Donnerstag, 8. August 2013

Äpfel aus Neuseeland: Klimakiller oder nicht?



Äpfel sind der Deutschen liebstes Obst. Doch immer mehr der rund 30 Kilogramm Äpfel, die jeder Deutsche pro Jahr verzehrt, kommen aus weit entfernten Ländern wie Südafrika oder gar Neuseeland. Das hat Auswirkungen auf das Klima. Doch entsteht durch die Produktion und den Transport eines Apfels aus Neuseeland tatsächlich mehr CO2 als durch einen deutschen Apfel?

Deutsche Äpfel bis zum Frühjahr

Die Antwort ist komplexer als vermutet. Drei Komponenten spielen eine wichtige Rolle: Herstellung, Transport und Lagerung. Die Erntezeit für Äpfel liegt im Deutschland im Spätsommer zwischen August und November. Wer zu dieser Zeit Äpfel kauft, sollte klar zu den heimischen Produkten greifen. Sozusagen direkt vom Baum in den Supermarkt ohne lange Lieferketten, das ist selbstverständlich klimafreundlicher als einen Apfel vom anderen Ende der Welt per Schiff zu transportieren.

Im Frühjahr auf Überseeäpfel umsteigen

Anders sieht es im Frühjahr aus. Da kommen die deutschen Äpfel aus Kühlhäusern, sind also nicht mehr taufrisch und haben indirekt Energie durch ihre Lagerung verbraucht. Hingegen ist in Neuseeland im Frühjahr Erntezeit. Anschließend wird das Obst per Schiff nach Europa gebracht und landet wenige Wochen später im Supermarkt. Die Äpfel aus Neuseeland haben zwar eine Reise von mehr als 20 000 Kilometer auf dem Containerschiff nach Deutschland hinter sich, doch sie belasten, auf den einzelnen Apfel bezogen, das Klima nur wenig.

Neuseeländische Äpfel ertragreicher

Im Schnitt erzeugt der Transport von einem Kilogramm Obst aus Übersee per Schiff nach Deutschland 570 Gramm CO2. Ein Transport innerhalb Deutschlands schlägt mit 230 Gramm zu Buche. Damit liegt die Belastung durch den Transport von Überseeäpfeln zwar mehr als doppelt so hoch wie bei heimischen Produkten, jedoch entfällt die lange Lagerung im Kühlhaus. Was hinzukommt: Die Ausbeute ist bei neuseeländischen Apfelbäumen aufgrund des Klimas höher als bei Bäumen die am Bodensee oder in der Uckermark stehen. In Neuseeland tragen die Bäume mehr Früchte. Daher benötigt die Herstellung von einem Kilogramm Äpfel dort 2,1 Megaujoule Energie, in Deutschland werden für die gleiche Menge 2,8 Megajoule benötigt.

Obsteinkauf per Rad statt mit dem Auto

Im direkten Vergleich des Energiebedarfs beider Äpfel, liegt das neuseeländische Produkt aber rund 30 Prozent über dem lokalen Apfel. Diese 30 Prozent Mehrbelastung entsprechen rund 1,5 Kilometer Autofahren. Diese Erkenntnis wirft ein zusätzliches Licht auf den Obsteinkauf. Um möglichst ökologisch einzukaufen spielt weniger das Herkunftsland als die Jahreszeit und das Verkehrsmittel zum Supermarkt eine Rolle.


Flugobst ist tabu

Daher sollte man immer das einkaufen, was aktuell geerntet wird. Im Sommer Erdbeeren, im Herbst Äpfel. Sollte einem dann dennoch im Frühjahr nach Äpfeln sein, kann man gelegentlich auch zu den Produkten aus Übersee greifen. Die sind frischer als Äpfel aus Deutschland und in der Klimaschädlichkeit nur minimal höher. Zusätzlich empfiehlt es sich fürs Einkaufen im Supermarkt das Fahrrad statt des Autos zu nehmen. Ein absolutes Tabu in Sachen Klimaschutz bleiben Früchte, die statt per Containerschiff mit dem Flieger nach Deutschland kommen. Dazu zählen beispielsweise Ananas oder Mangos. Die Umweltbelastung, die durch den Flugtransport dieser Früchte entsteht ist derart hoch, dass auch versierte Radler sehr lange in die Pedale treten müssen.

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