Sonntag, 17. April 2016

Lebensmittel-Verschwendung: Enorme Schäden für Umwelt und Klima



Die Vernichtung von Lebensmitteln bereitet nicht nur zunehmende Probleme bei der Welternährung. Sie setzt auch große Mengen von Treibhausgasen frei. Nach dem Vorstoß von Bundesernährungsminister Christian Schmidt, das Mindesthaltbarkeitsdatum abzuschaffen, hat auch hierzulande die Diskussion über die Verschwendung von Nahrungsmitteln wieder Fahrt aufgenommen. Andere Länder haben bereits konkrete Maßnahmen ergriffen oder diskutieren Gesetzesänderungen. So ist Supermärkten in Frankreich untersagt, Lebensmittel, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben, einfach wegzuwerfen. Sie müssen die nicht mehr verkäufliche Ware spenden. In England ist ein Gesetz zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in Vorbereitung. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen  Erhebungen der  FAO zufolge landet gut ein Viertel der weltweit produzierten Lebensmittel auf dem Müll. Diese Verschwendung ist nicht nur angesichts der Ernährungsprobleme im Zuge der wachsenden Weltbevölkerung ein drängendes Problem. Sie bedeutet auch eine erhebliche Belastung des Weltklimas: In einem bereits 2011 veröffentlichten Bericht rechnet die FAO vor, dass im Jahr 2007 die Vernichtung von 1,6 Milliarden Tonnen Nahrungsmitteln eine Belastung von 3,3 Millarden Tonnen Kohlendioxidäquivalenten bedeutete – verglichen mit den Emissionen ganzer Volkswirtschaften waren nur die von China oder den USA verursachten Klimaschäden in diesem Jahr höher.

Unnötige Belastung der Umwelt

Inzwischen dürfte die Belastung noch gravierender sein. Und in den Kalkulationen der FAO sind lediglich die Emissionen durch die Produktion der nicht gegessenen Nahrungsmitteln enthalten. Rechnet man die Wirkung der unnötigen Umwandlung von Wäldern in Ackerland und die Treibhausgase hinzu, die mit den entsorgten Lebensmitteln zusätzlich aus Deponien entweichen, fällt die Klimawirkung der Lebensmittelverschwendung weitaus drastischer aus. Der umweltschädliche Abfall fällt auf allen Stufen der Produktion und des Vertriebs an. Nach Einschätzung der FAO wird der größte Teil im Zuge der landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln vernichtet – hier kommt bereits rund ein Drittel der gesamten Müllmenge zusammen. „Grüne Technologien, wie etwa die Trocknung mit Hilfe von Solarenergie, können dazu beitragen, die Haltbarkeit zu verlängern, die Sicherheit der Lebensmittelversorgung verbessern und wirtschaftliche Vorteile für die Verbraucher bringen“, heißt es weiter in dem FAO-Bericht. Neue Studien bestätigen den Beitrag der Misswirtschaft im Lebensmittelsektor zur Erderwärmung. In einem kürzlich veröffentlichten Kommentar im „British Medical Journal“ kommen die Autoren zu dem Schluss: „Die ökologische Wirkung der Lebensmittelproduktion ist enorm. Der Abfall trägt auf unnötige Weise zum Klimawandel und dem Verlust von Biodiversität ebenso bei, wie zur Stickstoff- und Phosphorbelastung und dem Verbrauch knapper landwirtschaftlich nutzbarer Flächen und Frischwasservorkommen.“ Laut der aktuellen Untersuchung einer Gruppe von Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen, die sich zur Interessenvertretung ReFED zusammengeschlossen haben, hätte allein die Verminderung der Lebensmittelverschwendung in den USA um 20 Prozent eine jährliche Vermeidung von 18 Millionen Tonnen Klimagasen zur Folge. Dazu schlagen die Experten von ReFED eine Verbesserung der Informationen für Verbraucher, gezielte Lebensmittelkontrollen und eine zentral organisierte Kompostierung verdorbener Nahrungsmittel vor.
Quelle: Greenpeace-Magazin / Matthias Lambrecht

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