Montag, 3. August 2015

Smartphones im Fairness-Test



Den Vorverkaufsstart des Fairphone 2 (s. Blogbeitrag vom 20. Juli) nehmen die Christliche Initiative Romero und WEED e.V. in Kooperation mit der österreichischen NGO Südwind zum Anlass, die Ergebnisse einer vergleichenden Studie zu TCO-zertifizierten Smartphones und dem Fairphone 2 zu präsentieren. In der vom niederländischen Forschungsinstitut SOMO erstellten Studie schneidet das Fairphone in mehreren Nachhaltigkeitsbereichen am besten ab, zeigt jedoch noch Verbesserungsbedarf. "Bis dato kann man zwar kein einziges Smartphone als 100 prozentig fair hergestellt bezeichnen, aber das Fairphone schneidet in der Vergleichsstudie in vielen Bereichen besser ab als der Kriterienkatalog von TCO Certified", fasst Johanna Fincke von der  Christlichen Initiative Romero die Ergebnisse der Studie zusammen.

Nur ein Teil der Kriterien erfüllt

Im Mai 2013 kamen erstmals zwei sogenannte "faire" Smartphones auf den Markt. Die schwedische Zertifizierungsorganisation TCO Development stellte das Samsung Galaxy S4 als das erste Smartphone vor, das ihren Umweltanforderungen sowie ihren Anforderungen an faire Arbeitsverhältnisse in der Produktion entsprach. Zur gleichen Zeit gab das niederländische Sozialunternehmen Fairphone den Verkauf von fairen Smartphones bekannt. Heute, zwei Jahre später, bewertet und vergleicht die  SOMO-Studie TCO Certified Smartphones versus Fairphone. A comparison of sustainability criteria die Standards beider Initiativen. Von den 34 darin überprüften Nachhaltigkeitskriterien erfüllt Fairphone 20 Kriterien. Damit erfüllt  Fairphone weit mehr Kriterien als TCO und liegt über den, in der Industrie üblichen Standards. Dies betrifft vor allem die Vermeidung sogenannter Konfliktmineralien und die Verhältnisse in den Rohstoff-Minen. Aber auch bestimmte Kriterien zu Arbeitsbedingungen in der Herstellung, der Multi-Stakeholder-Ansatz und ihre Ansätze zur Bekämpfung der Elektromüll-Problematik werden positiv bewertet.

Verbesserungsbedarf bei Fairphone und bei TCO

"Trotzdem gibt es auch beim Fairphone weiterhin Verbesserungsbedarf", sagt Annelie Evermann von  WEED e.V. und konkretisiert: "Insbesondere sollten die Beschwerde-Mechanismen für Arbeiter in den Produktionsstätten verbessert und Kriterien, die die verantwortliche Nutzung von Chemikalien in der Produktion berücksichtigen, entwickelt werden. Da das Fairphone 2 nun von Fairphone selbst designt wird, haben sie dazu jetzt eine einmalige Chance." Die Kriterien von  TCO Certified für Smartphones konnten nur sieben Kriterien über dem industrieüblichen Standard erfüllen. "Smartphones, die von TCO Development zertifiziert werden, schneiden kaum besser ab als nicht zertifizierte, werden aber dennoch als 'fair' bezeichnet", bedauert Johanna Fincke, "Das Wort 'fair' darf nicht zu einem PR-Trick verkommen. Wer wirklich fair sein will, muss sich ernsthaft für Verbesserungen einsetzen und soziale Verantwortung für seine Produktion übernehmen." Annelie Evermann ergänzt: "Diese Glaubwürdigkeit ist entscheidend, um Verbrauchern, aber auch Einkäufern der öffentlichen Hand, die mit ihrem Kauf bessere Arbeitsbedingungen fördern wollen, bewusste und gut informierte Kaufentscheidungen zu ermöglichen."
Quelle: UD/na

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