Sonntag, 12. Oktober 2014

Nahrungsmittelabfälle: hohe wirtschaftliche, soziale und ökologische Kosten


Etwa ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion wird nicht konsumiert sondern weggeworfen oder geht entlang der Wertschöpfungskette verloren. Nahrungsmittelabfälle kosten die Welt pro Jahr 2,6 Billionen Dollar. Dabei geht es nicht nur um den Verlust immenser Mengen an Nahrungsmitteln, sondern auch um große negative Umweltwirkungen und die damit zusammenhängenden Kosten für die Gesellschaft. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat in einer Studie von 2011 erstmals die Menge der Nahrungemittelabfälle quantifiziert. In einer weiteren Studie von 2013 wurden die damit verbundenen Umweltwirkungen berechnet. Die nun vorliegende Studie, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zusammen mit der FAO und Forschern der London School of Economics erarbeitet hat, beziffert erstmals die volkswirtschaftlichen Kosten dieser Nahrungsmittelabfälle und berechnet Kosten und Nutzen von beispielhaften Vermeidungsmaßnahmen. So zeigt sich, dass die direkten Kosten durch die verlorene Produktion etwa eine Billion US-Dollar ausmachen, die Umweltkosten etwa 700 Milliarden und die sozialen Kosten etwa 900 Milliarden. Zusammen sind das 2,6 Billionen US-Dollar oder etwa vier Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Bei den Umweltkosten sind vor allem die Treibhausgasemissionen und der Wasserverbrauch für Bewässerung in Regionen mit Wasserknappheit wichtig, bei den sozialen Kosten sind es Gesundheitskosten, Konflikte und Wohlfahrtsverluste aufgrund schwindender Lebensgrundlagen.

Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen als oberstes Ziel

Während die direkten Kosten einigermaßen verlässlich abzuschätzen sind, sind die Umweltkosten sehr stark von Annahmen, wie zum Beispiel den Schadenskosten einer Tonne Treibhausgasemissionen oder der Wasserknappheit in verschiedenen Regionen abhängig. Weitaus am unsichersten sind aber die sozialen Kosten, die auf geschätzten Wohlfahrtsverlusten verschiedener Bevölkerungsgruppen beruhen. Die Autoren der Studie betonen weiter, dass trotz Verwendung der besten erhältlichen Daten noch viele und zum Teil wesentliche Datenlücken bestehen. Deswegen ist zu erwarten, dass die vorliegenden Kostenschätzungen eher an den unteren Grenzen liegen. In einer begleitenden Studie wurden die Kosten und Nutzen verschiedener konkreter Maßnahmen, um Nahrungsmittelabfälle und -verluste zu reduzieren, quantifiziert. Diese ergänzt die globalen Kostenschätzungen um konkrete Fallstudien zu möglichen Maßnahmen und um Schätzungen, was diese an Kosteneinsparungen und reduzierten Umweltwirkungen bewirken könnten. Dabei zeigt sich, dass die Wirkung der Maßnahmen sehr stark von der Art der Nahrungsmittelabfälle und von den betrachteten Indikatoren abhängt. Tendenziell wird klar, dass die Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen erstes Ziel bleibt, da sie vorteilhafter als Wiederverwertung ist, auch wenn letztere sehr effizient organisiert werden kann.
Quelle: Pressemeldung FIBL

Hier geht es zu den Studien (alle engl.):

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