nutzen das Land in dieser Höhenlage für extensiven Ackerbau und Viehzucht. Das Gold wird im Tagebau, unter Einsatz großer Mengen an Blausäure, aus dem zerkleinerten Gestein herausgewaschen. Dabei kommt es immer wieder zu Verschmutzungen des Bodens und des Wassers. Fischsterben in den Flüssen ist die Konsequenz. Die Campesinos klagen zudem über Viehsterben, Umweltverschmutzung und die Verringerung der verfügbaren Wassermenge für die Landwirtschaft.


Protestieren die Kleinbauern in Cajamarca gegen die Mine, werden sie oft von starken Polizeikontingenten empfangen. Nicht selten kommt es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen brutal dreinschlagenden Polizisten und wehrlosen Campesinos. Die lokale Presse, die von Yanacocha monatlich Zahlungen empfängt, hüllt sich in Schweigen.

Für die ländliche und städtische Bevölkerung von Cajamarca bedeutet die Anwesenheit der Mine – neben Jobmöglichkeiten für wenige – vor allem Zunahme des Schwerlastverkehrs, starkes Bevölkerungswachstum, Zunahme der Kriminalität, der Prostitution und diverser Haut-, Augen- und Lungenkrankheiten. Yanacocha ist zum stärksten gesellschaftlichen und politischen Destabilisierungsfaktor der Region avanciert.


Dies zeigte sich einmal mehr im November 2011, als es zu wochenlangen Protesten mit Toten und Verletzten gegen das neue Minenprojekt Conga in der Provinz Cajamarca kam, das Präsident Humala sogar vorübergehend zwang, den Ausnahmezustand über die Region zu verhängen. Die Newmont Mining Corporation, Hauptteilhaber von Conga, sah sich schließlich gezwungen, das Projekt zunächst zu suspendieren. Bei Conga handelt es sich mit einem Volumen von 4,8 Mrd. US$ um das investionsträchtigste Bergbauvorhaben der kommenden Jahre. In den Distrikten Huasmín, Sorochuco und Cajamarca werden Reserven von rund 12 Mio. Feinunzen Gold und 3,1 Billionen Pfund Kupfer vermutet. Die einheimische Bevölkerung fürchtet hingegen um die Reinheit und Verfügbarkeit ihrer Wasserquellen. 

"Open Pit" (englisch; Dauer: 1 Std. 12 Min.) kann man sich kostenlos im Internet anschauen: http://vimeo.com/50059350

Auch im mehrfach ausgezeichnteten Dokumentarfilm "Operation Teufel" geht es um Yanacocha: www.guarango.org/diablo/menu-al.html

Quellenangaben Karte und Bilder: Wikipedia