Montag, 7. Juli 2014

Nahrungsmittelspekulation: Wann steigt die Deutsche Bank endlich aus?



Drei von vier Börsen-Akteuren gehen davon aus, dass Finanzspekulation die Preise für Nahrungsmittel direkt beeinflusst. Das geht aus einer internationalen Befragung hervor, die das Marktforschungsinstitut SIS International Research im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch durchgeführt hat. Für die Studie wurden insgesamt 180 erfahrene Rohstoffhändler, Broker und Analysten aus Deutschland sowie von den Finanzplätzen Chicago, New York, London, Tokio, Neu-Delhi, Shanghai, Dubai und Abu Dhabi befragt.

Spekulanten könnten Rohstoffpreise treiben

89 Prozent von ihnen gaben an, dass Finanzspekulanten die Futures-Preise an den Terminbörsen beeinflussen. 75 Prozent der Befragten gehen weiter davon aus, dass sich diese Effekte dann auch auf die Preise für Nahrungsmittel und Rohöl (und damit ebenfalls indirekt auf Nahrungsmittelpreise) niederschlagen. Diese Meinung vertraten - im Gegensatz zur offiziellen Linie der Konzernspitze - auch die beiden befragten Mitarbeiter der Deutschen Bank. Einer von ihnen sagte, Spekulanten könnten die Rohstoffpreise "systematisch" und "nachhaltig" treiben. "Wenn die Wissenschaft mit ihren ökonometrischen Modellen keinen abschließenden Befund liefert, sollte man einfach mal diejenigen fragen, deren tägliches Geschäft die Rohstoffbörsen sind. Eine riesige Mehrheit der Börsenpraktiker ist davon überzeugt, dass Spekulation die Lebensmittelpreise treiben kann - allein das sollte die Deutsche Bank dazu bringen, aus Vorsorgegründen die Reißleine zu ziehen", erklärte Lena Blanken, Volkswirtin bei foodwatch.

Kein Hunger durch Finanzspekulation

In Deutschland ist die Deutsche Bank das letzte verbliebene Geldhaus, das noch an der Agrarspekulation festhält. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen argumentiert, dass es keine überzeugenden Belege für einen Einfluss von Finanzspekulation auf Nahrungsmittelpreise gebe. Doch während die Deutsche Bank ihrerseits noch nicht einmal offen legt, auf welche Studien oder sonstigen Erkenntnisse sie ihre Position begründet, sprechen die aktuelle Befragung und eine im März 2014 veröffentlichte Untersuchung des Thünen-Instituts im Auftrag der Bundesregierung eine deutlich Sprache. Die Studie ergab, dass sich Bauern, Agrarhändler und die Lebensmittelwirtschaft bei der Preisfindung für Agrarrohstoffe an den Terminbörsen orientieren. Das zeigt, dass die Entwicklung der Derivate-Märkte auf die Preise für physische Waren übertragen wird. "Es gibt starke Indizien aus der Wissenschaft und erdrückende Belege aus der Praxis dafür, dass Spekulationsexzesse Lebensmittelpreise ansteigen lassen", so Lena Blanken von foodwatch. "Wer das - wie Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen - nicht zur Kenntnis nimmt, handelt in hohem Maße verantwortungslos. Kein Mensch darf mehr durch Finanzspekulanten in den Hunger getrieben werden."
Quelle: foodwatch

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