Vorwort

Gerd Billen,
Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz,
Ex-Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv)





Weltpolitiker mit dem Einkaufskorb

O b wir es wollen oder nicht – in der globalisierten Welt entschei-
det auch unser Konsumverhalten über das Weltklima und über
die  weltweiten  Arbeits-  und  Lebensbedingungen.  Immer  mehr
Menschen erkennen die Verantwortung, die daraus erwächst. Nach einer
repräsentativen  Umfrage  erwarten  über  90  Prozent  der  Deutschen  von
ihrem Händler ein ökologisch und sozial verantwortliches Angebot. Die
Konsumrealität sieht jedoch anders aus. Auch wenn die Zahl fair gehan-
delter und ökologisch und sozial unbedenklicher Produkte zugenommen
hat, ist ihr Marktanteil nach wie vor gering.
Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität hat eine Ursache: Die
Verbraucher sind zunehmend überfordert. Sie müssen sich im Produkt-
und Tarif-Dschungel zurechtfinden und sollen dabei mit dem Griff zum
»richtigen Produkt« auch noch dafür zu sorgen, dass etwa die Näherin in
Bangladesch menschenwürdig arbeiten kann. Die Kluft zwischen Wollen
und  Tun  wäre  geringer,  wenn  das  »zweite  Preisschild«  sichtbar  würde.
»Kauf  mich  nicht,  ich  wurde  unter  menschenverachtenden  und  um-
weltzerstörerischen  Bedingungen  hergestellt«,  wäre  dann  die  Botschaft
einiger Produkte. Und nicht nur sie, sondern auch die Preise würden die
ökologische und soziale Wahrheit sprechen.
Dieser  Zustand  ist  noch  eine  Vision.  Nach  wie  vor  sind  gesetzliche
Mindestlöhne,  bezahlte  Überstunden  und  sichere  Arbeitsbedingungen
nicht die Regel. Da reicht es nicht aus, sich auf freiwillige Anstrengungen
der Unternehmen zu verlassen. Die Politik kann helfen, dass in unseren
Ladentheken nur sauber und fair hergestellte Produkte landen.
Aber  wir  dürfen  und  können  nicht  warten,  bis  die  Politik  tätig  wird.
Schon heute haben wir es zum Teil selbst in der Hand, mit unserer Nach-
fragemacht unsozialen und unfairen Produkten und Anbietern die »rote
Karte« zu zeigen. Glaubwürdige Siegel und Label bieten dazu ebenso die
Möglichkeit  wie  Unternehmen,  die  ihren  Kunden  die  »inneren  Werte« ihrer  Produkte  nicht  vorenthalten.  Dieses  Buch  führt  uns  eindrucksvoll
vor Augen, dass es oft gar nicht so schwer ist, mit dem Einkaufskorb zum
Weltpolitiker zu werden. Ich gratuliere den Autoren zur Idee und Umset-
zung und hoffe, dass der Ratgeber Fair einkaufen – aber wie? nicht nur für
Verbraucher,  sondern  auch  für  die  politisch  Verantwortlichen  ein  guter
Ratgeber ist.