Dienstag, 15. April 2014

Traumland Brasilien – Albtraum Orangenanbau


Ein aktueller Test von Stiftung Warentest belegt prekäre Arbeitsbedingungen in der Produktion von O-Saft in Brasilien und die fehlende Verantwortung deutscher Supermarktketten.

Massive Arbeitsrechtsverletzungen im Orangenanbau

Eine umfassende Recherche der entwicklungspolitischen Organisation Christliche Initiative Romero (CIR) deckte bereits im Oktober 2013 massive Arbeitsrechtsverletzungen im Anbau von Orangen und in der Herstellung von Orangensaft im Produktionsland Brasilien auf (s. Blogbeitrag vom 20. Oktober 2013). Die veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest mit Fokus auf die Unternehmensverantwortung (CSR) der deutschen Saft-Anbieter von Aldi bis Pfanner belegt diese Ergebnisse erneut. Nur bei einem Orangensaft bewertet die Stiftung Warentest die Produktionsbedingungen mit "Gut". Alle anderen Anbieter engagieren sich "befriedigend" oder sogar nur "ausreichend" für Umwelt und Soziales.

Mehr Transparenz über die komplette Lieferkette gefordert

Erschreckend, wenngleich keineswegs überraschend, ist auch, dass die von Stiftung Warentest befragten Anbieter von O-Saft in der Regel nicht wissen, von welchen Plantagen die Orangen für ihre Säfte kommen. "Dies deckt sich mit der Erfahrung der Christlichen Initiative Romero aus anderen Handelsbranchen, insbesondere der Bekleidungsindustrie, und unterstreicht unsere Forderung nach umfassender Transparenz über die komplette Lieferkette", so Sandra Dusch Silva, Referentin für Unternehmensverantwortung bei der CIR. Die negativen Ergebnisse des aktuellen CSR-Test der Stiftung Warentest machen erneut deutlich, dass öffentlicher Druck auf die deutschen Lebensmitteleinzelhändler gefragt ist. "Es muss endlich eine branchenweite Lösung geben, um die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Brasilien zu verbessern", fordert Dusch Silva. Mehr als 1.800 Menschen rufen die Handelsriesen Edeka, Rewe, Aldi und Lidl im Rahmen einer von der CIR initiierten Protestaktion bereits auf, mehr sozialer Verantwortung zu übernehmen. Bis Mai 2014 können sich weitere kritische Konsumenten dem Appell anschließen.

Für die Plantagenarbeiter bleibt kaum Geld übrig

Ein brandneuer Videoclip der CIR, produziert von ecofilm, wirft auf humorige Art ein Licht auf die zumeist noch unbekannte Seite von Brasilien. Denn das südamerikanische Land ist nicht nur von traumhaften Stränden, Zuckerhut und Fußball geprägt. Es ist auch Marktführer in der Produktion von Orangensaft. Und die Realität der Arbeiter auf den Orangen-Plantagen ist alles andere als 'traumhaft'. Von einem für 89 Eurocent vertriebenen Liter Orangensaft gehen gerade mal 20 Eurocent an das Herstellungsland Brasilien - für den Anbau und die industrielle Produktion. Die Plantagenarbeiter und -arbeiterinnen sehen von dem Geld so gut wie nichts.
Quelle: Umweltdialog

Hier geht es zum Videoclip:

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